Heute: Luisa, 28
Was wolltest du werden, als du jünger warst?

Lange Zeit wusste ich gar nicht, wohin mit mir. Nach dem Abitur habe ich erst mal ganz klassisch sieben Monate Work and Travel in Neuseeland gemacht. Ich dachte, da kommt mir eine Erleuchtung. Die kam leider nicht. Eine wichtige Sache habe ich dabei aber gelernt: dass ich ganz wenig brauche, um glücklich zu sein.

Was hast du anschließend gemacht?

Weil ich Abi hatte, stand für mich fest, dass ich studieren gehe, wie man das eben so macht. Ich komme aus einem Dorf bei Frankfurt und habe mich an der Frankfurter Universität für Vergleichende Religionswissenschaften eingeschrieben. Menschen, Geschichte, verschiedene Kulturen – fand ich super interessant.

Queraufstieg

Irgendwann kommt sie, die Frage, bei manchen früher, bei anderen später, manche haben regelrecht Angst vor ihr: "Was willst du später mal werden?"

Es fällt schwer, das zu beantworten. Und wer eine Antwort gefunden hat, bereut sie manchmal hinterher. Weil der Arbeitsalltag in der Realität doch ganz anders aussieht. Und dann?

In dieser Reihe stellen wir Menschen vor, die sich beruflich umentschieden haben. Die sich getraut haben, noch mal von vorne anzufangen.

Wie hast du deine Meinung geändert?

Das Studium war mir zu schwammig, zu wenig handfest. Ich habe allerdings vier Jahre gebraucht, um das festzustellen. Am Ende war ich richtig fertig mit den Nerven.

Bei einem Abendessen habe ich meinen Eltern unter Tränen gestanden, dass ich mein Studium abbrechen will.

Und du – wie zufrieden bist du mit deinem Leben?

Meine Eltern haben super reagiert. Meine Mutter sagte: Gott sei dank, endlich hast du's gesagt! Ich habe sofort einen Brief an meinen Professor geschrieben, ihm für alles gedankt und erklärt, dass ich nicht weitermache.

In einem Gespräch mit meiner Mutter bin ich auf die Schuhmacherei gekommen. Ich mochte das Handwerk schon lange. Und in der Werkstatt mag ich den Geruch vom Leder, die Arbeit mit Holzleisten, grobe Arbeiten und ganz feine, wenn es um Nähte und Verzierungen geht.

Ich bin unheimlich aufgeregt!
Luisa

Ich habe mich gleich hingesetzt und nach Schuhmachereien in meiner Umgebung gegooglet. Erst mal habe ich ein paar Tage bei einem Schuhmacher Praktikum gemacht. Danach wusste ich: Das ist es. Also habe ich Bewerbungen für eine Lehre rausgeschickt.

Eine Maßschuhmacherei in Frankfurt hat mir erst angeboten, ein Praktikum zu machen, weil sie eigentlich schon voll besetzt war. Nach einer Woche sagte der Chef zu mir: Wenn du willst, kannst du im September mit der Ausbildung anfangen.

Luisa bei der Arbeit

Eigentlich dauert die Ausbildung drei Jahre, aber ich konnte auf zwei verkürzen. Letzten Sommer bin ich mit meinem Freund bei der Wohnungssuche auf ein kleines Haus gestoßen, in dem mehrere Generationen von Schuhmacherfamilien gelebt hatten.

Im Erdgeschoss gibt es eine kleine Werkstatt. Ich habe sie mir angeschaut und war gleich ganz begeistert: Hier will ich nun meine eigene Werkstatt eröffnen. Ich bin unheimlich aufgeregt!

Du bist auch ein Queraufsteiger?

Du hast einen Knick im Lebenslauf – und bist stolz darauf? Du hast dich noch mal beruflich umentschieden und machst etwas ganz anderes, als ursprünglich gedacht? Dann melde dich gern bei uns.

Was war die größte Hürde auf deinem Weg?

Sobald ich erst mal mit der Schuhmacherei angefangen hatte, gab es keine großen Hürden mehr. Meistens bin ich mir selbst die größte Hürde: Ich will immer alles noch besser, noch schöner machen und mache mir Sorgen wegen Dingen, die ein Kunde niemals beanstanden würde.

Wie geht es dir heute mit der Entscheidung?

Blendend! Während des Studiums hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich einmal so zufrieden sein würde.

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Wer hat dir auf deinem Weg am meisten geholfen?

Meine Familie und mein Lehrbetrieb. Mein alter Chef und meine Kollegen unterstützen mich bis heute, wofür ich ihnen sehr dankbar bin. Ich kann sie immer anrufen, wenn ich Probleme oder Fragen habe, wie zum Beispiel neulich, als ich meine erste Materialbestellung aufgeben musste.

Luisa: "Mir geht es blendend"
Was würdest du anderen im Rückblick raten?

Ich kann jedem nur raten, auf sich selbst zu hören. Man darf auf dem Weg zur Arbeit keine Bauchschmerzen haben. Es ist völlig egal, was du tust, ob du Anwalt oder Müllmann bist, solange es dich glücklich macht. Da muss auch nicht viel Geld bei rumkommen. Hauptsache, du kannst dir ein paar Pellkartoffeln mit Salat machen.


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