Für mehr Chancengleichheit braucht es mehr Unterstützung, kommentiert bento-Autorin Wiebke.

Wir können heutzutage unabhängig von unseren Eltern eigene Entscheidungen treffen – meistens jedenfalls. Ob wir uns nach der Schulzeit für eine Ausbildung oder ein Studium entscheiden, ist häufig dennoch abhängig von unserer sozialen Herkunft. Für viele Kinder aus Arbeiterfamilien ist es noch immer nicht selbstverständlich, zu studieren. Von 100 jungen Menschen aus Nicht-Akademikerfamilien beginnen nur 27 mit einem Studium. Haben die Eltern einen Hochschulabschluss, sind es 79. (DZWH)

Erst vergangenes Jahr hat der "Bildungstrichter" des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung offenbart, dass die Aufstiegschancen besonders in Deutschland noch immer weiterhin vom Bildungsstand der Eltern abhängen. Ein Grund: Eltern entscheiden über den Bildungsweg ihrer Kinder. "Familien mit geringerem Bildungshintergrund tendieren häufig dazu, die Kosten für höhere Bildung zu überschätzen und Bildungserträge zu unterschätzen, ungeachtet des vielleicht hohen Bildungspotenzials ihres Kindes", sagt eine Autorin der Studie. (IDW)

Damit die Chancengleichheit größer wird, muss es mehr Unterstützung geben. Wie das funktionieren könnte, erfährst du oben im Video. 


Gerechtigkeit

Radikal jung: Abdul hat keine Lust mehr auf Integration
Abdul Abbasi wird of eingeladen, um zu erklären, wie "die Syrer" so ticken. Wie geht es ihm damit?

Mehr als 800.000 Syrerinnen und Syrer leben in Deutschland. Und wenn in Talkshows, im Radio oder auf irgendeinem Podium mal wieder erklärt werden soll, wie "die Syrer" so ticken, wird oft Abdul Abbasi eingeladen.

Der 25-Jährige ist das funkelnde Beispiel perfekter Integration: Geboren in den Vereinigten Arabischen Emiraten, als Jugendlicher aus Aleppo geflohen – heute studiert er Zahnmedizin in Göttingen.

Er macht interkulturelle YouTube-Videos, sozialkritisches Theater und hat über seine Integration sogar ein Buch geschrieben: "Eingedeutscht". Aber so langsam hat Abdul die Nase voll von der Integrationsdebatte.

Mit bento hat Abdul Abbasi darüber gesprochen, warum ihn Kirchtürme so nerven – und wie es sich anfühlt, für einen Terroristen gehalten zu werden.

bento: Du hast gerade ein Theaterstück mit einem ziemlich radikalen Titel geschrieben: "Bombe".

Abdul: Ja, das Wort beschreibt für mich die Beziehung zwischen Geflüchteten und Deutschland.

bento: Bitte?

Abdul: Weil diese Beziehung in den vergangenen Jahren ihre bombastischen Momente erlebt hat. Aber auch welche, die nach hinten losgingen. Außerdem habe ich eine Geschichte erlebt: Ich hoffe, du glaubst mir die, ist wirklich wahr.

bento: Erzähl.

Abdul: Es war am Anfang meines Studiums, meine Freunde an der Uni wussten, dass ich aus Syrien komme. Dann gab es immer diesen Witz: "Wow, Abdul, großer Rucksack. Hast du eine Bombe dabei?"