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Bitcoin, Kryptowährungen, Iota – für die meisten klang das lange Zeit wie eine andere Sprache, wie Spielgeld von Tech-Nerds für Tech-Nerds, eine Welt für sich.

Dank des rasanten Wertanstiegs vor allem von Bitcoins sind sie aber mittlerweile zum Partythema geworden. Immer mehr Menschen glauben an die digitalen Währungen. Sie gelten als dezentral und demokratisch, ohne staatliche Kontrolle. Eine Revolution unseres Finanzystems, mit dem Potenzial, die Welt zu verändern.

Allerdings ist nicht mal klar, ob Bitcoin überhaupt eine Währung ist. 

Der Vorstandschef der Bundesbank, Carl-Ludwig Thiele, sagte unlängst: "Bitcoins sind frei erfunden." Sie seien eher ein Spekulationsobjekt, keine Währung. Und Zentralbanken bezeichnen Kryptowährungen nicht als "echte" Währungen. (Spiegel Online)

Was ist Bitcoin dann? Wer legt seinen Wert fest? Und wie funktionieren die Kryptowährungen überhaupt? 
(Bild: imago)
Um Kryptowährungen zu verstehen, muss man beim klassischen Geld anfangen. Tatsächlich ist nämlich auch unser Geld "erfunden." 

Es ist nicht mehr als bedrucktes Papier, dem wir einen bestimmten Wert zuordnen. Lange wurde dieser Wert durch Gold bestimmt – ich konnte meinen Schein bei der Bank gegen Gold eintauschen und es gab nur so viele Papiere, wie Gold vorhanden war. 

Mittlerweile hat Geld keinen realen Gegenwert mehr, stattdessen muss es drei Funktionen erfüllen, um als Währung zu gelten:

  1. Es ist ein anerkanntes Tauschmittel: Früher tauschte man vielleicht ein Schwein gegen ein paar Hühner – heute sind es Währungen in Form von Bargeld oder Zahlen auf dem Konto. Wichtig für die Definition ist: Die breite Bevölkerung akzeptiert dieses Tauschmittel auch.
  2. Es gilt als Recheneinheit, also als Referenz, um Preise für Waren und Dienstleistungen zu bestimmen.
  3. Und man kann damit sein Vermögen aufbewahren. (EZB)

Damit alle drei Funktionen erfüllt sind, muss die Währung einigermaßen stabil sein: Deswegen regulieren Zentralbanken mit ihrer Währungspolitik den Wert des Geldes, indem sie beispielsweise mehr Scheine drucken oder Zinsen hoch und runter setzen. 

Das wichtigste Prinzip von Währungen und Geld aber ist: Vertrauen.

Nur wenn die breite Bevölkerung an die Stabilität des Tauschmittels glaubt und es nutzt, ist es auch tatsächlich Geld. Wir vertrauen darauf, dass wir mit dem Geld Waren oder Dienstleistungen kaufen können. Das versichern uns der Staat und die Zentralbanken, Gesetze schützen es.

Bitcoin will auch Vertrauen schaffen – allerdings ohne staatliche Kontrolle.

Erfunden wurde die digitale Währung von Satoshi Nakamoto (Bitcoin.org). 

Das notwendige Vertrauen wollte Nakamoto – der Name ist übrigens ein Pseudonym – mithilfe von Technologie erzeugen. 

Dafür erfand er die Blockchain: 

So funktioniert die Blockchain:

Jeder Bitcoin und jede Transaktion ist eine Ansammlung von Daten. Sie werden blockweise in einer Datenkette festgehalten – der Blockchain.
Jeder Block baut auf den anderen auf. Wollte man einen ändern, bräche die Kette in sich zusammen ...
... als würde man einen Holzscheit aus einem Jenga-Turm ziehen.
Das verhindert, dass Bitcoin kopiert oder mehrfach ausgegeben werden...
... und es schafft Transparenz, weil genau nachverfolgt werden kann, wann und wie ein Bitcoin den Besitzer gewechselt hat.
Werden neue Daten generiert – ein Bitcoin wechselt den Besitzer – müssen alle Teilnehmer der Kette dieser Aktion zustimmen.
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Die Idee dahinter: Das System unterliegt so einem "Konsens" der Teilnehmer. Das Vertrauen kommt durch die Händler, "Minern" genannt, Bitcoin-Schürfer. Sie stellen Bitcoins her, indem sie ihre Rechner komplizierte Aufgaben rechnen lassen. Löst ein Computer so eine Aufgabe, entsteht ein Bitcoin. Das sieht das Programm einfach so vor. Der Bitcoin selbst besteht – wie alles Virtuelle – aus einer bestimmten Abfolge von Zahlen. (BTC-Echo)

