Bild: Mad About Pandas / Bundesagentur für Arbeit
Eine ehemalige Schäferin? Bekommt den Job als Zooleitung.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat ein Nachwuchsproblem. Nach eigenen Angaben wird in den nächsten zehn Jahren etwa ein Drittel des Personals ausscheiden – weil es in Rente geht. Die Arbeitsagentur hat sich deswegen etwas ausgedacht: Sie will neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt mit einem Spiel fürs Smartphone rekrutieren. Wir haben es getestet.

In "Amtliche Helden" übernehmen wir zunächst die Geschäftsleitung der Agentur für Arbeit im beschaulichen Städtchen Posemuckel, dort herrschen erschreckende 60 Prozent Arbeitslosigkeit. Die neue Leitung in der Arbeitsagentur, also wir, sind die letzte Chance, diese Quote zu senken. 

Als Geschäftsleitung steht uns am Anfang eine bestimmte Menge Geld zur Verfügung, mit dem wir Personal einkaufen können. Von den Jobvermittlern hängt alles im Spiel ab: Je besser sie qualifiziert sind, umso besser erkennen sie das Potenzial der Arbeitssuchenden – umso größer die Chance, die Leute richtig zu vermitteln. 

Unser erster Jobvermittler ist Quereinsteiger, für eine ausgebildete Kraft reicht unser Geld leider nicht. Deshalb verläuft die Arbeitsvermittlung zu Beginn eher nicht so gut. Doch eine erfolgreiche Vermittlung ist auch noch gar nicht wichtig: Am Anfang gilt es lediglich, unseren "Kunden" überhaupt eine Arbeit zu vermitteln. 

Dann bekommt eben die ehemalige Schäferin den Job als Zooleitung – ist ja schließlich auch was mit Tieren.

Erst nachdem wir die ersten Jobs vermittelt haben, erhalten wir die Aufgabe, dabei endlich auch erfolgreich zu sein. Das ist allerdings schwierig, wenn unsere Jobvermittlerin von der bei ihm sitzenden Arbeitssuchenden nicht mehr als den vorherigen Job weiß. 

Mit einem lachenden Smiley zeigt uns dann die ehemalige Friseurin, dass sie sich über den neuen Job als Influencerin freut, während der Ex-Kriminalbeamte nach dem Versuch einer Stellenvermittlung im Bereich Agrarwissenschaft traurig schaut. Mehr als diese Reaktionen erhalten wir von den "Kunden" nicht – nur ab und zu kommt ein Brief bei uns an: Von der ehemaligen Delfintherapeutin Karin etwa, die sich bedankt, dass sie durch uns einen neuen Job bekommen hat. Das soll uns wohl motivieren.

Mit der Zeit lernen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitere Eigenschaften, wie Empathie oder Intellekt – oder sie absolvieren ein Training zu Diversity. Endlich erkennt unsere Arbeitsvermittlerin dann auch die Charaktereigenschaften der Arbeitssuchenden. Diese heißen dann etwa "hilfsbereit", "loyal" und "inspirierend", und einen Job dafür finden wir am ehesten in "Glaube & Religion".

(Bild: Mad About Pandas / Bundesagentur für Arbeit)

Schnell offenbart sich aber ein Problem bei den "Amtlichen Helden": Die Arbeitsvermittlung in Posemuckel fühlt sich an wie Massenabfertigung. 

Ständig tickt die Uhr, wir müssen uns daher schnell entscheiden: Ein ehemaliger Notar? Bekommt einen Job im Arbeitsmarktmanagement. Eine Ex-Flugbegleiterin? Arbeitet jetzt als Bootsfrau. Einer Controllerin schlagen wir kurzerhand eine Stelle als Ärztin vor – und sind mit der Vermittlung am Ende erfolgreich.

Das klingt erst einmal absurd, aber hört dort noch nicht auf. Unseren Arbeitslosen können wir auch Jobs als Mönch oder Imam vermitteln. Das führt dazu, dass wir einem ehemaligen Pfarrer einen neuen Job als Rabbiner geben – dieser scheint damit zwar nicht besonders glücklich zu sein, erfolgreich vermittelt haben wir trotzdem.

