Bild: Unsplash / Dogukan Sahin

Das Herz klopft schneller, im Hals bildet sich ein dicker Kloß. Auf dem Schreibtisch liegen unzählige Unterlagen, die in der nächsten Stunde bearbeitet werden müssen. Wer gerade neu in einem Unternehmen ist oder gerade seinen ersten Job antritt, kann sich schnell überfordert fühlen.

In einer Stressstudie der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2016 wurden 1.200 Berufstätige ab 18 Jahren unter anderem befragt, was sie im Job besonders stresst und überfordert. 64 Prozent der Befragten sagten, dass sie die vielen zeitgleichen Aufgaben überfordern. 59 Prozent verzweifeln an zu hohem Termindruck.

Doch was kann man machen, wenn man sich im Job überfordert fühlt? An wen können sich Betroffene wenden?

Sollen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Anzeichen ignorieren oder ist ein Jobwechsel nötig?

Darüber haben wir mit unserem Job-Trio gesprochen:

Das bento-Jobtrio

Um Fragen im Berufsleben beantworten zu können, muss man kein Karrierecoach sein. Unser Jobtrio zeigt, dass sich Probleme in der Arbeitswelt auf vielen Wegen lösen lassen. Zusammen haben die drei 137 Jahre Lebenserfahrung: 

  • Lasse Rheingans, 38, ist Chef einer Agentur in Bielefeld, die Digital-Strategien für Unternehmen entwickelt – und bekannt für neue Wege ist. Seit einem Experiment arbeiten alle im Team nur noch fünf statt acht Stunden täglich.
  • Dagmar Prüter sitzt mit 77 noch an der Supermarktkasse. Freiwillig. Neben viel Lebenserfahrung hat die vermutlich älteste Kassiererin Hamburgs inzwischen auch eigene Autogrammkarten.
  • Johanna Runge, 21, hat gerade ihre Ausbildung zur Raumaustatterin abgeschlossen. Am liebsten arbeitet sie aber alte Möbel in der Polsterei auf. Auch wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, viel lernen will sie trotzdem noch.

In unserer Kolumne beantworten die drei Fragen, die sich besonders Berufseinsteiger stellen. Immer nach dem Motto: Eine Frage, drei Antworten. 

Heute: Ich bin neu in meinem Job und überfordert - Was soll ich tun?

Das sagt Chef Lasse Rheingans:

"Als ich jung war, musste ich mal in meinem Studentenjob auf einer Messe in München eine Präsentation vorbereiten. Ich habe eine zehnminütige Einführung bekommen und war dann auf mich allein gestellt. Ich musste die Präsentation zwar selbst nicht halten, dennoch fühlte ich mich überfordert. 

Ich weiß nicht mehr genau wie, aber am Ende des Tages hatte ich es geschafft. An dieser Erfahrung bin ich gewachsen. Ich habe konkret gemerkt, dass es mir nicht geschadet hat und es im Nachhinein nicht so schlimm war, wie gedacht. Mit diesem Gedanken bin ich später an viele Aufgaben herangetreten. 

Es ist keine Schwäche, dir einzugestehen, dass du anfangs etwas überfordert bist. Es ist doch klar, dass viele neue Eindrücke auf dich einprasseln und du eine gewisse Zeit der Eingewöhnung brauchst, bis du Vollgas geben kannst.

Ich finde es gut, wenn meine Angestellten in solchen Situationen zu mir kommen. Am Ende ist niemandem geholfen, wenn Aufgaben nicht erfüllt werden und liegen bleiben – obwohl dir zur Erledigung nur etwas Anleitung gefehlt hat.

Wenn die Überforderung chronisch wird, solltest du dir allerdings Sorgen machen. Wenn du nie zu einem guten Ergebnis kommst, solltest du überdenken, ob der Job wirklich das Richtige für dich ist und dir vielleicht einen neuen Job suchen. "

Das sagt Kassiererin Dagmar Prüter:

"Ich selbst habe mich nie bei irgendeiner Arbeit überfordert gefühlt. Früher, als ich noch jung war, hat man einfach durchgezogen. 

