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In der Spüle stapeln sich die Teller, im Duschabfluss verknoten sich die Haare – und schuld will keiner sein. Diese Theorie erklärt, warum in WGs so selten pünktlich geputzt wird. Und wie sich das ändern lässt.

​Fürs Leben gelernt - Uni-Wissen für Alltagskram

Die Theorien aus dem Uni-Seminar braucht man nur, um seine Professorin zu beeindrucken? Unsinn. Viele Ideen helfen ganz banale Probleme in den Griff zu kriegen. bento stellt die besten vor.

Das Problem

Ihr habt Regeln festgelegt, immer wieder. Sofort nach dem Essen wird abgespült, spätestens am nächsten Tag, wenigstens, bevor alles angetrocknet ist, jetztspüldochendlichdeinenscheißab. Und wieder mal stehst du an der Spüle und schwelgst in Rachefantasien gegen deine Mitbewohner, während du den verkrusteten Sahnesoßenschmodder vom Topfboden schabst.

Aber bist du denn so viel besser? Für ein spontanes Kino-Date lässt du auch mal alles stehen und liegen. Es würde sich ja auch keiner aufregen über diesen einzelnen schmutzigen Teller. Aber wo der mal steht, stehen bald weitere. Mit ein paar Krümeln auf dem Boden fängt es an, nach ein paar Tagen knirscht es bei jedem Schritt. Dann ruft ihr die WG zusammen und streitet. Dann vertragt euch wieder und putzt gemeinsam. Und dann geht alles wieder von vorne los.

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Ich mach das weg, wenn die Platte abgekühlt ist.
Die Theorie

Jeder will eine saubere Küche, keiner will sich drum kümmern. Ökonomen sprechen hier von einem Allmendeproblem und der "Tragedy of the Commons". Die Tragödie droht jedes Mal, wenn viele Parteien gemeinsam eine Ressource nutzen, von deren Nutzung niemand ausgeschlossen werden kann. Jeder nimmt mehr als seinen fairen Anteil (oder trägt — wie bei der sauberen Küche — weniger dazu bei), am Ende schaden sich damit alle selbst.

Ein gutes Beispiel ist das Weltklima. Wenn die Menschheit die Atmosphäre weiter aufheizt wie bisher, rottet sie sich selbst aus. Aber alle Länder fürchten, mit strengen Klimagesetzen ihrer eigenen Wirtschaft zu schaden. Die USA verpesten seit Jahrzehnten das Klima, sagt China. China ist längst genauso schlimm, sagen die USA. Fast wie an eurem WG-Tisch.

Die Lösung

Strafe muss sein. Sagte die 2012 verstorbene US-Professorin Elinor Ostrom, die für ihre Forschung zu den Commons den Wirtschaftsnobelpreis bekommen hat. Um ein Allmendeproblem zu lösen, muss sich die Gruppe auf angemessene Strafen einigen und verbindliche Sanktionen durchsetzen, die mit jedem Regelverstoß härter werden.

Für euch heißt das zum Beispiel: Jeder überweist 50 Euro auf ein WG-Konto. Wer nicht bis zum vereinbarten Zeitpunkt die Küche geputzt hat, verliert einen Euro. Für einen weiteren Tag, den er seine Mitbewohner im Dreck sitzen lässt, zahlt er zwei Euro, dann vier, dann acht. Keine Ausnahmen, keine Diskussion. Falls die Regeln einer Mehrheit der Bewohner irgendwann zu hart erscheinen, kann man sich natürlich gemeinsam auf neue Regeln verständigen. Aber nie für den Einzelfall.

Besser noch, ihr überlegt euch etwas Kreativeres als Geldstrafen. Ändert das WLAN-Passwort und gebt das neue nur denen, die ihre Dienste erfüllen. Ohne Netflix und YouTube bleibt plötzlich ganz viel Zeit zum Putzen.