Bild: Lufthansa
Was braucht es wohl alles, um ein guter Pilot oder eine gute Pilotin zu sein?

Welche Eigenschaften sind ein Indiz dafür, dass das mit dir und der Fliegerei etwas werden könnte? Das erklärt Dirk Schulz (41), Pilot bei der Lufthansa. Die Faszination für’s Fliegen hat er selbst beim Fallschirmspringen entdeckt und hat während seines Soziologie-Studiums entschieden, dass er Berufspilot werden will. Das Studium hat er trotzdem zu Ende gebracht und es hat ihm mehr genützt, als man vielleicht denken würde.

Und was ist mit dir? Hast du das, was es braucht, um Pilot/in zu werden?

1.) Du bist offen gegenüber anderen Menschen

„Wir arbeiten oft mit Menschen zusammen, die wir nicht kennen. Und dann auch mal unter Bedingungen, die uns viel abverlangen. Ich bin zum Beispiel neulich mit einem Kapitän geflogen, den ich nicht kannte. Wir hatten an diesem Tag viele Gewitter zu erwarten. Und vor jedem Flug müssen wir uns vorbereiten mit allem was dazu gehört: Einschätzung der Wetterlage, Spritsituation, Ausweichmöglichkeiten. Dem dann gerecht zu werden mit jemandem, den man noch nie getroffen hat, in einem komplexen Umfeld, ist immer eine hohe Anforderung.

Jeder muss mit jedem zusammenarbeiten können, auch ohne große Warm-up-Phase. Ich beobachte, dass das meist sehr gut funktioniert. Diese Offenheit scheint eine der wichtigsten Eigenschaften zu sein, nach denen im Ausbildungsprogramm ausgewählt wird.

Mein Soziologiestudium hat mir hier auch viel gebracht. In der Soziologie geht es ja immer um soziale Systeme – das kann eine Sportgruppe sein, das kann aber auch eine Crew sein. Das Studium fließt also in jedem Fall in meine Arbeit heute ein, indem ich die Erkenntnisse selbst nutze.“

2.) Du kannst deine eigenen Befindlichkeiten für die Sache zurückstellen

„Es darf an Board keine Konkurrenzsituation herrschen. Das Schlimmste ist eigentlich, wenn man gegeneinander arbeitet oder man das Gefühl hat, der oder die andere nimmt meine Arbeit nicht an. Das muss man vermeiden. Wie der mich findet oder wie ich den finde, das muss in den Hintergrund treten. Auch unter widrigen Umständen oder mitten in der Nacht, wenn der Köper das Signal sendet: du gehörst jetzt ins Bett. Man muss einfach trotzdem gut zusammenzuarbeiten.

Dazu gehört, die eigenen Befindlichkeiten nicht so hoch zu bewerten, sondern in den Vordergrund zu stellen, wie wir im Team bestmöglich zusammenarbeiten können, um den Tag zu bewältigen. Denn grundsätzlich sind wir immer in einer Situation, die theoretisch Gefahren mit sich bringen kann. Und wir schaffen es dennoch, das auf ein sehr sicheres Niveau zu heben, indem wir alle gut zusammenspielen.“

3.) Du kannst kritisch denken, bist aber nicht stur

„Das Hinterfragen ist als Grundeigenschaft wichtig und es ist sogar als Verfahren implementiert. Zum Beispiel ist es so, dass wenn man zum ersten Mal mit einem neuen Kapitän zusammenarbeitet, man explizit über die Art der Zusammenarbeit redet. Und der Grundtenor dabei ist immer: Wenn dir etwas auffällt, was dir komisch vorkommt, und du dich fragst, warum macht der das jetzt, dann sprich mich drauf an!

Der Kapitän hat dennoch den Hut auf. Es wird dann am Ende nicht demokratisch abgestimmt. Aber er hat dann alles an der Hand, um eine gute Entscheidung zu treffen.“

4.) Du hast kein Problem damit, einen Fehler zuzugeben

„Fehler können passieren, das ist menschlich. Es ist allerdings sehr wichtig, dass Fehler gemeldet und ausgewertet werden, damit wir daraus lernen können. Ein wiederholter Fehler kann zum Beispiel ein Indiz dafür sein, dass ein Verfahren geändert werden muss.“

5.) Du genießt ein Arbeitsleben, das nicht Mo-Fr und 9to5 abläuft

„Das Leben als Pilot oder Pilotin ist ein Lebensstil, der mit dem normalen 9to5 nicht synchronisiert ist. Das muss man wissen. Aber da gibt es ja eine Reihe Berufe, bei denen es unregelmäßige Schichtarbeit gibt. Unterm Strich empfinde ich das als großen Vorteil.

Bei mir ist es so, dass ich schon seit acht Jahren in Teilzeit arbeite. Die passe ich von Jahr zu Jahr unseren Anforderungen zuhause an. Ich habe zwei Kinder und bin verheiratet. Die Teilzeit kann ich jedes Jahr neu beantragen und dann hoffen, dass das auch so klappt, wie ich mir das wünsche. Ich hatte da bisher viel Glück. 80 Prozent zu arbeiten, heißt bei uns: mindestens die Hälfte des Monats frei zu haben. Plus 34 Tage Urlaub.

Also das ganz selbstverständliche ‚Am Wochenende ist halt frei, da grillen wir‘ klappt bei mir nicht immer. Dafür war ich dann aber zum Beispiel einer der wenigen Elternteile, die Zeit hatten, bei den Bundesjugendspielen zu helfen. Ich hatte dadurch schon viele Situationen, in denen ich wesentlich flexibler war als andere.“

Kundeninformationen

Du erkennst dich in einigen der aufgezählten Eigenschaften wieder? Und jetzt möchtest du herausfinden, ob du wirklich das Zeug dazu hast, Pilot/in zu werden? Alles zu den Anforderungen, die du erfüllen musst und weitere faszinierende Einblicke in den Alltag von Pilotinnen und Piloten findest du auf

pilot-check.com/lufthansa

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