Was macht eine gerechte Bezahlung aus? Dass man genauso viel verdient wie andere im Team? So viel wie in der Branche üblich? Sollte es nur um die eigene Leistung gehen? Und woran wird die überhaupt gemessen?

Eine aktuelle Studie des dänischen Softwareentwicklers Peakon zeigt, dass von allen Generationen am Arbeitsmarkt Millennials mit ihrer Bezahlung am unzufriedensten sind. 

Die Daten stammen aus Antworten von mehr als 40 Millionen Befragten in 125 Ländern. Demnach wünschen sich Millennials neben einem sinnstiftenden Job auch eine faire Bezahlung. Doch während das Leben immer teurer wird, wachsen die Gehälter aus ihrer Sicht nicht genug.

Auch andere Studien belegen diesen Eindruck, so wie diese der OECD: Während ihre Eltern sich noch ein Haus im Grünen leisten konnten, sind Millennials froh, wenn sie ihre winzige Stadtwohnung bezahlen können. Obwohl sie oft besser ausgebildet sind, verdienen sie nicht mehr. Gleichzeitig steigen die Ausgaben. Die Millennials werden aus der Mittelschicht verdrängt. (bento

Beide Studien sind jedoch international, konkrete Daten nur für Deutschland gibt es nicht. 

Darum haben wir selbst bei Millennials in Deutschland nachgefragt: Bist du mit deinem Gehalt zufrieden oder unzufrieden? Und woran liegt das?

Für diesen Text wollten die drei lieber anonym bleiben – ihre Namen haben wir geändert. Die echten Namen sind der Redaktion bekannt.

Christoph*, 23, fängt bald im Vertriebsinnendienst in einem Unternehmen der Konsumgüterbranche an – er kennt sein Gehalt schon und fühlt sich unfair behandelt.

(Bild: privat)

"Ich habe die letzten drei Jahre als dualer Student in meinem Betrieb gearbeitet. Wir sind etwa 1000 Mitarbeiter. Ich sollte nach meinem Studium übernommen werden, es gab allerdings keine Gehaltsverhandlung. Mir wurde ein Vertrag inklusive Gehalt vorgelegt – Diskussion ausgeschlossen. Obwohl ich die 2680 Euro brutto im Monat viel zu wenig finde, habe ich unterschrieben. Mir ist es wichtig, dass in meinem Lebenslauf zu sehen ist, dass ich von meinem Ausbildungsbetrieb übernommen wurde.

Ich weiß, dass Kollegen mit einer ähnlichen Ausbildung, die sich von extern beworben haben, mehr bekommen. Warum? Und auch die Kollegen mit Ausbildung bekommen genauso viel wie ich – ohne Studium? Warum habe ich mir die Mühe mit der akademischen Ausbildung und der Doppelbelastung des dualen Studiums gemacht? Freunde in Großkonzernen verdienen in einem ähnlichen Bereich gut 3500 Euro im Monat, also fast 1000 Euro mehr als ich.

Ich fühle mich nicht wertgeschätzt. 

Natürlich zählt nicht nur das Geld. Aber man muss von seiner Arbeit auch leben können. Ich möchte gerne bei meinen Eltern ausziehen und in Hamburg in der Nähe meines Arbeitgebers wohnen. Die Stadt ist teuer, da muss ich mit meinem Gehalt echt Glück haben, um eine Wohnung zu finden.

Ich zweifle an meinen Aufstiegschancen im Unternehmen. Es gibt ältere Kollegen, die mir eine gute Karriere vorhergesagt haben. Aber ich wurde in einen Bereich gesteckt, wo ich immer nur anderen zuarbeiten werde.

Nach einem Jahr werde ich das Gespräch mit meinen Vorgesetzten suchen. Wenn mir nicht mehr geboten wird, will ich nicht bleiben."

Jana*, 25, ist Sozialarbeiterin: Sie wird nach Tarif bezahlt. Geld ist ihr (noch) nicht wichtig.

(Bild: privat)

"Ich arbeite als Sozialarbeiterin in einer Einrichtung für betreutes Wohnen. Wir helfen jungen Frauen, die aus psychischen, sozialen, körperlichen, geistigen oder anderen Gründen nicht alleine wohnen und ein selbstständiges Leben führen können. Es ist sehr abwechslungsreich. Je nachdem, an welche Tür du klopfst, erwartet dich eine ganz andere Geschichte und man benötigt ganz unterschiedliche Fähigkeiten. 

Ich habe direkt nach meinem Bachelor in Sozialer Arbeit angefangen, hier zu arbeiten. Das war vor drei Monaten. Da mein Arbeitgeber ein kirchlicher Träger ist, der nach Tarif bezahlt, gab es keine Gehaltsverhandlung. Ich werde nach der Entgeltgruppe E9 bezahlt und mein Gehalt wird sich auch entsprechend dieser Gehaltsgruppe im Laufe der Jahre steigern. Da ich nur eine Teilzeitstelle habe, in der ich 60 Prozent arbeite, heißt das für mich, dass mir aktuell etwa 1900 Euro brutto im Monat gezahlt werden. 

In meiner Unterkunft sind wir alle nur in Teilzeit eingestellt, weil wir die Arbeit dem Alltag der Frauen anpassen, die ja zur Schule oder Arbeit gehen. Darum arbeiten wir jeden Tag von 14 bis 20 Uhr.

