Bild: Ashim D'Silva/Unsplash

Ein gemütlicher Abend mit meiner besten Freundin. Nach ein paar Gläsern Wein wird es für mich Zeit nach Hause zu gehen, knapp zehn Kilometer auf dunklen und menschenleeren Straßen. Doch heute bin ich dabei nicht allein: Meine Freundin kann jeden Schritt nachverfolgen. Aber ist sie die Einzige?

Heimwege können unheimlich sein. Vor allem Frauen fühlen sich nachts oft unsicher. 

Seit ein paar Jahren gibt es Apps, die den Weg nach Hause angenehmer machen sollen. Sie bieten Services wie die digitale Begleitung von Freunden oder Angehörigen, die Kommunikation mit einem Mitarbeiter oder das Auslösen eines Notrufes. Inzwischen nutzen Tausende solche Apps. Doch zu den potenziellen Vorteilen kommen auch Datenschutzbedenken.

Die größte App auf dem deutschen Markt ist "WayGuard", die von der AXA Versicherung zusammen mit der Kölner Polizei produziert wurde. Laut Angaben der Betreiber zählt die App über 240.000 Nutzerinnen und Nutzer. Bei Wayguard meldet der Nutzer einer ausgewählten Person, dass er sich nun auf dem Heimweg macht. Laufend wird die aktuelle Position des Nutzers per GPS ermittelt und automatisch an Wayguard oder die digitale Begleitung weitergegeben. 

Im Notfall lässt sich Hilfe über eine Notruf-Leiste organisieren. Notrufe landen dann in der Leitstelle des App-Betreibers in Berlin, die daraufhin Einsatzkräfte alarmiert. Auch die ausgewählte Begleitung kann einen Notruf auslösen. Im Optimalfall erreicht der Nutzer das Ziel sicher, und dann wird per App der Begleitung Bescheid gegeben.

Bis heute kam es laut Angaben der Kölner Polizei zu rund 70 Notfällen. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Rettung: Eine Ostsee-Urlauberin wurde im Wald ohnmächtig, konnte über die App aber noch rechtzeitig einen Notruf absetzen. Durch die Übermittlung der GPS-Daten konnte sie von Einsatzkräften gefunden werden.

Einen weiteren Heimweg-Begleitservice bietet die ebenfalls kostenlose App "KommGutHeim". Hier kann der Nutzer Kontakte auswählen, die ebenfalls die App verwenden und ihnen mitteilen, dass er sich nun auf den Heimweg macht. Die App versendet an diese dann Push-Notifications, sobald der Nutzer losgeht und sicher zu Hause angekommen ist. Anders als bei der Wayguard App kann kein Notruf ausgelöst werden. Der Gedanke hinter KommGutHeim: Freunde und Verwandte können nachsehen, ob der Nutzer sicher nach Hause gekommen ist. Ansonsten können sie nachhaken oder die Polizei verständigen.

"KommGutHeim" wurde von Tim Hautkappe, Katharina Hochmuth und Mario Pfaller entwickelt. Als Studierende waren sie selbst regelmäßig abends allein unterwegs. "Das erzeugte ein ungutes Gefühl, sodass wir uns gegenseitig telefonisch begleiteten. Irgendwann kam dann die Idee von einer App", sagt Hautkappe. Inzwischen zählt die App knapp 70.000 Nutzer. Unterstützt wird sie von Sponsoren wie der Raiffeisenbank oder der AOK.

Doch gerade die Zusammenarbeit mit Versicherungen ist es, die Datenschützer misstrauisch macht. 

Christoph Wachs, Datenschutzbeauftragter aus Hamburg, warnt: "Achtung! Versicherungen lieben personenbezogene Daten." Seine Befürchtung: "AXA könnte zum Beispiel Daten verwenden, um die Preise ihrer Angebote anzupassen“, so Wachs. Käme es in einer bestimmten Region zu besonders vielen Notrufen, könnten Versicherungen die Preise dort anheben.

Und tatsächlich lohnt sich ein Blick in die Nutzungsbedingungen der Begleit-Apps. Sowohl bei "Wayguard" als auch bei "KommGutHeim" werden Nutzer vor Verwendung in den ABGs über den Datenschutz und die Nutzung der Daten informiert. Dort wird darauf hingewiesen, dass die Daten der Nutzer nicht ausschließlich bei dem Unternehmen bleiben. Personenbezogene Informationen und Standorte der Nutzer werden an Werbepartner weitergegeben. 

