... hieße es Blindspot

Erinnert ihr euch noch an die gefalteten Liebesbriefchen, die man durchs Klassenzimmer an seinen heimlichen Schwarm durchreichen ließ? Ohne Absender natürlich, um verschämt alles abstreiten zu können, wenn sie schon einen Freund zwei Klassen über euch hatte? So blieben die Gefühle wenigstens geheim.

Wenn man sich nicht ganz blöd anstellte.

Blindspot bringt die anonyme Botschaft an Freunde zurück in unser digitales Leben. Mit der App schreibt man an einen Kontakt aus dem Telefonbuch, der erfährt aber nur, dass die Nachricht per Blindspot verschickt wurde – nicht, von wem sie stammt.

So ist Blindspot eine Mischung aus WhatsApp und Jodel: Persönliche Kommunikation wie bei WhatsApp, aber mit versteckter Identität wie bei Jodel.

Denn solange der Absender seine Identität nicht verrät, bleibt sie die ganze Zeit im Geheimen.

Eine Nachricht lesen können auch Nicht-Blindspot-Nutzer. Um dem geheimnisvollen Schreiber zu antworten, muss man die App aber selbst runterladen.

So hat Blindspot großes virales Potenzial, das US-Wirtschaftsmagazin Forbes sieht es schon als nächstes Snapchat.

Kein abwegiger Vergleich: Wie bei Snapchat muss man sich auch hier nicht für jede voreilig verschickte Dummheit schämen. Im Zweifel weiß der Adressat ja nicht mal, von wem sie kam.

Außerdem können die Entwickler von Blindspot, das israelische Start-Up Shellanoo Group, viel Geld in das Wachstum ihres Messengers stecken. 35 Millionen Dollar Kapital haben sie bereits eingesammelt, teils von prominenten Unterstützern: Unter anderem haben FC-Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch, Will.I.Am und Nicki Minaj investiert.

(Bild: Screenshot)

Um via Blindspot Nachrichten versenden zu können, scannt die App das gesamte Adressbuch – und zwar regelmäßig, auch wenn die App nur noch inaktiv in irgendeinem Ordner auf den hinteren Seiten deines Smartphone-Screens rumgammelt.

Allerdings schreiben die Macher in ihrer Datenschutzerklärung, dass sie außer den Telefonnummern und den dazugehörigen Namen keine Informationen, etwa über Social-Media-Profile oder den Standort, abspeichern.

Anonyme Messenger bergen auch die Gefahr, zum Lieblingsspielzeug von Stalkern zu werden. Nicht jeder heimliche Verehrer ist süß und schüchtern, manche sind vor allem creepy.

YikYak, das amerikanische Jodel, sorgte für negative Schlagzeilen, weil dort Rassisten an US-Unis ihre Hetze gegen schwarze Studenten organisierten. (Fusion)

Obwohl Blindspot Kommunikation nur zwischen zwei Personen stattfindet, könnten sich mit etwas mehr Aufwand auch dort anonyme Mobs organisieren.

Die Blindspot-Macher geben Nutzern deshalb die Möglichkeit, den Absender einer Nachricht zu sperren. Wird ein Nutzer von drei Personen gesperrt, fliegt er ganz von der Plattform.