Bild: unsplash.com/Anna Dziubinska

Stell dir vor, ein Mensch würde alles über dich wissen: Mit welchen Leuten du sprichst, wofür du dein Geld ausgibst oder welche Bakterien sich in deinem Darm aufhalten. Genau solche Daten sollen nun 10.000 New Yorker freiwillig bereitstellen. 

Denn die Testpersonen von "The Human Project" werden ab diesem Herbst etwa Fragen zu ihrem Sozialleben beantworten, ihre Kotproben ins Labor schicken oder mit einer App ihre Einkäufe registrieren lassen. 

Sie werden einen kompletten Einblick in ihr Leben geben — und das über zwanzig Jahre.

Die Forscher der amerikanischen Non-Profit-Wissenschaftsstiftung Kavli wollen auf diesem Weg besser verstehen, wie Krankheiten entstehen oder wie wir Entscheidungen treffen. (The Human Project)

Was bringt "The Human Project"?

Die Forscher wollen mit den gesammelten Daten große Fragen des Lebens klären, zum Beispiel: 

  • Was führt dazu, dass man an Diabetes erkrankt? 
  • Warum fangen einige Menschen an zu rauchen und andere nicht? 
  • Wie entscheidet der Wohnort über die Karriere?

Sie wollen komplexere Antworten geben als "Zucker führt zu Diabetes", denn eine Krankheit oder Verhaltensweise werde nicht nur von einer Ursache herbeigeführt, sondern von vielen zusammen. (The Human ProjectWatson

Je mehr Daten in der Studie erhoben werden, desto mehr Rückschlüsse können die Forscher ziehen, so die Hoffnung.

Manhattan oder Brooklyn: Wie entscheidet der Wohnort über das weitere Leben?(Bild: unsplash.com/Steve Richey)
Wie wollen die Forscher die Daten sammeln?

Die Forscher wollen möglichst unterschiedliche Personen untersuchen. Deswegen suchen sie selbst die Haushalte aus, die sie kontaktieren wollen. Die ausgewählten New Yorker erhalten dann einen Brief, in dem die Organisation für die Teilnahme an dem Projekt wirbt. (The Human Project)

Wenn die Person Lust hat mitzuwirken, wird sie registriert und es kann losgehen mit dem Daten sammeln: Gehaltschecks, Intelligenztests, Kreditkartendaten, Werte aus Blut- und Urinproben, aber auch soziale Kontakte, online verbrachte Zeit oder Schulkarrieren sollen untersucht werden.

Ganze 250 Gigabyte an Daten kommen pro Person jährlich zusammen. Das sind etwa so viel wie auf die Festplatte eines Computers passen. Und das für jeden der 10.000 Teilnehmer. (New York Times)

Die Macht von riesigen Datensammlungen erklärt auch dieser Artikel:

Können die Daten nicht in die falschen Hände geraten?

Die Initiatoren, die Wissenschaftsstiftung Kavli, kooperiert mit den großen Universitäten, beispielsweise der New York University. Sie verwaltet die Daten in einem Sicherheitstrakt. 

Nur ausgewählte Wissenschaftler kommen an sie ran und müssen mehrere Schleusen passieren, Fingerabdrücke abgeben und dürfen keine Laptops oder Speichersticks mit reinnehmen. Die Daten sollen zudem anonymisiert werden. Das sagte der Leiter des Projektes, Paul W. Glimcher, der New York Times

Auf der Internetseite ist darüber hinaus angegeben, dass die Wissenschaftsstiftung mit einer Cyber-Security-Firma zusammenarbeitet, um mögliche Hackerangriffe abzuwehren. 

Wann können wir erste Ergebnisse erwarten?

Voraussichtlich 2020 wird es erste Ergebnisse geben. Die Wissenschaftler hoffen, bis dahin genug Testpersonen zu finden. 


Trip

Diese beiden haben einen Partybus gebaut und fahren dorthin, wo es keine Kneipen gibt

Das Dorf: gähnende Leere, Felder, so weit das Auge reicht – und schmatzende Kühe. Was könnte diese Idylle stören? Laute Gitarrenmusik, Bier vom Fass und tanzende Menschen! 

Genau das bietet der Kneipenbus, mit dem Michel Töpfer, 29, und Sebastian Zierbock, 28, demnächst auf Tour gehen. 

Die beiden kommen aus Emseloh und Eisleben in Sachsen-Anhalt. Mit dem Bus, sagen sie, wollen sie Mitteldeutschlands ländliche Regionen lebendiger machen.