Als Nutzer teilt man mit der App allerdings sensible Daten wie Aufenthaltsorte und private Kontakte – Informationen, die man gerne in Sicherheit weiß.  

Die Anbieter der Apps weisen die Kritik des Datenschützers von sich. "Es werden keine personenbezogenen Bewegungsprofile angelegt, und alle hochsensiblen Daten genießen besonderen Schutz", so Anja Kroll, Pressesprecherin von AXA. Wenn "Wayguard" Informationen zu Notrufen speichere, dann nur, um Hilfsmaßnahmen möglichst zielgerichtet und schnell einzuleiten oder bei der Aufklärung zu helfen. 

Um die Sicherheit der Daten bei der Übertragung zu gewährleisten, werden die Daten verschlüsselt und bei Amazon in Deutschland abgelegt. Laut der Versicherungsgesellschaft sei "Amazon Web Services" der Partner für den Betrieb der Infrastruktur, auf der die App läuft. Die Verarbeitung erfolge in Deutschland. Die Speicherung bei Amazon wurde allerdings schon im Zusammenhang mit den Bodycam-Aufnahmen der Bundespolizei kritisiert. (NOZ)

bento per WhatsApp oder Telegram

Auch Tim Hautkappe, Gründer von "KommGutHeim", versichert, die Informationen der Nutzer seien in Sicherheit: "Die Daten verlassen das Unternehmen zu keinem Zeitpunkt und werden nicht mit Dritten geteilt. Datenschutz ist uns sehr wichtig."

Wie ernst diese Versprechen zu nehmen sind, ist aus Nutzersicht schwer zu beurteilen. Die Chefin des unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein äußerte sich gegenüber dem Deutschlandfunk "positiv überrascht" über die Begleit-Apps für den deutschen Markt.

Als Nutzer sollte man sich vor Verwendung der Begleit-Apps dennoch gut darüber informieren, was mit den Daten geschieht. 

Vor allem bei personenbezogenen Informationen ist es gut, zumindest den Datenschutzteil der ABGs zu lesen. Und dann zu entscheiden, ob die dort aufgeführten Bedingungen das sichere Gefühl auf dem Heimweg wert sind.

Ich selbst habe die Begleit-App nach dem Test mit meiner besten Freundin nicht mehr verwendet. Nicht aus Datenschutzbedenken, sondern weil ich mich damit genau so allein fühlte wie sonst: Wenn das Smartphone in der Jackentasche verschwunden ist, ist die Nacht immer noch dunkel, die Straßen immer noch einsam. Und die App: Aus den Augen, aus dem Sinn.


Gerechtigkeit

CDU und CSU machen den "Rechtsstaat" zum Kampfbegriff für schärfere Gesetze – warum das gefährlich ist
Wenn Regeln nicht für alle gelten, läuft etwas schief

Schwer ausgerüstete Polizisten in Nebelschwaden, flatternde Deutschlandfahnen – mit solchen Motiven werben CDU und CSU seit einigen Tagen auf Facebook, Instagram und Twitter offensiv für eine neue Kampagne. 

Kurz vor dem Start des Superwahljahres soll es fünf Wochen lang nur um Innenpolitik gehen. Die Kampgne dreht sich um verschiedene Unterthemen, gefordert wird aber in fast allen Bereichen mehr Härte

Dabei geht es zum Beispiel um:

  • härtere Strafen für Übergriffe auf Vollstreckungsbeamte,
  • mehr Stellen bei den Sicherheitsbehörden und
  • mehr Befugnisse für die Polizei. 

Das Stichwort dazu lautet: #StarkerStaat

Was damit genau gemeint ist, zeigt ein Blick auf die bisherigen Postings. Die CDU Sachsen schreibt etwa: "Ein #StarkerStaat schützt seine Polizeibeamten! Deshalb wollen wir mit dem neuen Polizeigesetz in Sachsen flächendeckend Bodycams einführen." Die Unions-Bundestagsfraktion fordert mehr Unterstützung für angegriffene Einsatzkräfte (tatsächlich ist die Zahl der Übergriffe gestiegen, es gibt aber bereits härtere Strafen für Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte). 

Und die CDU-Fraktion im hessischen Landtag meint: