Ein paar alte Männer können dir dabei helfen

Ausgerechnet Karl Marx! Ausgerechnet der geistige Vater des Kommunismus kann uns helfen, glücklicher im Kapitalismus zu leben. Der radikale Denker wollte den Umsturz des Systems. Er gehört aber auch zu jenen linken Ökonomen, deren Ideen jedem zeigen können, dass es gar nicht so viel Geld braucht, um im Hier und Jetzt zufriedener zu sein.

Wer noch? Ein (leider sehr männlicher) Überblick:

1 Marx’ Kampf den Palästen

Egal ob neuer Gebrauchtwagen, neues Fahrrad, neue Mietwohnung oder Gehaltserhöhung – das ist zunächst mal ziemlich schön. Die Freude währt allzu oft aber nur kurz. Und zwar nicht, weil Auto, Rad oder Wohnung Macken haben. Vielmehr ist die große Freude dann vorbei, wenn ein Freund oder Bekannter einen etwas besseren Wagen oder die hellere Wohnung mit Balkon oder eben noch mehr Gehalt bekommen hat. 

Hier hilft Karl Marx. Er schrieb: "Ein Haus kann klein oder groß sein, solange die Häuser in der Umgebung ähnlich klein sind, stellt es alle Ansprüche an Wohnen zufrieden. Aber wenn daneben ein Palast entsteht, schrumpft das Haus und wird zur Hütte. Der Bewohner des kleineren Hauses wird sich zunehmend unkomfortabel, unzufrieden und beengt fühlen."

Marx weiß, dass es oft nicht das eigene Einkommen oder die eigene (kleine) Wohnung ist, die uns unglücklich machen, sondern der Vergleich mit denen, die mehr haben.

Wer das einmal durchschaut hat, hat zwei einfache Möglichkeiten, mit dem relativ wenigen, was er oder sie jetzt hat, glücklich zu sein: Umgebung oder Perspektive wechseln.

Du verdienst allenfalls durchschnittlich und bist auf Wohnungssuche? Nimm nicht die Wohnung im Hinterhaus im Nobelviertel (sofern du dir die überhaupt leisten könntest). Ansonsten erinnern dich ständig die schicken Häuser daran, wie durchschnittlich es dir geht. Das kann frustrieren. Und wenn du einen neuen Sportverein suchst, nimm vielleicht nicht gleich den teuersten.

Noch empfehlenswerter: Marx’ Analyse so sehr zu verinnerlichen, dass du das eigene Gehalt nicht mehr mit anderen vergleichst. Schließlich ist klar, dass das nur dazu führt, mit dem eigenen Wohlstand nicht mehr ganz so glücklich zu sein. Denn es gibt immer jemanden, der mehr hat.

Eine clevere Idee mit diesem Marx’schen Gedanken verschwenderisch und sparsam zugleich zu leben: Das Geld mal rauszuhauen und mal beisammen zu halten. Das ist nicht nur billiger, als immer auf großem Fuß zu leben, sondern macht auch erheblich mehr Spaß. Denn wir neigen dazu, uns nicht nur mit Nachbarn, Kollegen oder Freunden zu vergleichen, sondern auch damit wie gut – oder schlecht – es uns selbst vor einem Jahr oder einem Tag ging.

Wenn du zum Beispiel im Urlaub ständig zwischen Absteige und coolem Hotel wechselst, hast du an der teureren Variante viel mehr Spaß, als wenn du dort jede Nacht schläfst.

Schlange vor dem Apple-Store: Ja, sie warten auf das neue iPhone X.

2 Veblens Verachtung für’s iPhone

Apple’s iPhone kostet von Model zu Model mehr. Dennoch rennen immer noch Menschenmassen in die Stores, um das Neueste zu kaufen.

Dennoch? Vielleicht gerade deshalb. Irgendwie fühlt es sich halt gut an, sich mal so richtig was zu gönnen.

"Geltungskonsum" würde der US-amerikanische Ökonom Thorstein Veblen dazu sagen. Damit meint er das Phänomen, dass wir bestimmte Waren stärker nachfragen, wenn deren Preis steigt. Völliger Unsinn eigentlich, und die klassische ökonomische Theorie sowie der gesunde Menschenverstand würden das Gegenteil annehmen – je billiger, desto gefragter.

Veblen schrieb in seiner 1899 erschienenen "Theorie der feinen Leute" über die ganz Reichen, die – egal ob Schmuck oder Drogen – stets die teuerste Variante wählten. Das taten sie, weil sie es konnten, nicht, weil es ihnen wirklich Spaß machte.

Heutzutage würde Veblen wohl nicht nur auf manchen Porschefahrer herabblicken. Veblen würde die Normalverdiener verspotten, die das neueste iPhone kaufen, obwohl das vorherige Model ihren technischen Ansprüchen genauso genügen würde. Denn: Wahrscheinlich kaufen sie mit diesen Produkten vor allem Status.

