Bild: WDR
Das sind die 3 härtesten Momente.

Deutschland ist ein reiches und mächtiges Land, aber wer profitiert davon? Die Armen? Der Mittelstand? Die Reichen selbst? 

Dieser Frage widmet sich das Projekt "Ungleichland" in der ARD. Mehrere Monate haben Film- und Online-Autoren zum Thema Ungerechtigkeit recherchiert und ein beeindruckendes und oft erschütterndes Porträt über Deutschland geschaffen. Im Netz teilen sie ihre Ergebnisse unter "docupy/Ungleichland", am Montag lief eine erste große Reportage. (Hier kannst du sie dir in der Mediathek anschauen.)

Tausende Menschen diskutieren im Netz über die Dokumentation. Wir haben sie uns angeschaut und erklären hier, was viele so wütend macht.

Christoph Gröner(Bild: Mike Wolff/ Imago)

1.

Der Millionär und Unsympath: Christoph Gröner

Er ist einer der größten deutschen Immobilienentwickler. Er schafft ganze Stadtviertel neu, baut in Großstädten Mehrfamilienhäuser und verkauft Eigentumswohnungen. Damit ist er zu einem der reichsten Deutschen aufgestiegen (80 Millionen privates Vermögen, plus Firmenanteile) – und bei Twitter für einige zum "unsympathischen und ekligen Kapitalisten-Vollhonk" oder "Kotzbrocken".

In der Dokumentation steht er stellvertretend für die obere Schicht unseres Landes. Jene aus der Schicht, deren wohl wichtigstes Ziel es ist, einfach immer noch reicher zu werden. Gröner zeigt, dass er dabei längst den Bezug und das Verständnis für Menschen mit wenig Vermögen verloren hat. Drei Szenen, die das beschreiben: 

  • Gröner sitzt in seinem Privatjet, mit dem er von Termin zu Termin fliegt. Er erklärt: "Wenn sie 215 Millionen haben, schmeißen sie das Geld zum Fenster raus und dann kommt es zur Tür wieder rein. Sie kriegen es nicht kaputt." Sobald man in Autos, Häuser, Immobilien investiere, steigere sich der Wert. Mit Konsum könne man das Geld nicht zerstören. 
  • Gröners Wachmann Mario Lauterbach verdient 2000 Euro Brutto im Monat. Gröner meint, er habe damit alles richtig gemacht. Denn wenn ein Angestellter von seinem Gehalt leben könne, habe man als Unternehmer ordentlich gearbeitet. Ob sein Wachmann sich vielleicht auch ein Haus mit Pool wünsche, wird Gröner gefragt. Er antwortet: Das will er doch gar nicht, er kenne seine Angestellten. Anschließend antwortet Lauterbach hingegen, ein Haus mit Pool könne er sich schon vorstellen – dann aber in Griechenland.
  • Nächster Drehort: Die Rigaer Straße in Berlin. Mitten in der Hochburg der linken Szene will Gröner einen neuen Gebäudekomplex bauen. Bei einer Diskussionsveranstaltung beschimpfte er die Demonstranten als dumm und blöd. In der Doku legt er noch einmal nach und beschwert sich über die "verblödete Denke der Gesellschaft", die glaube, wer vermögend geworden sei, habe das Geld jemand anderem geklaut. Im Übrigen: Jede Krankenschwester könne sich eine 35-Quadratmeter-Wohnung für 12 Euro pro Meter leisten.  

2.

Zahlen, die die steigende Ungleichheit belegen

Sind es wirklich Menschen wie Gröner, die ihr Vermögen ständig vermehren? Oder profitieren auch Ärmere von immer steigender Wirtschaftskraft? Einige Zahlen und Experteninterviews in "Ungleichland" belegen, das Wohlstand in Gefahr ist und der Abstand zwischen Arm und Reich immer größer wird.

(Bild: WDR)

Drei Fakten:

  • Ab einem Vermögen von 17.000 Euro gehöre man in Deutschland bereits zu den oberen 50 Prozent der Wohlhabenden. Leisten könne man sich davon gerade einmal einen Golf in der einfachsten Ausstattung, 3,3 Quadratmeter einer Neubauwohnung in Frankfurt – oder Schuhe und Kleidung für 1,6 Kinder von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr.
  • Raj Chetty, Wirtschaftswissenschaftler und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Stanford University, erklärt: "Bei den Kindern, die in den 1940ern geboren wurden, haben 92 Prozent mehr verdient als ihre Eltern. – Bei Kindern, die Mitte der Achtziger geboren wurden, verdienen nur noch 50 Prozent mehr als ihre Eltern."
  • Branko Milanovic war Chef-Ökonom der Weltbank. Verlierer der Globalisierung seien die unteren Mittelschichten der reichen Länder – wie Deutschland. "Diese Menschen verdienen heute das, was sie auch schon vor 20 Jahren verdient haben."

Einer der wichtigsten Faktoren, um Ungleichheit zu bekämpfen und Chancengleichheit zu ermöglichen, sei Bildung, wie die Experten in der Reportage betonen. 

Doch auch da sieht es düster aus. Privatschulen sprießen hervor, an staatlichen Schulen kommen Arm und Reich seltener zusammen. Die Spaltung schreite voran. Auch für die Demokratie sei Ungleichheit eine der größten Gefahren. Der Groll der Mittelschicht führe oft dazu, dass sie antidemokratischen Populisten ihre Stimme anvertrauten. 

3.

Der Siemens-Mitarbeiter und die Angst vorm Abstieg

Thomas Klaus(Bild: ARD)

Das hier ist Thomas Klaus, Vater einer vierköpfigen Familie und ihr Hauptverdiener. In der Dokumentation der Vertreter der Mittelschicht. Einer Schicht, die bedroht ist vom Abstieg – trotz guter Bildung und viel Engagement. Klaus arbeitet als Ingenieur bei Siemens, ist Teil des Betriebsrates. Während er von einer eigenen Vier-Zimmer-Wohnung in Leipzig träumt, gerät sein Job in Gefahr. Das Leipziger Werk von Siemens muss schließen. Vermutlich kann die Familie noch nicht einmal die derzeitige Mietwohnung halten. 

"Man hat schon die Angst, dass da die Perspektive nach unten, in die untere Mittelschicht ... die ist, glaub ich, wesentlich näher als der Schritt nach oben, in die höhere Mittelschicht."

Und der Ausweg aus der Misere?

"Ungleichland" zeigt die reichen Menschen auf der Erfolgsspur da oben und die Hilfsbedürftigen da unten – ein starker, diskutabler Gegensatz. 

Aber eines macht es deutlich: Die Ungerechtigkeit ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Im Netz wird die Doku als "wichtiger Beitrag" gefeiert. Verständlich, eindrücklich und bildstark bringt die ARD das Thema auf den Punkt. 

Die Lösungsansätze – wie Steuern auf die Vermögen der Reichen oder ein Staatsfond für Wohnungen und Bildung, in den Reiche einzahlen – sollen nun im Netz unter #ungleichland diskutiert werden. In den 45 Minuten war dafür kein Platz mehr. 


Sport

Bei diesem Frauenfußball-Bild scrollt ihr gleich weiter? Das nervt!
Frauenfußball wird in Deutschland zwar akzeptiert, aber nach wie vor nicht ernst genommen

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