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Wichtig: belegte Brötchen und Bier für alle.

Neue Wohnungen oder WG-Zimmer sind toll. Aber: Umzüge sind ätzend. Kisten packen, Freunde zu Helfern machen ("Hey, das wird lustig. Es gibt Bier und Kuchen!"), und dann wollen Mama und Papa auch noch spontan vorbeischauen. Schon hat sich das Potenzial für Zoff verzehnfacht.

Funktioniert ein Umzug auch ohne Chaos? Gut organisiert, ohne Wutanfälle, mit Leuten, die nicht im Weg herumstehen? Wir haben Catharina Wilhelm, Coachin für Veränderungssituationen und Konfliktmoderatorin, gefragt. 

Erwachsenwerden für Anfänger

Irgendwie dachten wir früher immer, Leute in unserem Alter hätten das Leben besser im Griff: Finanzen geregelt, Kühlschrank gefüllt. Heute wissen wir: Sachen im Griff haben ist schwerer als gedacht. Also googlen wir unsere Probleme. Die Antworten der Suchmaschine sind nur leider manchmal unbefriedigend. Deshalb klären wir mit Hilfe von echten Experten Fragen, die Google uns vorschlägt, wenn wir bestimmte Begriffe eingeben. Zum Beispiel Plastikflaschen – oder Kopfhörer.

1.

Früh anfangen und Klarheit schaffen

Was ist zu tun – und wer macht was? "Man sollte frühzeitig die Aufgaben für den Umzug definieren und entscheiden: Was davon fällt mir leicht und kann ich selbst erledigen, was davon kann ich delegieren? Und an wen?", rät Wilhelm. 

Vielleicht bricht bei einem selbst gern das Schrauben-Chaos aus, die beste Freundin bewältigt den Möbelaufbau aber ziemlich gut. Wenn sie gerade Semesterferien hat und sich als Dankeschön über eine Einladung zur Pizza freut, spricht nichts dagegen, sie um Hilfe zu bitten. "Was nehme ich an, was gebe ich zurück? Es ist wichtig, diese Fragen anfangs für sich zu beantworten", sagt Wilhelm. 

2.

Listen machen (sorry, ohne wird es schwer)

Wer den Überblick behalten will, muss Listen schreiben. Egal, ob ins Notizbuch, in Excel-Sheets oder eine App (einfach mal im App- bzw. Playstore nach To-do-Apps oder speziellen Umzugs-Apps suchen). Sonst läuft der Stromvertrag der alten Wohnung ewig weiter, und die Kaution landet nie auf dem Konto des neuen Vermieters. 

Listen lohnen sich aber nicht nur für den Papierkram, sondern auch für Kisten, Küchenmöbel und (schlimmstenfalls) das Klavier. Da gilt: notieren, was schon vorher in die neue Wohnung kann, und was erst am Umzugstag. Das sollte nicht am letzten Abend passieren – und nicht nebenbei vor dem Fernseher. "Die richtige Planung braucht Zeit, dafür kann man sich gut mal einen halben Tag am Wochenende hinsetzen", sagt Wilhelm. Und dabei nicht nur an das eigene Stresslevel denken: "Ich empfehle den berühmten Perspektivwechsel: Wenn mein Freund mich bittet, beim Umzug zu helfen – welche Organisation würde ich mir von ihm wünschen?"

(Bild: Pixabay)

3.

Bezahlte Helfer: ja oder nein?

Die besten Freunde sagen uns meistens nicht ab, wenn wir sie um Hilfe beim Umzug bitten. Wir schleppen ja auch ihre Kisten. Aber vielleicht haben wir inzwischen genug Geld, um externe Helfer zu bezahlen? Wer den Komplett-Service will, kann sich sogar von einem Umzugsunternehmen Kartons ein- und auspacken lassen. Aber das könnte teuer werden. 