Immer wieder tauchen auch "Spezialkunden" auf – zu Beginn sind das noch Figuren wie der "Tanzbär Bobo", der sich nach erfolgreicher Vermittlung über "die Dollars, die aufs Konto fliegen" freut. 

Irgendwann kommt aber auch eine Figur mit dem Namen "Ole 'Immer ohne Arbeit' Maiskopf" in unsere Arbeitsagentur. 

Dank eines Spezialtrainings erkennen unsere Mitarbeitenden ein Vermittlungshemmnis – der Langzeitarbeitslose mit dem "lustigen" Spitznamen leidet offenbar an einer chronischen Krankheit und kann deswegen nicht ohne Weiteres vermittelt werden. 

(Bild: Mad About Pandas / Bundesagentur für Arbeit)

Auf Nachfrage erklärt die Bundesagentur für Arbeit gegenüber bento, man habe von diesem Namen nichts gewusst, "da eine vorherige Überprüfung aller Spielkonstellationen nicht möglich" sei. Der Kunde mit besagtem Spitznamen solle natürlich keine Diffamierung darstellen – er könne im Spiel ja auch ganz normal vermittelt werden. Allerdings sei es richtig, dass der Name leicht fehlinterpretiert und missverstanden werden könne – deshalb werde er im nächsten Release des Spiels geändert.

Während des Spiels wird es immer wichtiger, besonders erfolgreich die richtigen Jobs den jeweiligen Arbeitssuchenden zu vermitteln, denn anders sinkt die Arbeitslosenquote nicht – aber das entspricht nicht unbedingt der Realität. Tatsächlich müssen sich Arbeitslose häufig dazu verpflichten, jede "zumutbare" Arbeit anzunehmen. Wer das nicht macht, dem drohen Strafen, bis hin zur teilweisen Streichung des Arbeitslosengeldes.

Die Bundesagentur für Arbeit sagt: Im Sozialgesetzbuch werde die Zumutbarkeit einer Arbeit differenziert gesetzlich geregelt. Und selbstverständlich gebe es in der Realität Beratungsgespräche, "in denen auf die Kompetenzen und die individuelle Situation der Arbeitssuchenden eingegangen" werde. Denn: Ein Ziel sei die nachhaltige, also andauernde Integration. "Dies alles in einem Spiel darzustellen, wäre viel zu komplex", so die BA.

Und was ist nun unser Fazit zu "Amtliche Helden"?

Bei aller Kritik: Das Spiel ist eine solide Wirtschaftssimulation mit zahlreichen Möglichkeiten. Dinge wie die Weiterentwicklung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Renovierungsmaßnahmen am Arbeitsplatz sorgen für Abwechslung bei der Arbeitsvermittlung. 

Und: Das Spiel ist nicht gerade einfach. Beim ersten Mal kann es daher leicht passieren, dass innerhalb kurzer Zeit die Arbeitslosenquote noch weiter steigt, statt zu sinken. Wenn sie bei 70 Prozent angelangt ist, dann heißt es: Game Over. "Das war wohl nichts..." steht auf dem Smartphone-Screen – und wir beginnen von vorn. Bis auch in Posemuckel alle eine Arbeit gefunden haben.



Haha

Ein Paar aus Bayern hat 30.000 Pfandflaschen zur Hochzeit geschenkt bekommen
Glückwunsch?!

Normalerweise werden bei Hochzeiten unspektakuläre Dinge wie Kaffeemaschinen oder Porzellan verschenkt. Das Geschenk für ein Brautpaar aus Grasbrunn (Landkreis München) gehört daher mit Sicherheit in die Kategorie Extravagant. 

Als die beiden frisch Vermählten von ihrer Hochzeitsfeier nach Hause kamen, fanden sie in ihrem Garten 30.000 Pfandflaschen.