Wer entscheidet, wann die Geschirrspülmaschine läuft und ob das Licht an bleibt?

Lia* schreibt:

"Ich wohne seit drei Monaten mit einer Freundin in einer WG. Ich habe die Waschmaschine, Geschirr und einen Toaster mit in die WG gebracht, unsere Geschirrspültabs gekauft und für alles kein Geld von ihr verlangt. 

Heute morgen habe ich die Geschirrspülmaschine angestellt, weil sie voll war. Eine Stunde später bekam ich eine patzige Nachricht von meiner Mitbewohnerin, dass das Geschirr schon sauber war und sie es nicht einsehe, die Nebenkosten zu bezahlen, wenn ich so verschwenderisch bin. Außerdem würde ich immer das Licht anlassen.

Hast du auch Stress in deiner WG?

Wohngemeinschaften sind toll, wären da nicht die Mitbewohnerinnen und Mitbewohner. Ihre Haare verstopfen den Abfluss, sie haben lauten Sex und lassen ihr Essen im Kühlschrank vergammeln. Oder braucht deine Zimmernachbarin deine Schulter zum Ausheulen, weil sie Liebeskummer hat? Ist dein Mitbewohner gerade in einer depressiven Phase und du fragst dich, wie du ihn unterstützen kannst? Bei WG-Kummer hilft Erziehungswissenschaftlerin Sabine Stiehler. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an uniundarbeit@bento.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf bento, SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.

Ich war im Stress und hatte nicht gesehen, dass das Geschirr schon sauber war. Ich habe ihr gesagt, dass ich finde, dass sie übertreibt, aber ich in Zukunft auf Spülmaschine und Licht achten werde. Ich habe jetzt Angst, in meiner eigenen Wohnung ständig Fehler zu machen und Angst, dass sie die Nebenkosten nicht zahlt.

Ihr Freund duscht zum Beispiel auch bei uns, was ich ihr ja auch nicht in Rechnung stelle. Was kann ich tun?" *Name geändert

Unsere WG-Therapeutin Sabine Stiehler

Sabine Stiehler kümmert sich um den WG-Kummer der bento-Leser. Stiehler ist promovierte Erziehungswissenschaftlerin und leitet die Psychosoziale Beratungsstelle im Studentenwerk Dresden.

(Bild: Amac Garbe)

Sabine Stiehler antwortet:

"Liebe Lia,

Sie und Ihre Mitbewohnerin wohnen noch nicht lange zusammen in einer WG, weshalb sich jetzt Situationen ergeben werden, die eine feste Struktur fordern, um Konflikte zu vermeiden. Besonders wenn man mit Freunden zusammenzieht, können konkrete Regeln dafür sorgen, dass die Freundschaft nicht leidet.

Ich finde, Sie waren großzügig, als Sie zum Beispiel die Geschirrspültabs gekauft haben und keine Gegenleistung erwartet haben. Sie können aber nicht erwarten, dass das auch wieder zurückkommt und sich Ihre Mitbewohnerin genauso verhält. Sie haben vorher nicht festgelegt, was Sie mitbringen und was Ihre Mitbewohnerin mitbringt und ob das ausgeglichen ist. Gleichzeitig müssen Sie aber auch nicht alle Probleme in Ihrer WG auf sich nehmen und die Fehler nur bei Ihnen suchen.

Ich empfehle Ihnen, sich mit Ihrer Mitbewohnerin zusammenzusetzen und gemeinsam Regeln festzulegen. Dabei kann sie auch erst einmal ihre eigene Position darlegen und vorschlagen, wie Sie und Ihre Mitbewohnerin es künftig machen könnten, so dass es für beide in Ordnung ist. Ein Thema kann dabei auch die Benutzung der Geschirrspülmaschine sein – also werden drei Teller mit der Hand abgewaschen und wann wird die Geschirrspülmaschine gestartet?

Ich rate Ihnen, Ihrer Mitbewohnerin zu sagen, was Sie an ihrem Verhalten beobachten und Ihnen nicht gefällt. Sie sollten auf jeden Fall auch ansprechen, dass der Freund Ihrer Mitbewohnerin bei Ihnen duscht und Sie ihr das in Rechnung stellen müssten, wenn es regelmäßig ist. 

Wenn es Regeln gibt, dann brauchen Sie nicht zu befürchten, etwas falsch zu machen und Ihre Freundin kann Ihnen nicht mehr damit drohen, die Nebenkosten nicht zu bezahlen. Dazu ist sie außerdem sicherlich vertraglich verpflichtet."


Fühlen

Dopamin-Fasten: Kein Handy, kein Essen, keine sozialen Kontakte
Steigert der Verzicht auf Glückshormone wirklich das Wohlbefinden?

Michael, 24, sitzt am Fenster, vor ihm ein paar Kerzen, draußen der Hinterhof seiner Hamburger Wohnung, ein paar Bäume, Herbstlaub. "Ich könnte noch drei Stunden den Vögeln zugucken", sagt er, "meine Gedanken sind langsamer geworden."

Die Szene stammt aus einem YouTube-Video, in dem der Fitnesscoach und Ernährungsberater das ausprobiert, was im Silicon-Valley als "Dopamin-Fasten" zum Trend geworden ist. Dabei entzieht man sich für eine bestimmte Zeit etlichen Reizen des Alltags – vom Smartphone über Musik bis hin zu Augenkontakt mit anderen Menschen und sogar Nahrung.

Und so ziehen sich aktuell Startup-CEOs und Tech-Nerds regelmäßig für einzelne Tage aus ihrem Alltag zurück, um die neueste Form von Digital Detox zu praktizieren. (New York Times)