Die Arbeitszeiten nerven. Wenn du abends nach Hause kommst, kannst du vielleicht kurz noch was unternehmen. Aber deine Freunde müssen ja alle früh wieder raus. Du selbst kannst dann eigentlich nur morgens was erledigen. Zum Glück ist meine Stelle befristet, denn lange werde ich so nicht arbeiten wollen.

Mein Gehalt ist recht niedrig – was in meiner aktuellen Lebenssituation noch in Ordnung ist. Ich komme gerade aus dem Studium und bin es gewöhnt, weniger Geld zur Verfügung zu haben. Ich lebe in einer WG, habe kein Auto. Für mich war immer klar, dass Geld für mich keine große Rolle spielt, sonst hätte ich mich nicht für den sozialen Bereich entschieden. Mein Gehalt ist also für mich noch in Ordnung, so bleiben wird es aber bestimmt nicht.

Wir tragen so viel Verantwortung. Das Schicksal anderer Menschen, die Hilfe benötigen, hängt von uns ab. 

Im Gegensatz zu anderen Branchen finde ich unser Gehalt nicht gerecht: Wenn ich zum Beispiel an diejenige denke, die nach dem Bachelor einen Job in der Wirtschaft annehmen und die Möglichkeiten haben, Karriere zu machen und ihr Gehalt in immense Höhen zu steigern.

Viele Kolleginnen und Kollegen trauen sich nicht, gegen die Ungerechtigkeit vorzugehen. Ein Streik träfe die Falschen. Wenn ein Pilot streikt, fallen Geschäftstermine oder Urlaube aus. Wenn wir im sozialen Bereich streiken, müssen Menschen leiden, die auf Hilfe angewiesen sind.

Trotzdem bereue ich meine Jobentscheidung nicht. Denn viel wichtiger als Geld ist, dass ich einen Sinn in meiner Tätigkeit sehe – und das tue ich." 

Tobias*, 23, ist Speditionskaufmann und findet sein Gehalt zwar in Ordnung, trotzdem wird ihn sein Arbeitgeber ohne eine Perspektive nicht halten können.

(Bild: privat)

"Ich habe nach meinem Abitur die dreijährige Ausbildung zum Speditionskaufmann gemacht und arbeite jetzt in meinem Ausbildungsbetrieb im Außendienst. 

Mein Gehalt ist eigentlich in Ordnung. Ich verdiene 40.000 Euro brutto im Jahr, also etwa 3.000 Euro im Monat bei 13 Gehältern. Das ist für die Branche und die Unternehmensgröße schon okay: Ich arbeite in einem mittelständischen Unternehmen mit etwa 50 Mitarbeitern. In der Gehaltsverhandlung gab es auch keine großen Diskussionen: Ein Wettbewerber hatte versucht, mich abzuwerben und mir ein Angebot gemacht. Mit diesem Angebot bin ich zu meinem aktuellen Chef gegangen und habe gesagt: 'Gib mir das, oder ich bin weg.' Also zahlt er mir das Geld.

Zurzeit wohne ich noch bei meinem Vater, werde aber bald ausziehen. Trotzdem soll noch etwas übrig bleiben, damit ich Rücklagen ansparen, verreisen und auch mit meinen Freunden etwas unternehmen kann. Mit meinem Gehalt ist das möglich.

Ich finde es allerdings unfair, dass ich keine Provision bekomme. Dabei bringe ich auch neue Kunden heran. In anderen Unternehmen ist es durchaus üblich, dafür zusätzlich entlohnt zu werden.

Die Arbeit an sich macht mir allerdings wirklich Spaß. Die Kollegen sind super, wir verstehen uns gut, scherzen bei der Arbeit. Ich habe flexible Arbeitszeiten und kann selbst entscheiden, wann und wie viel ich arbeite, da wird mir Vertrauen entgegengebracht, das ist toll.

Dennoch werde ich in diesem Unternehmen nicht mehr lange bleiben – und das liegt an den fehlenden Perspektiven. Ich kann hier nicht aufsteigen, über mir ist eigentlich nur der Chef. Ich möchte aber Karriere machen – und ich möchte auch mal ein größeres Unternehmen kennenlernen." 


Gerechtigkeit

Viviana engagiert sich als SPD-Politikerin gegen Rechts – und fand plötzlich scharfe Munition im Briefkasten

Ein CDU-Politiker, der sich immer wieder für Geflüchtete einsetzt, wird ermordet. Dringend tatverdächtig: ein Rechtsextremer. Der Fall Lübcke erschüttert und wirft die Frage auf: Wie groß ist die Gefahr von Rechts?

Walter Lübcke war in den vergangenen Jahren immer wieder von Rechtsextremen bedroht worden, vor allem im Netz. Auch andere Politikerinnen und Politiker müssen solche Erfahrungen machen. Eine von ihnen ist Viviana Weschenmoser. Die 31-jährige SPD-Politikerin aus Horb am Neckar wird seit Jahren immer wieder angefeindet und bedroht, weil sie sich gegen Rechts engagiert.

Vergangene Woche fand sie drei Waffenpatronen in ihrem Briefkasten. Laut Medienberichten handelte es sich dabei um scharfe Munition (SWR). Die Hintergründe sind noch unklar, die Kriminalpolizei ermittelt.

Wir haben mit Viviana Weschenmoser über ihren Fund, ihr Engagement gegen Rechts und den Fall Lübcke gesprochen.