Bild: Aleksandra Zavjalova

Aleksandra hat heute frei. Sie sitzt am Meer und telefoniert – mit mir. "Das Schönste ist das Meersalz, was du in der Luft riechst", sagt sie. Die Hamburgerin hat ihren Traum wahr gemacht: Vor einem halben Jahr ist sie nach Lissabon gezogen.

Das hört sich einfach an. Wie aber fühlt es sich an, die Heimat erst einmal hinter sich zu lassen? 
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Im Frühjahr 2016 schloss Aleksandra ihren Bachelor in Wirtschaftswissenschaften in Hamburg ab.

Danach kam, was viele Studenten kennen: Sie wusste nicht, wie sie weitermachen wollte. Sie entschied sich gegen einen Master, denn eine wirkliche Leidenschaft hatte Aleksandra für ihr Studienfach nicht. Vielmehr spürte sie einen Drang, der sie weit weg von der Uni zog.

Internationalität ist heute so wichtig, deshalb wollte ich meine Fähigkeiten ausbauen.
Aleksandra Zavjalova

"Meinen fachlichen Abschluss hatte ich in der Tasche. Was mir dann wichtig war, waren Softskills, die mir im Beruf wirklich etwas bringen können", sagt Aleksandra. Vor allem für Fremdsprachen habe sie sich schon immer interessiert, ist selbst zweisprachig russisch-deutsch aufgewachsen. "Internationalität ist heute so wichtig, deshalb wollte ich meine Fähigkeiten ausbauen", sagt sie. Ursprünglich wollte sie deshalb in ein Land, in dem sie Englisch oder Spanisch sprechen konnte, da sie die beiden Sprachen schon in der Schule gelernt hat.

Um ihr Vorhaben umzusetzen, durchsuchte sie ab Juli 2016 dann sämtliche Jobportale und Datenbänke, in denen Jobs im Ausland vermittelt werden.

Im September wurde sie endlich fündig: Auf Studitemps stieß sie auf ein Angebot einer Online-Reiseagentur, die Personal für den Kundenservice suchte. "Spezielle Qualifikationen brauchte ich nicht", sagt Aleksandra. Einzige fixe Bedingung des Jobs: Der Einsatzort war Lissabon.

Es folgten über vier Wochen verteilt Interviews, sowohl mit dem vermittelnden Jobportal als auch mit der Agentur in Lissabon. "Sie wollten sicher gehen, dass ich auch ins Team und zum Job passe", sagt Aleksandra. Neben den Gesprächen musste die 27-Jährige vorab viele Dokumente schicken, darunter auch ein Beleg ihres Hinflugtickets.

Ende September dann die Zusage. Für Aleksandra stand fest: "Ich tausche meine Heimat gegen eine komplett neue Stadt ein."

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Ein Monat blieb Aleksandra, um ihre Wohnung aufzulösen, alle Sachen zu packen und sich von Freunden und Familie zu verabschieden. 

So groß ihre Reiselust auch war, der Abschied fiel Aleksandra dann doch schwer. "Ich habe gefragt, ob ich wirklich gerade jetzt alle Freunde und mein ganzes Leben zurücklassen möchte", erinnert sie sich. 

Denn je näher der Abschied rückte, desto verbundener fühlte sie sich mit ihren Lieben. "Vielleicht ist das gerade dann so, wenn man weiß, dass ein Abschnitt zu Ende geht", sagt Aleksandra.

Ich habe gefragt, ob ich wirklich gerade jetzt alle Freunde und mein ganzes Leben zurücklassen möchte.
Aleksandra Zavjalova

Denn mit dem Umzug endete für sie auch die Studentenzeit in ihrer Heimat. 

Das neue Kapitel begann, den ersten Arbeitstag hatte Aleksandra Anfang November. Das Unternehmen war nett, die Kollegen hilfsbereit. Der Einstieg in die Reiseagentur fiel Aleksandra deshalb nicht schwer, im Büro sprachen alle Englisch und die Arbeitsweise lernte sie schnell.

Kundengespräche am Telefon führt sie auch auf Spanisch oder Russisch. "Wir sind eine Online-Agentur, unsere Kunden kommen aus der ganzen Welt", sagt sie. Sie genieße das, denn der Job fördere tatsächlich genau das, was Aleksandra fördern wollte: ihre Internationalität

(Bild: Aleksandra Zavjalova)
So weit, so entspannt. Das Ankommen in Lissabon war trotzdem nicht immer einfach.

Viel Bürokratie wartete auf die 27-Jährige. Von Krankenversicherung über Steuerangelegenheiten – die zahllosen Behördengänge seien oft nervig gewesen. Nicht zuletzt, weil alles dreimal so lange dauere wie in Deutschland. "Ich habe vor drei Monaten einen Antrag für meine Krankenversicherung losgeschickt", sagt sie. Eine Rückmeldung habe sie bisher noch nicht bekommen. Das Gute daran:

Man fängt an, sich nicht mehr so leicht stressen zu lassen.
Aleksandra Zavjalova

Und noch etwas hat Aleksandra gelernt:

Am Anfang hat sie in einer WG gewohnt, die ihr vom Arbeitgeber vermittelt wurde. "Letztendlich habe ich mich aber etwas geärgert, dass ich dort nur mit Deutschen zusammengewohnt und deshalb viel Deutsch gesprochen habe", erzählt sie. 

Sie entschied sich, rauszugehen, suchte nach Bars und Restaurants, in denen eher Einheimische und weniger Touristen waren. "Ich musste einfach offen auf die Menschen zugehen", sagt Aleksandra. 

Mit Erfolg. Im Barviertel Bairro Alto hat sie viele Portugiesen kennengelernt, später auch ihren Freund. Er hat sie auf der Straße nach Feuer gefragt. Im Endeffekt waren sie den ganzen Abend unterwegs – und wohnen mittlerweile zusammen. "Er kommt zwar auch nicht aus Lissabon, ist aber Brasilianer und bringt mir Portugiesisch bei", sagt Aleksandra. 

(Bild: Aleksandra Zavjalova)
Fast ein Jahr ist es jetzt her, dass Aleksandra und ich in der Küche einer Freundin in Hamburg zusammensaßen.

Damals hat sie mir von ihren Plänen erzählt. Ein Satz ist mir besonders in Erinnerung geblieben: "Wir haben gerade in der EU so viele Möglichkeiten, die müssen wir nutzen."

Sie meinte damit vor allem die Chance, uns international zu vernetzen. Dort zu leben, wo wir leben möchten. Zu offenen Menschen zu werden und die Vielfalt außerhalb unserer Heimat kennen und schätzen zu lernen. 

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Als EU-Bürger können wir innerhalb der EU umziehen und überall arbeiten. Wir brauchen nicht einmal eine Arbeitserlaubnis. "Die eigene Bequemlichkeit aufzugeben, ist die größte Hürde", sagt Aleksandra.

Sie gibt zu: Es wäre oft einfacher gewesen, in Deutschland zu bleiben. Jeden Tag das Meersalz in der Luft zu riechen und zu wissen, dass sie ihr Leben selbst in der Hand hat – das ist die schönste Erfahrung für Aleksandra.

Ihre Entscheidung bereut sie überhaupt nicht.


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