Heute: Felix, 29, aus Dresden
Was wolltest du werden, als du jünger warst? 

Als Kind wollte ich Tierarzt oder Zahnarzt werden. Alles Naturwissenschaftliche hat mich immer schon fasziniert, und meine Eltern waren oft mit mir im Zoo. Außerdem ist meine Mutter Krankenschwester.

Queraufstieg

Irgendwann kommt sie, die Frage, bei manchen früher, bei anderen später, manche haben regelrecht Angst vor ihr: "Was willst du später mal werden?"

Es fällt schwer, das zu beantworten. Und wer eine Antwort gefunden hat, bereut sie manchmal hinterher. Weil der Arbeitsalltag in der Realität doch ganz anders aussieht. Und dann?

In dieser Reihe stellen wir Menschen vor, die sich beruflich umentschieden haben. Die sich getraut haben, noch mal von vorne anzufangen.

Wie ging es dann weiter?

In der Schule stand schnell fest, dass ich irgendwas mit Chemie machen will, mein Lieblingsfach damals. Allerdings hat mein Notenschnitt direkt nach dem Abi nicht fürs Chemiestudium gereicht, deshalb habe ich mich erst mal für Landschaftsarchitektur eingeschrieben.

Das war eher ein Ausrutscher: Mir war das Studium zu wenig naturwissenschaftlich, deshalb habe ich nach einem Jahr abgebrochen und bin nach Magdeburg gezogen, um Chemie zu studieren.

Felix, 29

Nach dem Bachelor habe ich einen Master in Toxikologie gemacht. Promovierte Toxikologen arbeiten in der Pharmaforschung oder Risikobewertung, sie prüfen zum Beispiel, ab welcher Dosis eine Substanz giftig ist und wie verträglich Medikamente sind. Das hat mich gereizt: Man tüftelt da was aus, was am Ende die Welt ein bisschen besser macht. 

Warum hast du dich dann entschieden, etwas anderes zu machen?

Ich habe meine Masterarbeit bei einem Pharmaunternehmen geschrieben und hätte da auch gern promoviert, aber zu dem Zeitpunkt gab es dort keine freie Stelle. Ich hätte auch an der Uni meinen Doktor machen können, aber da hangelt man sich dann von einem befristeten Vertrag zum nächsten, darauf hatte ich keine Lust.

Während des Studiums hatte ich jahrelang Nachhilfe in Mathe und Chemie gegeben, das hat mir richtig viel Spaß gemacht. Ich merkte, dass ich Lehrer werden sollte.

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Ich bin dann erst mal ohne sichere Stelle zurück nach Dresden gezogen und habe freiberuflich als Nachhilfelehrer gearbeitet. Die Nachfrage war so groß, dass ich eine eigene Wohnung finanzieren konnte. Zu der Zeit hatte das Land Sachsen gerade beschlossen, Quereinsteiger zum Lehrberuf zuzulassen. 

Felix, 29

Ich habe erst versucht, mich über die Schulbehörde zu bewerben, aber die Quereinsteiger-Regelung war damals noch neu und ziemlich chaotisch. Also habe ich mich initiativ bei Privatschulen beworben. Das hat besser geklappt: Seit anderthalb Jahren arbeitete ich als Chemielehrer an einer privaten Berufsschule. 

Berufsbegleitend mache ich ein zwölfmonatiges Referendariat. Inzwischen habe ich sogar einen unbefristeten Vertrag. Doch ich mache den Job nicht wegen des Geldes, sondern aus Interesse und Leidenschaft

Du bist auch ein Queraufsteiger?

Du hast einen Knick im Lebenslauf – und bist stolz darauf? Du hast dich noch mal beruflich umentschieden und machst etwas ganz anderes, als ursprünglich gedacht? Dann melde dich gern bei uns.

Was war die größte Hürde auf deinem Weg?

Das Land Sachsen und speziell das Kultusministerium. Die haben sich sehr schwer getan, jemanden aus der Wirtschaft als Lehrer anzuerkennen. Auch meine Mutter war zuerst skeptisch: Sie hatte zwar Vertrauen in mich, trotzdem hat sie sich Sorgen gemacht, dass ich scheitern könnte.

Als ich dann den Arbeitsvertrag in den Händen hielt, war sie froh

Wer oder was hat dir bei dem Schritt geholfen?

Während meiner Bachelorarbeit gings mir ziemlich dreckig, ich hatte unheimlich viel zu tun. Damals habe ich angefangen, mich mit dem Buddhismus zu beschäftigen.

Der ist seitdem zu meiner Leitlinie geworden: Ich will ein glückliches, erfülltes Leben haben und nicht bloß etwas tun, nur weil irgendjemand es von mir verlangt. Außerdem stand meine Frau bei jedem meiner Schritte hinter mir. 


Gerechtigkeit

Wie Politiker mit Sprache versuchen, dich auf ihre Seite zu ziehen
Und wie du das erkennst.

Franziska ist 24 Jahre alt, ist politisch weder rechts noch links. Sie weiß noch nicht, für wen sie im Herbst bei der Bundestagswahl stimmen soll – oder ob sie überhaupt wählen geht. 

Neulich hat sie auf Facebook ein paar Posts gesehen, die sie bewegt haben. Da ging es um Menschen, denen die aktuelle Politik nicht gut tut. Franziska wurde wütend.