Eine neue Studie vergleicht die Chancen junger Menschen auf der ganzen Welt.

Jung sein kann so schön sein: Der Körper ist noch unverbraucht, das Leben liegt vor einem, alle Optionen offen. Jung sein kann aber auch ziemlich traurig sein: In manchen Ländern vegetieren Junge in miserablen Schulen und finden im Anschluss nur selten einen Job. Der französische Thinktank Youthonomics hat die Chancen von Jugendlichen auf ein erfolgreiches und glückliches Leben in 64 Ländern verglichen - hochentwickelten Industriestaaten wie Deutschland oder Norwegen, aber auch Brasilien, der Elfenbeinküste oder Uganda.

Wie gut die Lebenschancen für 15- bis 24-Jährige in diesen Ländern sind, haben die Forscher anhand von insgesamt 59 Indikatoren ermittelt. Darunter sind etwa die Bildungsausgaben eines Staates oder die Höhe seiner Staatsverschuldung, aber auch soziale wie der durchschnittliche Gesundheitszustand unter den Jungen. Die wichtigsten Fakten:

1. Die deutsche Jugend hat Jobs, aber wenig Macht

Die Jugendarbeitslosigkeit ist hierzulande so niedrig wie fast nirgendwo sonst. Allerdings haben sie vergleichsweise wenig Macht: Der demografische Wandel führt dazu, dass die Alten die Geschicke des Landes bestimmen.

So liest man die Grafik: Zugang zum Arbeitsmarkt top, aber nur wenig politischer Einfluss
2. In Frankreich hat die Jugend nicht mal Jobs

In Frankreich haben die Jungen noch weniger Macht: Wenige von ihnen sind im Parlament vertreten, die Parteien werden von den Alten dominiert. Viele Junge sind dagegen arbeitslos oder verdienen wenig und sind deshalb häufig politisch marginalisiert.

3. Norwegische Jugendliche haben es gut

An der Spitze des Rankings ist - wie so häufig - Norwegen: Das Land hat ein gutes Bildungs- und Gesundheitssystem. Weil das Land viel Geld mit dem Verkauf von Nordseeöl verdient, hat es nur geringe Schulden und Rentner vorbildlich abgesichert. Die junge Generation wird über die Steuern, die sie zahlt, einmal selbst verfügen können, statt damit alte Schulden zu bedienen.

4. US-Jugendliche müssen einen riesigen Schuldenberg abtragen

Ganz anders in den USA: Der hohe Schuldenstand des Landes seit der Finanzkrise wird die Jungen noch viel Geld kosten. Außerdem ist das gemessene Wohlempfinden niedrig: wegen der hohen Zahl an Gewalttoten und Selbstmördern unter jungen Amerikanern.

5. Ein schlechtes Schul- und Gesundheitssystem belastet das Leben junger Ugander

Uganda hat wie viele Länder in Afrika eine sehr junge Bevölkerung. Ein Grund, warum die Forscher ihren Einfluss im Land als hoch einschätzen. Viel haben sie davon jedoch nicht: Die geringe Lebenserwartung, ein mieses Schul- und Ausbildungssystem und niedrige Löhne verringern die Lebenschancen der Jungen in dem ostafrikanischen Land.

Die Forscher beziehen sich vor allem auf messbare Indikatoren wie Arbeitslosenquoten oder Selbstmordraten. Man kann hinterfragen, ob man jede Interpretation der Forscher teilt - etwa die, beim politischen Gewicht der Jungen nicht deutlich zwischen Demokratien und Diktaturen zu unterscheiden - schließlich hätten Jugendliche in China oder Kasachstan ja die Möglichkeit, zu demonstrieren und so Einfluss auf die Politik nehmen.

Ob man den Forschern in dieser Frage folgt oder nicht - in jedem Fall liefert die Studie einen interessanten Blickwinkel: Jungsein ist per se weder traumhaft noch trostlos. Es hängt stark davon ab, wo man lebt.

Ein Text zu der Studie mit interaktiven Grafiken erschien zuerst auf SPIEGEL ONLINE.

Auch auf bento: Geld verdienen mit einer Schnapsidee? Diese Projekte zeigen, wie es geht.