Bei uns im Supermarkt ist es so, dass neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den ersten zwei Tagen nie alleine sind. Eine Kollegin zeigt dem Neuen, wie alles funktioniert. Vieles davon sollte sie oder er sich natürlich merken können. Es ist ja alles nur eine Frage der Zeit. Wir müssen alle Artikelnummern für zum Beispiel Gemüse und Obst im Kopf haben. Das heißt bei uns das Kassen-ABC.

Wer nicht auswendig lernen will, ist überfordert – kein Wunder.

Ich bin mir sicher, dass man dem Ganzen einfach Zeit geben und die Situation mit sich selbst ausmachen muss. Wenn man jemanden zum Reden braucht, würde ich zu meiner Familie gehen."

Das sagt Handwerkerin Johanna Runge:

"Bei einem neuen Job würde ich anfangs versuchen, ruhig zu bleiben. Es ist doch nicht schlimm, wenn es in den ersten Tagen mal etwas länger dauert. Eine Möglichkeit wäre es, mit einer Kollegin oder einem Kollegen zu reden. Man ist ja in den meisten Fällen nicht der einzige Mitarbeiter, der diese Aufgaben erledigt. Eine ältere Kollegin kann vielleicht ein paar Tricks verraten, wie man die Aufgaben schneller erledigen kann.

Eine Kollegin von mir war mal überfordert. Sie hatte das Gefühl, zu viele und zu schwere Aufgaben gleichzeitig bekommen zu haben. Zusammen haben wir einen Plan für sie entwickelt. Sie sollte die Aufgaben nacheinander erledigen und Fragen stellen, wenn sie etwas nicht verstand. Das hat gut funktioniert.

Wenn ich merke, dass mich meine Arbeit auch nach mehreren Wochen überfordert, würde ich zunächst zu meinem Vorgesetzten gehen, der die Aufgaben an mich verteilt hat. Ich würde schildern, wie es mir gerade geht. Vielleicht hat er noch eine Lösung."


Future

Hippies oder Klimaaktivisten: Schafft eine Wanderuni mehr Achtsamkeit?
"Wir haben im August Pfirsiche in Thüringen essen können."

Abgenutzte Klapptische, Powerpoint-Präsentationen und stickige Seminarräume gehören zum Lernen in der Uni irgendwie dazu. In der Wanderuni funktioniert Lernen anders: Immer im April begeben sich junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren für ein halbes Jahr auf Wanderschaft. Anders als in der Uni gibt es keine Prüfungen, Hausarbeiten oder ein festes Lernziel. Es geht nicht darum, fachliche Kenntnisse zu erwerben, sondern um persönliche Weiterentwicklung. Die Teilnehmenden suchen nach eigenen Talenten, gesellschaftlichen und sozialen Konzepten und führen einen minimalistischen Lebensstil.

Viele junge Menschen entwickeln gerade rund um den Globus Ideen, um den Klimawandel zu stoppen. Kann die Lehre auf Wanderschaft dieses Denken fördern – und sollten sich alle Unis ein Beispiel daran nehmen?

2019 sind etwa 20 Teilnehmende beim "StudienGang" in Deutschland unterwegs. Die Studierenden legen vor dem Start im April ihre Lernthemen fest. Die vergangenen Jahrgänge beschäftigten sich zum Beispiel mit "Ess- und Heilpflanzen", "Gewaltfreier Kommunikation" oder auch "Was interessiert mich wirklich im Leben?". Die Studierenden gestalten den Studiengang selbst: In der Wanderuni unterrichten keine Dozenten, die Studierenden besuchen Orte oder Veranstaltungen nach eigenen Interessen – zum Beispiel das Klimacamp im Rheinland.

Eine feste Route gibt es dabei nicht, geschlafen wird meist unter freiem Himmel. Unterwegs sind die Teilnehmenden zu Fuß, mit dem Fahrrad oder sie trampen durch ganz Deutschland. Sie haben bereits an einer Hochschule studiert oder wollen ein Studium beginnen, haben gerade die Schule oder ein freiwilliges soziales Jahr abgeschlossen oder befinden sich mitten im Studium. Manche lernen auch auf Wanderschaft für ihre Prüfungen an der Uni.

Wir haben mit Mit-Organisator Manoel Eisenbacher, 28, über das Modell der Wanderuni gesprochen, ihn gefragt, ob man in der Natur besser lernt und was Hochschulen sich von ihnen abschauen könnten.