Portale wie Check24 oder Verivox leben zum großen Teil von den Provisionen der Anbieter. Das wirkt sich gleich in mehrfacher Hinsicht auf deren Angebot aus:

1. Je höher die Provision, desto besser fürs Vergleichsportal

Je mehr Provision fließt, desto besser ist es für die Portale. Für sie ist es also von Vorteil, wenn Kunden Tarife kaufen, die den Portalen auch hohe Provisionen einspielen. Verbraucherschützer vermuten, dass die Vergleichsportale die Voreinstellungen für die Tarifsuche so wählen, dass solche Tarife möglichst weit oben in den Trefferlisten landen. Die meisten Nutzer würden diese Voreinstellungen nämlich nicht ändern: "Betrug ist das nicht, aber nach unseren Erfahrungen fühlen sich Kunden getäuscht", sagt Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW. Die Portale weisen das zurück.

Doch den Portalkonzernen bietet die Sortierung der Trefferlisten eine weitere Geldquelle. Sie können Anbieter beraten, wie sie ihre Tarife optimieren könnten, um einen der ersten Plätze zu ergattern. Verivox bestätigt, dass es eine beratende Dienstleistungstochter gibt. Diese biete aber lediglich IT-Werkzeuge, mit denen Firmen die Tarife ihrer Konkurrenz analysieren könnten. Eine individuelle Beratung für die Anbieter gebe es nicht.

2. Die Portale beraten die Versicherungen

Verbraucher können sich auf Wunsch ebenfalls beraten lassen - doch wie bei Banken und Versicherungen üblich, verdienen auch die Berater der Portale in der Regel umso mehr, je häufiger am Ende ein Vertragsabschluss steht. Zwar berate man bedarfs- und nicht provisionsabhängig, teilen Check24 und Verivox mit. Verivox zumindest aber bestätigt: "Unsere Mitarbeiter erhalten wie in jedem Wirtschaftsunternehmen üblich Anreize für eine hochwertige und erfolgreiche Arbeit."

Auch wenn sich manche Portale aus Sicht der Verbraucherschützer "bewusst als unabhängige Verbraucherportale" präsentieren, verschweigen sie das Provisionsmodell nicht - wenn sie auch die Hinweise darauf selten prominent platzieren. Interessiere sich ein Nutzer dafür, wie sich etwa Verivox finanziere, finde er das im "'Über uns'-Bereich, da Kunden diese Information hier erwarten", teilt Verivox mit. Auch Check24-Sprecher Friedheim kontert den Vorwurf der Verbraucherschützer trocken: "Wir sind nicht die Stiftung Warentest.“

Check24 vergleicht Versicherungen - und wird von ihnen bezahlt.
3. Manche Versicherungen kommen gar nicht vor

Kaum ein Vergleichsportal bietet einen vollständigen Marktüberblick. Das liege auch daran, dass manche Anbieter gar nicht aufgeführt werden wollen, sagen Check24 und Verivox. Wenn man sich bei den Anbietern selbst umhört, verdichtet sich der Eindruck, dass das oft an zu hohen Provisionsforderungen der Portale liegt.

Die Vergleichsportale halten sich dennoch für repräsentativ. Check24 verweist darauf, im Schnitt mindestens 80 Prozent des Marktes abzubilden, Verivox auf 13.000 Tarife allein im Energiebereich. Zudem beteuern die Portale, auch Anbieter aufzuführen, von denen sie keine Provision erhalten - oft werden diese aber lediglich auf Gesamtübersichten gezeigt, die die Kunden eigens aufrufen müssen.

4. Verschiedene Portale - verschiedene Ergebnisse

Die großen Vergleichsportale verkaufen auch Tarife, die nur bei ihnen zu finden sind. Oft mit besonders hohen Rabatten für die Verbraucher - sogenannte Spezialtarife. Wenn Tarife aber nur bei einem Portal und nicht einmal beim Anbieter selbst zu finden seien, erschwere das den Nutzern den Vergleich, bemängelt Verbraucherschützer Sieverding.

Trotzdem sollten Verbraucher weiterhin Angebote mindestens zweier Portale miteinander vergleichen. Die Verbraucher sollten sich jedoch bewusst sein, dass sie angesichts des Tarifwirrwarrs nur einen guten, aber nicht unbedingt den für sie besten Tarif finden.

Dieser Text ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen. Hinweis der Redaktion: Verivox ist ein Kooperationspartner von SPIEGEL ONLINE. Unter anderem bietet das Portal über SPIEGEL ONLINE Vergleichsrechner zu den Themen Strom, Gas, Heizstrom, DSL und Handykosten an.

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