Ein Klavier sollte man nie selbst umziehen.
Coachin Catharina Wilhelm

Für das mittlere Budget gibt es folgende Option: selbst die Kisten packen, aber fürs Schleppen Umzugshelfer dazu buchen (über eine Umzugsfirma oder Handwerker-Plattformen im Netz). "Das hängt natürlich auch von den Möbelstücken ab, die in die neue Wohnung müssen“, sagt Coachin Wilhelm. "Ein Klavier sollte man nie selbst umziehen.“ 

Also abwägen: Was mute ich mir und meinen Freunden zu – und bei welchen Dingen kann ich es mir leisten, sie outzusourcen?

4.

Und wie sieht’s mit der Familie aus?

Reden wir über Mama, Papa und Onkel Helmut, der es gut meint, aber Anweisungen immer ignoriert und alle mit seinen Witzen nervt. Möchte ich, dass die Familie hilft, macht mich das nur nervös, aber will ich ihnen das nicht sagen? "Es geht in erster Linie darum: Was brauche ich in dieser Situation? Das ist kein Egoismus, sondern Selbstfürsorge."

Also: An sich selbst denken und möglichst charmant kommunizieren: "Ich nehme eure Hilfe sehr gerne an. Aber die Jungs aus der Uni schleppen total gerne Kisten – vielleicht könntet ihr zwei Kuchen vorbereiten? Das würde mir wirklich helfen." Am besten weisen wir Aufgaben zu, bei denen wir wissen, dass die anderen sie gerne übernehmen. 

Ein Umzug ist nie so entspannt wie ein Urlaub – egal, wie gut wir ihn organisieren.
Coachin Catharina Wilhelm

5.

Wenn der Tag gekommen ist…

Listen geschrieben, Aufgaben verteilt, Kisten gepackt. Und am Umzugstag selbst? "Natürlich sollte man Catering wie belegte Brötchen und Getränke organisiere", sagt Catharina Wilhelm. "Das muss nicht auf tollem Geschirr sein. Hauptsache, die Helfer haben das Gefühl: Hier hat sich jemand Gedanken gemacht, wir werden wertgeschätzt und nicht ausgenutzt." 

Die Motivation lässt sich steigern, wenn die Aufgaben klar verteilt sind und es genug Pausen gibt. "Das geht natürlich nicht, wenn das Auto gerade im Parkverbot beladen werden muss", sagt Wilhelm. "Aber wenn wir in der neuen Wohnung angekommen sind, können wir sie kurz allen zeigen und uns für alles bedanken, was bis dahin geschafft wurde." Vielleicht konnten wir am Tag vorher schon die Kaffeemaschine anschließen oder herausfinden, welcher Kiosk um die Ecke gekühltes Bier verkauft? Das sorgt für ein gutes Gefühl – und dafür, dass die Ersten nicht schon abhauen wollen.


6.

Drama rausnehmen

Selbst die Coachin sagt: "Ein Umzug ist nie so entspannt wie ein Urlaub – egal, wie gut wir ihn organisieren." Aber: "Es geht auch nicht um olympisches Gold oder um eine OP am offenen Herzen. Daher: Einfach mal in Ruhe durchatmen, wenn einem der Stress gerade über den Kopf wächst."

Vielleicht hilft eine Sichtweise aus dem Yoga: Zwischendurch das Drama rausnehmen. Das Glas im Bilderrahmen hat einen Sprung? Lässt sich austauschen. Du gerätst mit deiner Schwester aneinander? Ist morgen wieder gut.

Um tiefenentspannt zu bleiben, lohnt sich selbst am Umzugstag ein morgendliches Entspannungsritual – auch wenn es zunächst absurd erscheint. Dabei ist egal, ob das ein Pancake-Frühstück, eine Joggingrunde oder Yoga ist. "Wenn ich weiß, womit ich morgens entspannen kann, sollte ich mir die Zeit unbedingt nehmen. Davon profitieren am Ende alle."


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