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Alle reden von Elektroautos und vom Ende des Verbrennungsmotors. Da lasse ich mir doch keinen grün angemalten Diesel andrehen. Oder ein Auto, das beim Anfahren Super im Wert einer Flasche Champagner schluckt. Von wegen!

Ich bin bereit für die Zukunft. Für ein Auto, das sauber mit Strom fährt, der hoffentlich ähnlich sauber irgendwo erzeugt wurde. Also habe ich Autohäuser besucht, um mir Elektroautos anzusehen: den sagenumwobenen Tesla, das meistverkaufte Elektroauto der Welt und das günstigste in Deutschland erhältliche Modell.

Erste Station: Tesla
Model X von Tesla(Bild: imago)

Zuerst zu Tesla. Die Firma von Elon "Hyperloop Space X Iron Man" Musk ist so etwas wie das Apple unter den Autokonzernen. Die reinen Elektroautos sehen schick aus, fahren am weitesten und sind richtig teuer. Der Tesla Store in der Hamburger Innenstadt ist ganz in der Nähe von Apple, Prada und Gucci.

Am Eingang strahlt mir das Model X entgegen. Ein etwas langweilig aussehendes Auto, dafür aber mit Flügeltüren.

"Werde Teil der Energierevolution", steht an den Wänden des Tesla-Ladens. Ich fühle mich verstanden. Deswegen bin ich hier. Wenn der Preis nicht wäre! Ab 96.000 Euro geht es los. Hätte ich das Geld, ich könnte mir davon zwei bis drei gut ausgestattete Volkswagen Passat kaufen.

Geht es auch günstiger? Jein. Ein junger Berater, nennen wir ihn David, schwärmt vom Tesla 3. So heißt das neueste Modell, das endlich auch erschwinglich sein soll. In den USA sind die ersten Exemplare schon ausgeliefert worden. In der Basisversion kostet der Dreier umgerechnet knapp 30.000 Euro.

Aber bis das Wunderauto nach Deutschland kommt, dauert es. Bis Ende 2018, schätzt David. Auch nur, wenn alles gut geht: Es ist das erste Auto, das Tesla in großen Stückzahlen fertigen will. Der nächste Dämpfer für meine Elektro-Euphorie: Mit Steuern und Gebühren dürfte der Preis bei 50.000 Euro liegen, schätzt David.

Die Batterie so eines Teslas reicht für 350 Kilometer. Von Hamburg bis nach Kassel. Das Aufladen dauert allerdings 20 Minuten für eine halbe Batterieladung. Und auch nur an einer der bisher 300 Supercharger-Stationen. 

"Wenn man eine Pause macht, ist man ja eh fast so lange an einer Tankstelle", tröstet David. Immerhin ist es im Vergleich zum Tanken ziemlich billig: fünf Euro pro 100 Kilometer könne man rechnen, heißt es. Auf einem Bildschirm gleitet ein Model X lautlos durch eine goldene Landschaft.

"Dann müssen sie jetzt nur noch auf Elektro umsteigen", probiert mich David zu locken. Damit ich das Geld überhaupt ausgeben darf, soll ich mich auf eine Warteliste setzen lassen. Für 1000 Euro Anzahlung. Dann klappt es mit dem Tesla ziemlich sicher. So Anfang 2019.

Weil ich nicht so lange warten will, verlasse ich den Hype Store.
Zweite Station: Nissan
Nissan Leaf(Bild: Robert Couse-Baker )

Tesla mag berühmt sein, aber das am meisten verkaufte Elektroauto der Welt heißt Leaf und kommt vom japanischen Hersteller Nissan. Ich laufe über den großen Parkplatz eines Autohauses abseits der City. Im Gegensatz zur Tesla-Boutique scheint man hier wirklich Autos kaufen zu können: Dutzende Nissans warten hier auf Käufer.

Diese Elektromobilisten sind schon spezielle Leute.
Nissan-Händler Oliver

Oliver kümmert sich um mich. Wer hier her käme, um ein E-Auto zu kaufen, hätte sich damit schon tiefgehend auseinandergesetzt, sagt er. Oft seien die Interessenten besser informiert als die Mitarbeiter.

Ganz im Gegensatz zu mir. Oliver guckt jetzt streng: Man sollte schon Bescheid wissen, wenn man sich ein E-Auto kaufen wolle, sagt er. Die ganze damit verbundene Logistik müsse einem bewusst sein.

Wenn das so weitergeht, muss ich hier gleich Fragebögen ausfüllen wie damals in der Fahrschule.

