... nur Gemüse schnippeln war bis vor Kurzem noch etwas umständlich.

Stell dir vor, du hättest keine Arme und nur ein Bein. Was, glaubst du, könntest du dann alleine tun? Dich schminken? Auto fahren? Einen Beruf ausüben? Zwei Berufe? Eine glückliche Beziehung führen? Ein Haus bauen?

Die Antwort ist: Ja

Denise Marko liefert den Beweis. Denise ist 22 Jahre alt, kommt aus der Nähe von Augsburg und arbeitet als HR-Administratorin in einer Personalabteilung. Bekannt wurde sie durch ihre Rolle im WDR-Zweiteiler Contergan von 2007. Darin wird der Skandal um das gleichnamige Schlafmittel, welches bei ungeborenen Kindern zu schweren Missbildungen führte, fiktional behandelt. Für ihre Rolle wurde Denise – auch heute noch leidenschaftliche Schauspielerin – mit dem Bambi und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Denise wurde mit einem Gendefekt geboren und tut all die Dinge – arbeiten, Auto fahren, und so weiter – mit einer fröhlichen Selbstverständlichkeit, die bemerkenswert erscheint.

Nur: Für sie ist das nicht bemerkenswert – für sie ist das normal
"Ich wurde mit meiner Behinderung geboren und ich komme auch sehr gut damit zurecht – also, ich habe nie Probleme gehabt mit dem Ganzen. Natürlich braucht man bei manchen Dingen Unterstützung. Aber ich versuche, immer erst alles selber zu erledigen, und erst dann frage ich nach Hilfe. Ich arbeite ganz normal im Büro. Ich gehe jeden Tag ganz normal zur Arbeit und habe auch ganz normale Hobbys: Shoppen gehen, mit Freunden treffen, Schwimmen."
Denise tut fast alles mit dem Fuß

Sie schminkt sich mit dem Fuß, sie isst damit, sie schreibt damit. Das ist nicht immer einfach, aber die Schwierigkeiten ergeben sich nicht unbedingt aus ihrer Behinderung selbst – sondern vor allem daraus, dass die Welt nicht auf Menschen wie sie zugeschnitten ist.

Das gilt besonders für öffentliche Räume. "In Sachen Barrierefreiheit ist in Deutschland noch viel Luft nach oben", erklärt sie. Öffentliche Verkehrsmittel sind mit dem Rollstuhl, den Denise bei längeren Strecken nutzt, zum Beispiel eher schwierig zu benutzen.

Private Räume kann man dagegen perfekt anpassen. Darum wird auch Denise’ Haus ein bisschen anders aussehen als andere Häuser. "Wenn ich für mich ein Haus baue, will ich alleine darin zurecht kommen können. Ich will selber kochen können, überall hinkommen. Also, Hochschränke sind für mich jetzt nicht unbedingt praktisch."

Auch Gemüse zu schneiden ist in Standard-Küchen nicht so einfach, weil Denise dazu bislang auf dem Küchentisch sitzen muss – und auf den kommt sie ohne Hilfe eher nicht. Höchste Zeit also, dass jemand ein Hilfsmittel erfindet, das es Denise erlaubt, bequem selbstständig zu kochen.

Höchste Zeit für Manuel

In der Kampagne "Wir machen’s einfach" der Aktion Mensch baut Manuel Rottmann – studierter Erziehungswissenschaftler, gelernter Baumpfleger und passionierter "Fachmann für Freiluftvorhaben" – coole Gadgets für Menschen mit Behinderung. In der ersten Folge entwarf er zusammen mit Kai Hellmig einen praktischen Handschuh, mit dem dieser mit Muskelschwäche Bierflaschen öffnen und Gegenstände vom Boden aufheben kann.

Nun, im zweiten Film, designt Manuel mit Denise einen Stuhl, der es ihr erlaubt, mit dem Fuß Gemüse zu schnippeln, ohne dabei auf dem Tisch sitzen zu müssen. Eine zusätzliche Schneidehilfe sorgt außerdem dafür, dass das Gemüse beim Schneiden nicht vom Tisch kullern kann.

Hier gibt's das dazugehörige Video:

Schon beim ersten "Wir machen’s einfach"-Projekt betonte Manuel: Die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung sind nicht automatisch größer oder schwerer zu lösen als die Bedürfnisse von Menschen ohne Behinderung – sie sind nur ein wenig individueller.

Darum ist es auch nicht so, dass Denise’ Stuhl irgendwelche außergewöhnlichen Sachen können muss. Alle benötigten Features gibt es bereits bei anderen Stühlen – nur eben verteilt auf verschiedene Modelle. Die Feststellfunktion gibt es bei Elefanten-Hockern, die Höhenvorstellbarkeit beim Friseurstuhl und die richtige Sesselform gibt’s beim Barhocker. Kein Hexenwerk, keine krasse Extrawurst in Denise’ Küche.

Eigentlich also alles ganz normal: Und so möchte Denise auch behandelt werden

Auf Menschen, die sie anstarren – zumindest wenn es keine Kinder sind – reagiert sie darum allergisch. Solche Leute spricht sie dann auch an. "Die sind ja in einem Alter, in dem man drüber nachdenken kann, ob das für einen Menschen schön ist, wenn man angestarrt wird."

Für Denise gehen Annäherungsschwierigkeiten allerdings auch allzu oft von den Menschen mit Behinderung selbst aus. "Wenn man offen auf Menschen zugeht, haben diese meistens keine Berührungsängste mehr. Aber wenn jemand von vornherein verschlossen ist und den Kopf in den Sand steckt, dann ist es schwierig, an den Menschen heranzukommen."

Für solche Menschen will Denise auch gerne Vorbild und Mutmacher sein:

"Jeder hat nur ein Leben und das sollte man genießen. Auch wenn man anders ist – ich meine, was ist heutzutage schon normal?!“

Stimmt eigentlich.

Kundeninformationen

Klar – es gibt schon viele Hilfsmittel auf dem Markt, die Menschen mit Behinderung den Alltag erleichtern. Aber oft sind es die kleinen Dinge, an die noch niemand gedacht hat, für die aber eine Lösung her muss. Und da sollte das Motto sein: Wir machen‘s einfach!

Die Aktion Mensch setzt sich mit der Förderung von sozialen Projekten, mit Aktionen und Kampagnen für Inklusion – das selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung in der Gesellschaft – ein. Ihr Ziel ist es, dass Menschen mit Behinderung überall dabei sein können. In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat die Aktion Mensch mehr als 3,9 Milliarden Euro an soziale Projekte weitergegeben. Das war nur möglich, weil rund 4 Millionen Menschen regelmäßig bei der Aktion Mensch-Lotterie mitspielen und dafür sorgen, dass das Wir gewinnt.

www.aktion-mensch.de


Grün

Diese Straße führt in die Zukunft – es ist die erste Solarstraße der Welt

Am Donnerstag wurde in der französischen Normandie die erste Solarstraße der Welt in Betrieb genommen worden. Sie besteht aus Solarplatten, die auf der Straße ausgelegt wurden, und erzeugt somit Strom aus Sonnenlicht.

Die Straße ist etwa einen Kilometer lang und liegt im Ort Tourouvre-au-Perche. Die Paneele bedecken eine Fläche von rund 2.800 Quadratmetern. Damit soll bereits genug Strom produziert werden, um die Straßenlaternen in dem 5.000-Einwohner-Ort zu betreiben, berichtet die französische Tageszeitung "Le Monde".