Die Blockchain übernimmt dabei sozusagen die Aufgabe der Zentralbank, nur eben dezentral über Rechner auf der ganzen Welt. 

Das Video zeigt, wie Bitcoins hergestellt werden:

Die Menge der Bitcoins ist mathematisch limitiert. Dadurch soll langfristig ein stabiles, sich selbst verwaltendes System entstehen. (Bundeszentrale für politische Bildung)

Was bedeutet das für Bitcoins und Co: Sind das nun echte Währungen oder nicht?
  • Aus wirtschaftlicher Sicht sind Bitcoins kein Geld – denn ihr Wert schwankt zu stark.

So begründet es unter anderem der Vorstand der Bundesbank, Carl-Ludwig Thiele (Ifo Institut). Denn wenn unklar ist, wie viel ein Bitcoin in den nächsten Stunden wert sein wird, taugt er weder als Preisreferenz noch als Wertanlage. Kryptowährungen sind also (noch) zu instabil.

  • Auch aus juristischer Sicht sind Kryptowährungen kein Geld – weil noch nicht ausreichend Vertrauen vorhanden ist. 

Sie werden einfach noch von zu wenigen Leuten genutzt, dadurch haben sich noch keine gesetzlichen Regelungen ergeben, die den Handel damit regulieren – und damit auch absichern.

Zwar werden die digitalen Coins zunehmend zu einem akzeptierten Tauschmittel – Cafés, Restaurants oder auch Amazon nehmen sie an. Aber eben noch nicht weitreichend genug.

Das bedeutet aber nicht, dass das nicht noch werden kann, schreibt etwa die Europäische Zentralbank. Noch aber sei Bitcoin streng genommen kein Geld und keine Währung, sondern ein individuelles Tauschmittel, dass unter bestimmten Bedingungen als Alternative zu Geld genutzt werden kann. (EZB, ab Seite 23)

Der Bitcoin-Experte und Journalist Friedemann Brenneis zumindest glaubt daran:

Dass Bitcoin noch ein Nischenphänomen ist, sollte nicht über das mögliche Potenzial hinwegtäuschen.

Schließlich habe sich Bitcoin bereits binnen weniger Jahre von einem theoretischen Konzept zu einem globalen Milliarden-Projekt entwickelt.

Und obwohl Kryptowährungen Angriffsfläche für Hacker und Nährboden für Kriminelle darstellen, liegen auch die Vorteile auf der Hand: Transaktionen sind schneller, anonym, die Herstellung günstiger, der Wert inflationssicher.

Deswegen denken sogar Zentralbanken darüber nach, ihre eigenen Kryptowährungen zu erschaffen (Tagesspiegel). Sie wollen es als Ersatz für das immer weniger genutzte Bargeld.


Today

Trump will offenbar seinen Außenminister feuern und durch den CIA-Chef ersetzen

Der US-Außenminister Rex Tillerson soll offenbar bald seine Posten verlieren – und durch den derzeitigen CIA-Direktor Mike Pompeo abgelöst werden. Das berichtet die "New York Times" am Donnerstag unter Berufung auf hochrangige Regierungsvertreter.

Auch die Nachrichtenagentur Reuters und das Portal Axios berichten von den Plänen. Demnach sei die Ablösung von Tillerson schon länger geplant. Das Weiße Haus widersprach kurz darauf: Solche Pläne existieren nicht, "derzeit" gebe es keine Personalpläne, sagte eine Sprecherin (BBC).