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Wer darf wann Urlaub nehmen? Diese Frage stellt sich in fast jedem Unternehmen mehrmals pro Jahr. Jüngere Kolleginnen und Kollegen sind dabei vermeintlich ziemlich flexibel, die älteren hingegen nicht. 

Dahinter steckt meist kein böser Wille – sondern eine durch Kinder eingeschränkte Planungsfreiheit. Wer schulpflichtige Kinder hat, muss sich beim Familienurlaub nach den Ferien richten. Einen Rechtsanspruch auf Urlaub in den Schulferien für Mütter und Väter gibt es zwar nicht, oftmals haben sie aber bei der Planung Vorrang (SPIEGEL).

Muss ich bei meiner Urlaubsplanung Rücksicht auf Kollegen mit Kindern nehmen?

Darüber haben wir mit unserem Job-Trio gesprochen:

Das bento-Jobtrio

Um Fragen im Berufsleben beantworten zu können, muss man kein Karrierecoach sein. Unser Jobtrio zeigt, dass sich Probleme in der Arbeitswelt auf vielen Wegen lösen lassen. Zusammen haben die drei 135 Jahre Lebenserfahrung: 

  • Sara Weber, 20, ist ausgebildete Malerin und Lackiererin und macht gerade den Meister zur Farb- und Lacktechnikerin. Sie hat sich für eine Ausbildung im Handwerk entschieden, weil sie zeigen wollte: Auch Frauen können das.
  • Lasse Rheingans, 38, ist Chef einer Agentur in Bielefeld, die Digital-Strategien für Unternehmen entwickelt – und bekannt für neue Wege ist. Seit einem Experiment arbeiten alle im Team nur noch fünf statt acht Stunden täglich.
  • Dagmar Prüter sitzt mit 77 noch an der Supermarktkasse. Freiwillig. Neben viel Lebenserfahrung hat die vermutlich älteste Kassiererin Hamburgs inzwischen auch eigene Autogrammkarten.

In unserer Kolumne beantworten die Drei Fragen, die sich besonders Berufseinsteiger stellen. Immer nach dem Motto: Eine Frage, drei Antworten.

Das sagt Malerin Sara Weber:

"Bei uns im Handwerk ist es oft so, dass wir beispielsweise über Weihnachten ohnehin für ein paar Tage nicht arbeiten. Da fällt dann auch die Urlaubsplanung weg und wir müssen uns im Betrieb gar nicht untereinander absprechen. Wenn es um Schulferien geht, ist allerdings allen klar, dass Kollegen mit Kindern und unsere Azubis, die auch nur in den Ferien frei haben, bevorzugt werden. Wenn man neu in die Firma kommt, wird das einmal kurz angesprochen – wir werden uns da immer einig.

Ich finde das richtig. Je nach Alter der Kinder kann es für Eltern schwierig sein, jemanden zu finden, der in den Ferien tagsüber auf sie aufpasst. Außerdem wollen die Eltern ja auch Zeit mit ihren Kids verbringen und mal gemeinsam wegfahren. Wir nehmen da im Betrieb viel Rücksicht aufeinander. Das würde ich mir ja auch in Zukunft wünschen, sollte ich mal familiär gebunden sein.

Wer bei uns im Betrieb keine Kinder hat, bucht sowieso keinen Urlaub in den Ferien. Die Angebote sind da viel zu teuer. Ich habe schon einige tolle Schnäppchen ergattert, weil ich zeitlich ungebunden war."

Das denkt Chef Lasse Rheingans:

"Nicht nur in der Schule gibt es strikte Ferien, auch Kitas und Kindergärten haben feste Schließzeiten. Es wäre schon schön, wenn man dem Familienurlaub der Kolleginnen und Kollegen dann nicht im Weg steht. Menschen, die noch keine Kinder haben, sollten sich auf jeden Fall nach den Familien richten.

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Wir haben einen Affiliate-Link zu Amazon gesetzt. Das heißt: Wenn jemand auf diesen Link klickt und das Produkt in dem Online-Shop tatsächlich kauft, bekommen wir in manchen Fällen eine Provision. Das hat keinen Einfluss auf unsere Berichterstattung.

Schließlich gibt es für sie nur diese Zeiten, um gemeinsam Urlaub zu machen. Mit Kindern hat man in allen Lebenslagen weniger Flexibilität. Deswegen ist ein gewisser Vorrang bei der Urlaubsplanung wichtig. Wenn es sich mal überhaupt nicht vereinbaren lässt, sollte man offen, ehrlich und vor allem so früh wie möglich mit den Kollegen reden und versuchen, einen Kompromiss zu finden.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, frühzeitig zu planen. In der Agentur versuchen wir, den kompletten Jahresurlaub schon im ersten Quartal zu terminieren. Das kann jeder nachvollziehen."

