Bild: Unsplash/Shubham Sharan
Hochschulsysteme international zu vergleichen wäre sinnvoll – und war eigentlich auch mal geplant.

Wer wissen will, wie gut Schülerinnen und Schüler in unterschiedlichen Ländern lesen und rechnen können, schaut sich die Ergebnisse der Pisa-Studie an. Wer eine ähnliche Information über den Leistungsstand von Studierenden sucht, findet: nichts.

Für Universitäten und den Hochschulbetrieb gibt es das Modell nicht. Aber warum?

Denn eigentlich war genau das einmal geplant. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die alle drei Jahre die Pisa-Studie für Schüler durchführt, hat an der Konzeption eines ähnlichen Tests für Studierende gearbeitet. Zwischen Januar 2010 und Dezember 2012 wurde eine Machbarkeitsstudie (AHELO) angefertigt. Es ging darum, wie eine solche Studie praktisch und wissenschaftlich umsetzbar wäre – und was Studierende bei ihrem Abschluss wissen und tun können sollten.

Der Plan sah vor, den Test weiterzuentwickeln, 2018 einen Feldversuch durchzuführen und 2020 eine erste Analyse zu veröffentlichen. Es sollten Informationen über die Leistungen der Studierenden im Ländervergleich erhoben werden. Zum Beispiel sollte es darum gehen, ob bestimmte übergeordnete Kompetenzniveaus erreicht werden.

Die Umsetzung des Pisa-Tests für Studierende war in sechs Stufen geplant – aber daraus wurde nichts.

Wieso das? Nachfrage beim OECD:

„Nach der Diskussion erster Konzepte gab es einige methodische Fragen, die unter anderem mit der Fächervielfalt an Hochschulen zusammenhängen. Die Mitgliedsländer haben deshalb beschlossen, das Projekt vorerst nicht weiter zu verfolgen.“
OECD

Die OECD ist eine internationale Organisation mit 36 Mitgliedstaaten. Sie hat den Charakter einer permanent tagenden Konferenz. Sie fasst Beschlüsse im Konsens. Das bedeutet, die Mitglieder brauchen eine übereinstimmende Meinung zu einer bestimmten Frage – ohne Widerspruch. Länder können sich aber enthalten, sie müssen die betreffende Empfehlung dann nicht anwenden.

Die Staaten waren also gegen einen Pisa-Test für Studierende, weil sie befürchteten, dass sich ein Philosophiestudium nicht mit einem Ingenieursfach messen lässt.

Was sagt der Deutsche Hochschulverband (DHV) dazu? "Hochschulen wie Hochschullehrer stellen sich grundsätzlich gerne jedem Leistungsvergleich", antwortet Pressesprecher Matthias Jaroch vom DHV, "bislang wurde aber noch kein allgemein konsensfähiges Instrument entwickelt, das unterschiedlichen Hochschultypen, geschweige denn Fächerkulturen gerecht werden könnte. Insofern steht der DHV einem Studenten-Pisa skeptisch gegenüber."

Welche Vergleichsmöglichkeiten sieht der Deutsche Hochschulverband?

„Hochschulen befinden sich seit jeher in Konkurrenz um die besten Köpfe und stehen damit im Leistungsvergleich zueinander und untereinander.“
Matthias Jaroch, DHV

Hochschulen wollen die besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für sich gewinnen. Das ist nachvollziehbar und legitim. Aber Forschungsreputation sagt wenig über die Qualität der Lehre und das Niveau der Absolventen aus. Gerade diese Aspekte wären allerdings für Studentinnen und Studenten interessant.

Vergleichbare Daten und Ranglisten könnten zudem die Basis für eine Verbesserung des Hochschulsystems bieten, das grenzübergreifend in unterschiedlichen Ländern funktionieren soll. Genau das ist auch bei den Schulen passiert: Die Ergebnisse der ersten Pisa-Studie, die 2001 veröffentlicht wurden, machten strukturelle Mängel sichtbar – und das deutsche Schulsystem verbesserte sich dadurch.

Aber offenbar wollen die Länder und die Hochschulen das Modell nicht umsetzen. Eine weitere Schwierigkeit: Aufgrund der Hochschulautonomie können Universitäten, anders als Schulen, nicht zu den Tests verpflichtet werden.

Dabei hat die Durchführbarkeitsstudie der OECD ergeben, dass eine Erhebung unter den Studierenden machbar wäre.

Ein internationaler Hochschulvergleich nach dem Pisa-Modell wäre möglich. Und sinnvoll.

Es gibt sogar Beispiele, wie so etwas aussehen könnte.

In den USA existiert bereits ein ähnliches Testmodell. Der CLA+ (Collegiate Learning Assessment) misst die Leistung Studierender hinsichtlich Analyse und Problemlösung, wissenschaftlichem und quantitativem Denken, kritischem Lesen und Bewerten sowie Argumentation, Schreibtechnik und Effektivität. Es geht darum, Fähigkeiten zu demonstrieren, anstatt lediglich Informationen zu reproduzieren – unabhängig des Fachs. Aus Kreisen der OECD ist zu hören, dass dieser Test eine gute Basis sein könnte, um darauf einen Hochschulvergleich aufzubauen.

Auch einen Pisa-Test für Erwachsene gibt es bereits, die sogenannte PIAAC-Studie. Das Ziel ist es, Alltagswissen von Menschen im Alter zwischen 16 und 65 Jahren international zu vergleichen. Der Fokus liegt auf Lesen, Mathematik und Problemlösung am Computer. Auch Informationen wie Bildungsabschluss und Beruf werden erfasst. 

Für ein globalisiertes Lern- und Arbeitsumfeld sind länderübergreifende Vergleiche der Ausbildungssysteme essenziell.

Bei einem Pisa-Test für Studierende sollte es nicht um eine Konkurrenz zwischen verschiedenen Fachrichtungen gehen, sondern darum, allgemeine Kompetenzen zu erheben, etwa das Lösen von Problemen oder das Verstehen von komplexen Aufgaben. Universitäten bilden Fachkräfte aus, die später global tätig sind. Es muss also möglich sein, die Leistung und Kompetenz Studierender länderübergreifend zu überprüfen und zu messen.

Gegenüber bento erklärte ein Sprecher der OECD, dass die Organisation einer Wiederaufnahme der Konzeption eines Studierenden-Pisa offen gegenüber stehe.


Uni und Arbeit

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Ann-Christin ist Influencerin in der Landwirtschaft, auf Instagram folgen ihr mehr als 42.000 Menschen – ein Hofbesuch.

Ann-Christin Kahler, 25, wartet im A7. Ohne Auto kommt man hier nicht weit. Sie braust über eine kurvige Landstraße, vorbei an Wäldern und erreicht schließlich den Hof ihrer Eltern. Ein kleiner Familienbetrieb in Roda, einem Dorf bei Marburg. Alte Fachwerkhäuser stehen verstreut zwischen Hügeln, rundherum Felder. Mit fast der Hälfte der etwa 500 Menschen im Ort sei sie irgendwie verwandt, sagt Ann-Christin und lacht.

Sie hat glatte blonde Haare und ein breites Lächeln. Ihrem Instagram-Account @annii610 folgen mehr als 42.000 Menschen. Im Stall posiert sie mit ihren beiden Haflingerstuten oder dem Wasserbüffelnachwuchs. 

Selfies macht Ann-Christin auf dem Trecker und mit anderen Landmaschinen.