Das Problem sei, erklärt Oliver, dass der Nissan Leaf sogar mit dem dicksten Akku nur knapp 150 Kilometer weit komme. Im Prospekt stünden zwar 199 Kilometer, aber das gelte nur für optimale Bedingungen. Soll heißen: Sobald man Klimaanlage oder Heizung anmacht, sinkt die Reichweite.

Dann droht der "Schildkrötenmodus", so ähnlich wie der Energiesparmodus beim Handy, wenn der Akku unter 20 Prozent sinkt. Nur wenige Kilometer geht es dann noch langsam zuckelnd weiter. Komplett liegen geblieben sei jedoch seines Wissens noch niemand, sagte Oliver.

31.265 Euro will er für den Kleinwagen haben. Immerhin scheine ich nicht die Einzige zu sein, die sich für den Leaf interessiert: Der einzige Testwagen ist gerade verliehen.

Weil man damit nicht besonders weit komme, lohne sich der Leaf am ehestens als Zweitauto für die Stadt, sagt Oliver. Für die Ehefrau, die ja doch die meiste Zeit zu Hause sei. "Ohne Frauen jetzt nahetreten zu wollen."

Also auch nichts für mich, ich gehe wieder.

Noch gibt es Hoffnung, schließlich steht das Schnäppchen noch auf dem Programm: Peugeot hat mit dem iOn ein Elektroauto für 19.800 Euro im Angebot. Zwar verfügt auch das nur über eine Reichweite von 150 Kilometern, aber vielleicht lasse ich mich ja überzeugen.

Dritte Station: Peugeot
Peugeot iOn(Bild: M 93: Dein Nordrhein-Westfalen )

Du großer Gott", ruft Peugot-Händlerin Theresa. Dabei habe ich nur gesagt, dass ich mich für Elektroautos interessiere. Schließlich ist der iOn das derzeit günstigste Modell auf dem Markt. Ein Verkaufsschlager scheint er nicht zu sein: Während die anderen Modelle herausgeputzt in der Halle des Autohauses präsentiert werden, steht der iOn draußen im Regen. 

"Sie dürfen gerne mal einen Blick drauf werfen", sagt Theresa. Eine Warteliste muss ich nicht ausfüllen. Kann ich das Auto am Ende sogar kaufen?

Ich würde es ihnen noch einpacken und hinterher schmeißen, wir werden die Dinger ja nicht los.
Peugeot-Händlerin Theresa

Huch? "Naja, ich würde sagen, der hier ist noch nicht wirklich ausgereift", sagt sie. Dabei gibt es den iOn schon seit sieben Jahren. In der Zeit ist der Preis stark gesunken und die Technik wurde verbessert. Theresa ist unbeeindruckt: "Für das, was sie können, sind sie noch viel zu teuer." Sie überlegt und findet schließlich doch noch ein Verkaufsargument. Sie lacht mich an:

Die Beschleunigung ist geil, an der Ampel überholen sie jeden!
Peugeot-Händlerin Theresa

Ich will doch nur etwas für meine Umwelt tun, denke ich, und mich dabei nicht komplett ruinieren. Ich nicke für sie, überholen, jaja. Ich bekomme einen Prospekt von dem Auto, von dem sie mir gerade eindringlich abgeraten hat.

Meine Mission Elektroauto ist vorerst gescheitert. 

Die Preise sind zu hoch, die Reichweiten zu gering. Wenn es die Politik wirklich ernst meinte mit dem Abschied vom Verbrennungsmotor, würde sie nicht nur von einer Elektro-Quote oder vom Abgas-Autoverbot sprechen. Sie müsste Geld in die Hand nehmen, sich ein Beispiel an Norwegen nehmen und Elektroautos günstiger als Benziner machen. 

Aber selbst dann: Solange die Elektroautos durch die geringe Reichweite nur als Stadtauto taugen, kann ich auf ein eigenes verzichten und stattdessen Carsharing-Dienste nutzen. Die gibt es in immer mehr Großstädten – oft auch mit Elektroautos.

Damit niemand Ärger mit seinen Arbeitgebern bekommt, haben wir die Namen und manchmal das Geschlecht der Händler geändert.


Gerechtigkeit

Wie der 22-jährige Tobias mit Hilfe von Facebook in den Bundestag will
Politik unter 30

Schwarzes Jackett, Vollbart, die Dreads zum Dutt gebunden, bunter Schal: Tobias B. Bacherle sieht aus wie das lebende Grünen-Klischee. Er ist 22 Jahre alt und damit jüngster Bundestagskandidat der Grünen in Baden-Württemberg.

Seit drei Jahren ist er dabei. Er sitzt im Stadtrat von Sindelfingen, 64.000 Einwohner, kurz hinter Stuttgart. Mercedes baut hier die E- und S-Klasse.