Keine Frage, wer das will, soll das tun. Trotzdem kann es nicht schaden, sich bei einem Kauf kurz zu fragen, ob einen der Geltungskonsum zur Kasse treibt. Ob man nur kauft, um damit anzugeben. Und ob einem das allein der Preis wert ist.

3 Keynes’ kluge Todes-Einsicht 

Es ist unglaublich, mit welch simplen Gedanken Ökonomen weltbekannt werden können. Der vermutlich meist zitierte Satz des britischen Wirtschaftswissenschaftlers John Maynard Keynes lautet: "Auf lange Sicht sind wir alle tot."

Wer mag da widersprechen? Keynes wetterte damit gegen die damals wie heute weit verbreitete sehr liberale Idee, dass der Staat nicht in die Wirtschaft eingreifen müsse, weil sich die großen Probleme (Arbeitslosigkeit, Abschwung) von selber lösen würden.

Keynes ist seit mehr als 70 Jahren tot, also schon auf eine ziemlich lange Sicht. Sein auf die Volkswirtschaft bezogener Spruch ist aber zeitlos.

Auch, wenn es wichtig ist, für die Zukunft ein wenig Geld zu sparen, so ist es mindestens ebenso wichtig, im Hier und Jetzt zu leben und zu konsumieren. Denn wer immer nur an später denkt und versucht, fast all sein Einkommen zu sparen, gönnt sich nichts. Wenn du so vorgehst, ver(sch)wendest du vielleicht sogar einen Großteil deiner Zeit darauf, daran zu arbeiten, irgendwann mal das dicke Geld zu machen. Dann aber wirst du allerhöchstens auf richtig lange Sicht glücklich. Und auf lange Sicht, genau, sind wir alle tot.

Also, nicht vergessen, sich heute was Schönes zu gönnen. Es muss ja – siehe Marx und Veblen – gar nicht teuer sein.



Gerechtigkeit

Union und SPD haben gerade eine gute Chance zur Integration vergeigt
Was am neuen Einwanderungsgesetz nicht stimmt.

Die Bundesregierung hat am Mittwoch ein Einwanderungsgesetz für Fachkräfte beschlossen – und damit der Integration eine Absage erteilt. Denn was zu einer guten Sache hätte werden können, haben Union und SPD am Ende doch wieder verkorkst.

Dabei schreibt es sich gerade die Union auf die Fahnen, wie wichtig ihnen die Integration ist. Nur wer hart an sich arbeitet, sich zur "deutschen Leitkultur" bekennt, soll hier eine Chance haben.

Im neuen Einwanderungsgesetz ist davon leider nichts zu sehen. Im schlimmsten Fall werden Asylbewerber in die Arbeitslosigkeit gezwungen – obwohl sie eigentlich einer Arbeit nachgehen könnten.

Dabei hatten SPD und Union lange gerungen. Einer der größten Knackpunkte im Streit um das Gesetz betraf abgelehnte Asylbewerber, die über eine Duldung verfügen, also momentan nicht abgeschoben werden können. Für diese forderte die SPD einen möglichen "Spurwechsel": Damit sollte gut integrierten Migrantinnen und Migranten die Möglichkeit gegeben werden, doch noch in den Arbeitsmarkt einzuwandern und zu bleiben. 

  • Das heißt: Wer sich integriert und arbeitet, soll bleiben dürfen.

Doch die Union wehrte sich gegen diese Pläne, obwohl gerade CDU-Politiker oft genug von Migranten fordern, sich zu integrieren. Nun gab es einen Kompromiss: Abgelehnte Asylbewerber sollen höchstens noch die Möglichkeit bekommen, für maximal zwei weitere Jahre in Deutschland zu arbeiten. Als "Beschäftigungsduldung" wurde das nun in einem zweiten Gesetzentwurf beschlossen. (SPIEGEL ONLINE)

Was die Regierung plant, ist eine Absage an die Integration.

Sie will abgelehnten Asylbewerbern die Möglichkeit geben, hier zu arbeiten, sich besser zu integrieren – nur, um sie zwei Jahre später dazu zu zwingen, das Land wieder zu verlassen.  

Und selbst das geht manchen Unions-Abgeordneten schon zu weit: Philipp Amthor ist etwa dagegen, dass so die Ausreisepflicht von Leuten, die man "eigentlich nach Hause schicken" könnte, für den Zeitraum ausgesetzt wird. (ZDF Morgenmagazin)

Politiker wie Philipp Amthor wollen also arbeitende, gut integrierte Menschen abschieben – und das in Zeiten von Tiefstwerten der Arbeitslosenquote.

Stattdessen sollte man diesen Menschen die Möglichkeit geben, dauerhaft in Deutschland zu bleiben – so wie es mit dem Spurwechsel geplant war. Denn in Wahrheit werden sie hier gebraucht: Arbeitgeberpräsident Kramer hatte vor wenigen Tagen erst Migranten als "Stütze der Wirtschaft" bezeichnet. (SZ

Doch der Union sind populistische Forderungen offenbar wichtiger als das, was der deutschen Wirtschaft – und der Integration – wirklich hilft.