Ein Interview mit dem Macher von "Dear Americans"

Jemanden zu wählen, der Minderheiten hasst und sich nicht um Demokratie schert, kann böse enden – fragt mal die Deutschen. Diese Warnung vor Donald Trump, gerichtet an die "Dear Americans", verbreitet sich gerade rasant im Netz. Viele deutsche und amerikanische Facebook-Nutzer sehen den Post in ihren Timelines. Auch etliche US-Promis haben ihn und den Hashtag #beentheredonethat geteilt. Der Text kommt ohne die Worte Faschismus und Hitler aus, dennoch ist seine Botschaft eindeutig.

Wer steckt dahinter? Wir haben mit dem Mann gesprochen, der hier im Namen "der Deutschen" vor Präsidentschaftskandidat Trump warnt. Johan Franklin, wie er sich auf Twitter nennt, möchte anonym bleiben, um in seinem Beruf "Reibungen mit den Klienten zu vermeiden", wie er es formuliert.

Beide müssen sich zunächst innerhalb der Republikanischen und Demokratischen Partei gegen Mit-Kandidaten durchsetzen – der Vorwahlkampf beginnt. Und er ist schmutzig.
Früh wird klar, dass Trump ein Sexist ist. Im August 2015 beschimpft er die Journalistin Megyn Kelly, "Blut komme aus ihrem wasauchimmer":
Hillary Clinton bekommt im Frühjahr 2016 Ärger wegen ihrer E-Mail-Affäre: Sie soll als Außenministerin Staatsgeheimnisse über private Mail-Server verschickt haben. Das FBI ermittelt.
Spätestens ab August beginnt der Schmutz: "Dick Pics" von Anthony Weiner werden veröffentlicht. Er ist der Mann von Clintons persönlicher Assistentin Huma Abedin.
Auch ein Schwächeanfall von Clinton – ausgerechnet am Jahrestag von 9/11 – wird zum Thema.
Trump sagt daraufhin im ersten TV-Duell, Clinton fehle die Kraft für das Präsidentenamt.
Beim zweiten und dritten TV-Duell dreht sich daher auch viel um den Sexismus und Populismus von Trump. Clinton gilt nun als Favoritin.
Erst am Sonntagabend ruderte FBI-Chef James Comey zurück. Doch die zwei Wochen haben ausgereicht, um Trump in den Umfragen noch mal aufschließen zu lassen.
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Er arbeitet nach eigenen Angaben als Unternehmensberater in Hamburg, ist aber auch Jahr für Jahr mehrere Wochen in den USA. Er ist 44 Jahre alt. Wir erreichen ihn in San Diego, wo er nach eigenen Angaben gerade für drei Monate ist. Wir unterhalten uns per privater Direktnachrichten auf Twitter.

Warum hast du diesen Beitrag geschrieben?

Johan Franklin: Aus Frustration. Und Fassungslosigkeit. Darüber, dass es tatsächlich wieder jemandem gelingt, Millionen von Menschen mit klar nachweisbaren Lügen, gezielten Desinformationen und bei näherem Blick unglaublich plumpen rhetorischen Mitteln einzufangen und für seine Sache einzuspannen. Ich dachte mir, ich mach' mir jetzt mal Luft.

Gab es jetzt einen konkreten Anlass?

Ja, das hier. Es hat mich umgehauen, dass die Werte für Trump nach all seinen frauenverachtenden Bemerkungen und der Steuerhinterziehung wieder so nach oben gehen können.

Es hat mich umgehauen, dass Trump nach all seinen frauenverachtenden Bemerkungen wieder so nach oben gehen konnte.
Du arbeitest in Kalifornien. Dort wählt die Mehrheit Clinton. Hast du überhaupt Trump-Fans in deinem Umfeld?

Ja. Es gibt Leute, mit denen ich bis vor ein paar Monaten sehr gut befreundet war. Jetzt kann man mit denen noch nicht mal mehr über das Wetter reden. Ich gehe mit meinem Kollegen Rick nicht mehr bowlen. Er war mein bester Freund hier. Ich hatte gar keine Ahnung, welche Präferenz er bei dieser Wahl hatte. Es hätte mich auch nicht interessiert. Und dann fing er an, Trump-Bonmots zu rezitieren. Nicht ironisch, im Sinne von "Haha, wie schräg ist der denn", sondern im Brustton der Überzeugung. Und dann stehste da und überlegst, was du jetzt sagst.

Du hast dich für den Hitler-Vergleich entschieden. Soll das bei Trump-Fans wirklich ein Umdenken bewirken?

Der Vergleich war ein bewusst gewähltes Stilmittel. Ich weiß natürlich, dass ein Hitler-Vergleich immer das Dümmste ist, was man machen kann. Aber in dem Moment fiel mir nichts Rationales ein, was nicht schon gesagt worden wäre und auf taube Ohren gestoßen war. Ich dachte, das lesen ein paar Leute, ich bekomme vielleicht ein bisschen hate mail, vielleicht spricht es ein paar anderen aus der Seele, das war's. Jetzt hat mich gerade J.K. Rowling retweetet. Das war so nicht geplant.

Die wahren Trump-Fans könnte der rabiate Vergleich aber noch in ihrer Haltung bestätigen.

Ja, ich habe mir auch überlegt, dass mein Posting in gewisser Weise Wasser auf den Mühlen der Trumpistas ist. Aber dann schaue ich mir die Antworten, die Kommentare unter den Retweets an. Grob geschätzt würde ich sagen, 90 Prozent sind positiv, bis hin zu "Du sprichst mir aus der Seele". Aber es gab auch ein paar Morddrohungen.

Wie hat das alles angefangen?

Zuerst habe ich das Bild nur bei Twitter gepostet. In meiner eigenen Timeline und als Antwort auf ein paar Tweets von Leuten, denen ich folge. Einer von denen, Seth MacFarlane, der Erfinder der Serie "Family Guy", hat anscheinend eine Menge Leute erreicht. Dass das Bild bei Reddit gelandet ist, habe ich erst später mitbekommen. Freunde erzählen mir, dass das auch auf Facebook gepostet wird – mit den unterschiedlichsten Angaben zum Autor.

Jetzt hat mich gerade J.K. Rowling retweetet. Das war so nicht geplant.
Hast du deshalb mehrere US-Medien auf Twitter angeschrieben und darauf hingewiesen, dass du der deutsche Verfasser des Posts bist?

Ich war etwas erschrocken, welches Eigenleben das binnen weniger Stunden entwickelt hat. Ich hatte das Bedürfnis, ein paar Worte der Erklärung zu liefern, auch weil ich nicht wollte, dass es heißt, dass käme aus dem Clinton-Lager. Darf ich euch jetzt mal etwas fragen?

Natürlich.

Dent ihr denn, dass es tatsächlich zu einem Trump-Sieg kommen kann?

Wir gehen nicht davon aus. Und was glaubst du?

Gegenfrage: Habt ihr gedacht, dass der Brexit kommt?

Vielleicht bringt deine Botschaft ja manche doch noch ins Grübeln. Hat dein Kollege Rick denn den Post gelesen?

Ich sehe ihn am Montag bei der Arbeit wieder. Aber ich werde ihn nicht darauf ansprechen.

Das Interview ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.

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