Bild: Imago/ Westend 61
"Ich könnte nicht nach Hause gehen, wenn ich wüsste, mein Chef stünde jetzt noch bis 19 Uhr an den Geräten."

Es ist Feierabend und niemand geht nach Hause. Die Laptops im Büro bleiben aufgeklappt, die Überstunden häufen sich. Jeder zehnte Beschäftigte in Deutschland arbeitet mehr als 48 Stunden in der Woche (Statistisches Bundesamt). Besonders Führungskräfte sind davon betroffen. Sie arbeiten häufig von allen am längsten.

Gerade Berufseinsteiger und Berufseinsteigerinnen wollen diese Chefinnen und Chefs von ihrer Arbeitsleistung überzeugen – und bleiben länger.

Sollten gerade Änfänger und Anfängerinnen länger arbeiten?

Darüber haben wir mit unserem Job-Trio gesprochen:

Das bento-Jobtrio

Um Fragen im Berufsleben beantworten zu können, muss man kein Karrierecoach sein. Unser Jobtrio zeigt, dass sich Probleme in der Arbeitswelt auf vielen Wegen lösen lassen. Zusammen haben die drei 135 Jahre Lebenserfahrung: 

  • Lasse Rheingans, 38, ist Chef einer Agentur in Bielefeld, die Digital-Strategien für Unternehmen entwickelt – und bekannt für neue Wege ist. Seit einem Experiment arbeiten alle im Team nur noch fünf statt acht Stunden täglich.
  • Dagmar Prüter sitzt mit 77 noch an der Supermarktkasse. Freiwillig. Neben viel Lebenserfahrung hat die vermutlich älteste Kassiererin Hamburgs inzwischen auch eigene Autogrammkarten.
  • Sara Weber, 20, ist ausgebildete Malerin und Lackiererin und macht gerade den Meister zur Farb- und Lacktechnikerin. Sie hat sich für eine Ausbildung im Handwerk entschieden, weil sie zeigen wollte: Auch Frauen können das.

In unserer Kolumne beantworten die Drei Fragen, die sich besonders Berufseinsteiger stellen. Immer nach dem Motto: Eine Frage, drei Antworten.

Heute: Muss ich als Berufsanfänger Überstunden machen?

Sara Weber sagt:

"Das ist oft keine Frage von Müssen und Wollen. Im Handwerk fallen Überstunden einfach an. Mein Chef koordiniert, wann welche Baustelle fertig werden muss. Damit das klappt, muss jeder von uns auch mal länger arbeiten. Ich könnte nicht nach Hause gehen, wenn ich wüsste, meine Kollegen stehen jetzt noch bis 19 Uhr an den Geräten.

Wir fahren zum Beispiel auch gemeinsam im Firmenauto zu den Baustellen. Es wäre einfach nicht praktikabel, früher als andere zu gehen. Wenn noch etwas fertig gemacht werden muss, dann ist das eben so.

Du solltest bereit sein, zehn Minuten oder auch mal eine Stunde länger zu bleiben. Wenn es regelmäßig länger dauern sollte, dann muss das meiner Meinung nach im kompletten Team abgesprochen werden. Die Bereitschaft, länger zu bleiben, muss von einem selbst kommen. Ich arbeite ja nicht für mich alleine – sondern im Team."

Lasse Rheingans sagt:

"Wenn deine Aufgaben für den Tag erledigt sind, gibt es keinen Grund, länger zu bleiben. Nur weil deine Kollegen oder Kolleginnen länger arbeiten, heißt das nicht automatisch, dass du das auch musst. Bevor du gehst, kannst du aber noch deine Unterstützung anbieten und fragen, ob einer deiner Kollegen noch Hilfe braucht. Als Chef finde ich es hervorragend, wenn das Team pünktlich gehen kann. Es zeigt, dass Planung, Vertrieb und andere Prozesse so gut zusammenspielen, dass wir Projekte in der geplanten Zeit abschließen können.

Das funktioniert aber nicht in jeder Branche. Gerade bei der Messearbeit oder im Eventgeschäft musst du bleiben, bis die Veranstaltung vorbei ist. Das können auch mal zehn oder zwölf Stunden sein. Da hat der Chef die Verantwortung, dass es nicht zum Regelfall wird und das Team einen fairen Ausgleich erhält.

Mir hat die Arbeit damals auf der Messe einen riesen Spaß gemacht. Ich habe parallel zu meinem Zivildienst in der Branche gearbeitet. Damals war ich unabhängig, hatte noch keine Kinder oder eine Partnerin. Es war mir egal, ob ich fünf oder zehn Stunden arbeite. Das ist aber bei jedem unterschiedlich. Je nach Alter, Lebenssituation, Fitness oder privaten Bedürfnissen. Deswegen braucht man am Arbeitsplatz eine offene Gesprächskultur, bei der man sich austauschen kann. Es ist ein Fehler der Chefetagen, wenn länger Arbeiten zum Alltag gehört. Dann fehlen Arbeitskräfte. Überstunden dürfen keine Management Methode sein."

"Die 5-Stunden-Revolution: Wer Erfolg will, muss Arbeit neu denken" kann man hier bestellen.

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Dagmar Prüter sagt:

"Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Wenn du irgendwo weiterkommen willst, dann solltest du natürlich schon mal länger bleiben. Hier im Supermarkt machen wir vor allem vor Feiertagen Überstunden. Wenn viele Kunden kommen, ist es eine Selbstverständlichkeit, länger zu bleiben.

Mein Chef kam neulich zu mir und fragte, ob ich am nächsten Tag abends arbeiten könne. Dabei wollte ich eigentlich nicht mehr abends arbeiten. Trotzdem habe ich Ja gesagt. Man sollte immer Einsatz und Interesse zeigen. Das wird dann auch registriert und dein Chef weiß, dass er sich auf dich verlassen kann.

Logisch ist, dass du trotzdem mal ab und zu Nein sagst. Klar, das mache ich auch: Wenn ich nicht kann, dann kann ich nicht. Habe ich einen Arzttermin oder eine Verabredung, muss ich pünktlich los. Aber es ist nie zu deinem Vorteil, wenn du regelmäßig Überstunden ablehnst. Dann solltest du vielleicht deine Arbeitseinstellung überdenken."


Gerechtigkeit

Denden entkam einem libyschen Foltergefängnis. Das ist seine Geschichte
Um dich nur die Wüste. Und dann das Mittelmeer.

Für den Weg durch die Wüste gibt es auf Tigrinisch, einer Sprache aus Äthiopien und Eritrea, einen eigenen Begriff. Er bedeutet übersetzt so viel wie "dunkles Schicksal". Doch er meint viel mehr, sagt Denden: