Ich werde mich nicht vom Gegenteil überzeugen lassen 😉

Unter den Emojis befinden sich allerlei Motive, die unangenehme Gefühle hervorrufen: der lachende Scheißhaufen zum Beispiel, die boshafte Teufelsfratze oder der arme Kerl, der einen Schwall giftgrüne Kotze speit. Doch keines dieser Emojis könnte mich jemals so aufregen wie der König der Smartphone-vermittelten Arroganz: der Zwinker-Smiley.

Das Zwinkern an sich ist eigentlich eine harmlose Geste. 

Okay, manchmal ist es auch im Real-Life einigermaßen unangenehm. Zum Beispiel, wenn dir der besoffene Onkel beim Familienfest sagt, du seist ja inzwischen "zu einer richtigen Dame geworden". 

Aber davon abgesehen kann ein echtes Zwinkern erfrischend sein, verschwörerisch, erleichternd. Je nach Umständen gibt es tausend Einsatzmöglichkeiten, und immer geht es darum, einer ernsten Situation etwas Leichtigkeit zurückzugeben. Nicht ohne Grund sagt man "mit einem Augenzwinkern" und meint damit etwas Gutes.

Ganz anders aber in der geschriebenen Kommunikation. 

Hier gibt es nämlich nur zwei Arten zu zwinkern: 1. anzüglich 2. herablassend. Und beides kommt eher aus der Kategorie "Nein, danke".

Über den anzüglichen Zwinkerer muss man vermutlich nicht lange diskutieren. 

Er ist sowas wie ein leuchtender Warnhinweis für diejenigen, die beim Sexting etwas schwer von Begriff sind. Diejenigen, die noch etwas zusätzliche Hilfe brauchen, um zu verstehen, dass mit dem Satz "Ich hätte schon eine Idee, wie wir dich wieder aufwärmen könnten" keine Wolldecken und Kräutertees gemeint sind. Zur Sicherheit also: Aufwärmen. 😉 

Doch der Zwinkerer macht auch nicht-sexuelle Nachrichten zweideutig. 

Sätze, die an sich gar nicht schlimm wären – wenn dahinter nicht dieser verdammte Emoji stünde.

Zum Beispiel, wenn dich jemand auf einen Fehler hinweist – sagen wir mal: 

"Ich glaube, du hast dich im Datum vertan. 😉" 

An sich ein nützlicher Hinweis. Aber was soll das Zwinkern? Denkt die sendende Person, dass ich mit dieser Kritik nicht umgehen kann, wenn sie nicht von einem grinsenden Emoji begleitet wird? Soll es sagen: "Hey, nimm's nicht so schwer! Das Leben geht weiter! Auch wenn du gedacht hast, dass der Termin am 21. ist: Du bist immer noch ein wertvolles Mitglied dieser Gemeinschaft"? Ist das wirklich nötig?

Oder wenn dir jemand etwas erklärt, zum Beispiel: 

"Das Museum hat montags zu. 😉

Auch hier – eigentlich eine ganz einfache, sogar hilfreiche Information. Hätte man das Zwinkern nicht einfach weglassen können? Oder soll es vielleicht doch eine zweite Bedeutungsebene hinzufügen? Will mich der Absender möglicherweise darauf hinweisen, dass die meisten Museen montags Ruhetag haben, und ich folglich ein Kunst- und Kulturbanause bin? 

Der Zwinker-Emoji ist dabei ein bisschen wie ein Kopftätscheln. 

Eine Geste, die der Tätschler für beruhigend hält – und gleichzeitig irgendwie vermittelt: "Ich stehe über dir." Und den Getätschelten deshalb einfach nur absolut rasend macht.

Falls mich jemand tatsächlich für einen Choleriker oder eine dumme Nuss hält: nur zu. Aber dann könnte man das ja einfach sagen – anstatt den Vorwurf hinter diesem gelb frotzelnden Gesicht zu verstecken. 

Falls das Zwinkern aber gar nicht so gemeint sein sollte: Dann lass es doch einfach weg. 

Es gibt wirklich keinen Grund, einfache Informationssätze mit einem Zwinkern zu versehen. 

Würdest du im echten Leben jemandem zuzwinkern, während du ihn über die Öffnungszeiten eines Museums informierst? Vermutlich eher nicht. Außer, du willst ein Arschloch sein. In dem Fall kannst du dann wiederum eigentlich auch doch den Emoji benutzen.


Gerechtigkeit

Der Feminismus ist das beste, was Männern passieren konnte

Seit Anfang des Jahres eine Rasiererwerbung von Männern gefordert hat, sich seltener wie Arschlöcher zu benehmen, ist die Diskussion um "toxische Männlichkeit" neu entbrannt. An vorderster Front des Kampfes: Männer, die sich von dem Video angegriffen fühlen und ein bestimmtes Rollenbild gegen "Social-Justice-Warriors" und Feministinnen verteidigen wollen. Ihr Tenor: Männer sind wie sie sind und das kann und soll niemand ändern.

Nur: Genau dieses selbst auferlegte Männerbild sorgt gerade unter den Männern selbst für Leid und ungewollte Probleme. Sei es im Job, in der Familie oder bei der Gesundheit. 

bento-Redakteur Sebastian Maas fragt sich, warum so viele Männer für etwas eintreten, das sie unglücklich und kaputt macht. Merken sie gar nicht, dass sie sich selbst schaden? Oder haben Männer etwa nicht das Recht, glücklich zu sein? 

Den ganzen Kommentar gibt es oben im Video.