Das meint Kassiererin Dagmar Prüter:

"Um Weihnachten und Silvester rum ist bei uns im Supermarkt die heiße Zeit. Da bekommt eigentlich niemand Urlaub. Ich als Rentnerin und Teilzeitkraft habe es da natürlich gut. Heiligabend und die Tage drumherum kann ich entspannt mit meiner Familie verbringen. Im Januar geht dann die Urlaubsplanung für alle Kolleginnen und Kollegen los. Wer Kinder hat, hat dabei Vorrang. Darauf muss keiner extra achten, das weiß man einfach.

Dass zu den Ferienzeiten die Eltern bevorzugt werden, finde ich richtig. Das habe ich früher auch genossen, als ich kleine Kinder hatte. Während meiner ganzen Berufslaufbahn habe ich diesbezüglich eigentlich nie Diskussionen mitbekommen. Junge Menschen müssen das einfach verstehen.

Klar ist man mal genervt, wenn man umplanen muss, weil jemand anderes Vorrang hat. Aber dafür ist man im Rest des Jahres flexibler und kann auch zu Zeiten verreisen, an denen die Urlaubsorte nicht völlig überfüllt sind. Ich bin zwar jetzt schon älter, genieße diese Ungebundenheit aber immer noch sehr. Diese Möglichkeit haben Familien einfach nicht."


Uni und Arbeit

Andreas Sundl kennt die richtige Reaktion auf die Frage: "Wann bist du endlich mit dem Studium fertig?"
Der Psychotherapeut gibt Tipps, wie Weihnachten trotz Fragen nach Studium und Karriere friedlich verlaufen kann.

Was studierst du nochmal? Verdient man in deinem Job genug Geld? Was genau tust du da eigentlich? Wer kennt sie nicht, die Lieblingsfragen der Eltern an den Feiertagen. Das restliche Jahr konnte man ihnen erfolgreich aus dem Weg gehen, an Weihnachten ist der Familienbesuch unvermeidbar. 

Schon auf der Zugfahrt in die Heimat sehen wir vor unserem inneren Auge den Vater im Wohnzimmer neben dem Tannenbaum stehen, wohlwissend, dass auf seine Frage "Wann bist du eigentlich mit dem Studium fertig?" die Eskalation unterm Tannenbaum nur noch wenige Sekunden entfernt ist. 

Wir haben via Instagram bento-Leserinnen und -Leser gefragt: 

Welche Fragen zu eurer Karriere stellen eure Eltern auch alle Jahre wieder, auf die ihr gerne endlich die richtige Reaktion hättet? 

Einige davon haben wir dem Berliner Psychotherapeuten Andreas Sundl gestellt und Tipps von ihm erhalten, wie wir dem alljährlichen Weihnachtsstreit entgehen können. 

bento: Warum muss unsere Karriereplanung gerade zu Weihnachten so eine wichtige Rolle spielen?

Andreas Sundl: Da spielen zwei Faktoren mit rein. Erstens kommen erwachsene Kinder meist nicht so regelmäßig nach Hause und beschränken längere Aufenthalte auf besondere Anlässe wie Geburtstage oder eben Weihnachten. Man sitzt sich persönlich gegenüber und hat mehr Zeit als sonst für intensive Gespräche. Außerdem reflektieren wir unser eigenes Leben zum Jahresende noch einmal und kommen darüber automatisch darauf, wie es um unser familiäres Umfeld bestellt ist.

bento: Wieso fällt es vielen Eltern so schwer, einige Themen einfach mal ruhen zu lassen?

Andreas: In diesen Fragen steckt meist viel Sorge. Wir nennen das in der Psychologie die VW-Regel. Hinter jedem Vorwurf steckt ein Wunsch. Die meisten Eltern wünschen sich für ihre Kinder Sicherheit. Wenn sie sich absolut nicht vorstellen können, was ihr Kind eigentlich arbeitet, sind sie verunsichert.

bento: Wir haben die Fragen unserer Leserinnen und Leser gesammelt, die sie regelmäßig von ihrer Familie gestellt bekommen. Eine davon haben Sie eben schon selbst angesprochen. Wie erkläre ich meinen Eltern verständlich, was ich eigentlich tue?

Andreas: Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns je nach Beruf eine fachspezifische Sprache angeeignet haben, die Menschen außerhalb der Branche nicht zwangsläufig verstehen. Es kann also helfen, sich Gedanken zu machen, mit welchen einfachen Sätzen ich meine Tätigkeit verständlich beschreiben kann. Am besten klare Bilder verwenden, die sich jeder vorstellen kann und sich regelmäßig rückversichern, ob alles angekommen ist und nicht in lange Monologe verfallen. Wichtig ist es, nicht oberlehrerhaft rüberzukommen und dem anderen das Gefühl zu vermitteln, er sei zu doof, den Job zu verstehen.