Bild: HBO
Was steckt dahinter?

Menschen möchten jung sein. Oder am besten gleich unsterblich. Manche machen Sport, andere straffen sich bei Schönheits-OPs. Ein Start-up will nun nachhelfen und treibt den Verjüngungswahn auf die Spitze – mit einer Idee, die eher an Dracula erinnert. 

Ambrosia will seinen zahlenden Kunden Teenagerblut anbieten. Gezapft wird bei Jugendlichen – gespritzt wird bei Interessierten über 35 Jahren. 

Die Idee hinter dem Jungblutdoping: Es soll ältere Menschen vitaler machen.

Viele Forscher stehen der Idee allerdings skeptisch gegenüber.

Hinter der US-Firma Ambrosia steckt der 32-jährige Jesse Karmazin. Noch bietet seine Firma die Transfusionen nicht regulär an – sondern finanziert zunächst eine umstrittene medizinische Studie. Die Forscher wollen herausfinden, wie sich jüngeres Blut auf die Organismen älterer Menschen auswirkt. Oder besser: ob überhaupt. 

So soll die Studie Schritt für Schritt ablaufen:
​Die Studie wird in einer Privatklinik in Kalifornien durchgeführt.
Jedem Teilnehmer werden einmalig 1,5 Liter Blutplasma verabreicht. Das ist der flüssige Teil des Blutes, bereinigt von Blutzellen.
Die Teilnehmer werden vor der Transfusion und einen Monat danach untersucht.
So will Ambrosia herausfinden, ob und welche Auswirkungen das Teenagerblut hatte.
Das Blut stammt aus Blutbanken – von Spendern im Alter zwischen 16 und 25 Jahren.


Ob sie es speziell für die Studie gespendet haben, ist unklar.
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Karmazin sagte dem "Business Insider", er habe Jungblut-Transfusionen bereits an 30 Personen getestet. Und diesen gehe es super: Die Muskeln seien stärker geworden, die Auffassungsgabe besser. Beweise liefert er nicht.

Teenagerblut soll jung halten? Was ist an der Idee dran?

Sven Peine leitet das Institut für Transfusionsmedizin am Hamburger Uniklinikum – und hält die Idee für Quatsch. "Aus medizinischer Sicht kann ich mir nicht vorstellen, dass dieses Jungbrunnenblut möglich ist", sagt er uns. 

Im Blut junger Menschen sind höhere Konzentrationen an Wachstumsstoffen, die für den Muskelaufbau sorgen. Im Alter nimmt diese Konzentration ab.

Peine vermutet, dass Ambrosia genau diesen Stoff gewinnen will. "Aber die Konzentration ist nicht so hoch, dass sie in der Blutbahn eines älteren Menschen irgendeine Auswirkung hätte." Die Transfusion hat also einen Null-Effekt.

Auch andere Forscher sind skeptisch. "Es gibt keine klinischen Beweise dafür, dass die Behandlung irgendwelche positiven Auswirkungen hat", sagt der Neurowissenschaftler Tony Wyss-Coray von der Stanford University im "Sciencemag". "Hier wird das Vertrauen der Menschen und das öffentliche Interesse am Thema missbraucht.“

Was Wyss-Coray und andere Wissenschaflter kritisieren: Die Studie ist unsauber. 

  1. Alle Probanden sollen die Transfusion erhalten – es gibt also keine Kontrollgruppe ohne das angebliche Wunderblut. 
  2. Auch die Altersspanne ist fragwürdig – ab 35 Jahren aufwärts ermöglicht zu viele Zufallsfaktoren.

Die ganze Idee erinnert eher an Schauermärchen – an den Vampir, der Jungfrauenblut saugt, um lebendig zu bleiben. "Dem Menschen gefällt die Vorstellung der Runderneuerung", sagt auch Arzt Peine. Ein Blutaustausch fühle sich wie eine Reinigung an. 

Tatsächlich sei das aber gar nicht nötig: "Unser Körper führt selbstständig einen Reinigungsprozess durch. Drei bis vier Mal im Jahr tauscht sich unser Blut selbst aus." 

Die Idee von Ambrosia dürfte also vor allem sein, Schönheitswahnsinnigen viel Geld abzuknöpfen. 

Nach eigenen Angaben hat das Start-up bereits mehr als 100 zahlungswillige Kunden (CNBC). Insgesamt sollen etwa 600 Probanden teilnehmen. Schon allein damit verdient das Start-up – denn jeder Interessierte soll Ambrosia umgerechnet 7500 Euro für die Transfusion zahlen. 

Bedeutet: Wenn alle Teilnehmer zusammenkommen, verdient Ambrosia schon 4,5 Millionen Euro. Und ist erst mal gar keinen Beweis schuldig, ob das Teenagerblut tatsächlich hilft.

Karmazin hat selbst einen medizinischen Abschluss, aber keine Zulassung als Arzt (Business Insider). Die Idee zu seiner Studie basiert auf einer Versuchsreihe an Mäusen. Dabei wurde der Blutkreislauf einer älteren Maus mit dem einer jüngeren verbunden – die Tiere wurden vier Wochen lang zusammengenäht. Die Prozedur soll in Einzelfällen Alterserscheinungen gelindert und die Muskelstärke verbessert haben. 

Aber: Ambrosia näht natürlich keine Menschen aneinander. Zum anderen ist der Mensch aber auch keine Maus. Daher im Ernst: Die Aussagekraft der Studie für die Wirksamkeit bei Menschen tendiert gen null.

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