Bild: Flickr.com / OiMax (cc-by)
Du glaubst, dass du bei der Wahl deines Studiums oder Jobs daneben gegriffen hast? Gemeinsam mit der Karriereberaterin Svenja Hofert haben wir ein paar Antworten gefunden auf Fragen, die du dir womöglich schon gestellt hast oder stellen solltest.
1. Wie kann ich mir sicher sein, dass ich es hinterher nicht bereue?
Kannst du nicht. Ob du beim zweiten Versuch die richtige Wahl triffst, kann niemand garantieren. Aber wenn du dich wirklich unwohl fühlst mit dem, was du gerade tust, kann es kaum ein Fehler sein, etwas zu ändern. Und wer hat behauptet, dass es beim zweiten Mal klappen muss? “Auch zwei oder drei Mal zu wechseln sehe ich nicht so problematisch”, sagt Hofert. Viel schlimmer sei es, sich zu lange zu quälen und den Neustart hinauszuzögern.
Um herauszufinden, ob du denn nun wirklich an dem Punkt bist, an dem du wechseln solltest, kannst du dir folgende Fragen stellen:
  • Wie würdest du anderen erklären, warum der Wechsel so dringend nötig ist?
  • Findest du deine Erklärungsversuche überzeugend?
  • Gibt es etwas in deinem Studium oder Job, dem du dich nicht stellen möchtest oder kannst? - Die Vermeidung eines Konfliktes sollte nämlich nicht deine Motivation sein, sondern der Wunsch nach dem Neuen.
  • Gibt es vielleicht auch etwas anderes in deinem Leben, das dich viel mehr belastet als dein Studium/Beruf und geändert werden sollte?
2. Wie konnte ich mich überhaupt so verrennen?
Weil es mit 17 oder 18 Jahren nicht leicht ist, die cleverste Entscheidungen fürs komplette weitere Leben zu treffen. Das ist nicht tragisch und den meisten geht es so. Viele entscheiden deshalb aus dem Bauch heraus, welches Studienfach es sein soll. Diese Bauchentscheidungen und Schnellschüsse sind wie Sternchentattoos und Bauchnabelpiercings eben nicht immer die beste Wahl.

“Viele werden Akademiker, obwohl es gar nicht ihrer Art entspricht“, sagt Svenja Hofert, „Vielleicht möchten sie eigentlich viel lieber etwas mit den Händen machen, kommen dann aber aus der Akademikermühle nicht mehr raus.” Viele junge Menschen tun sich außerdem schwer, ihren eigenen Weg zu finden, da sie sich - man mag es kaum glauben - noch immer am Beruf ihrer Eltern orientieren.
3. Wie finde ich heraus, was ich statt meines jetzigen Studiums/Jobs machen soll?

Indem du recherchierst, mit Menschen im Beruf/Studium sprichst und in die Arbeit reinschnupperst.

Nur Artikel und Stellenanzeigen lesen alleine oder dir lediglich von Freunden erzählen lassen, wie grandios ihre Jobs doch sind, reicht also einfach nicht aus. Du musst dich selbst ausprobieren, rausgehen und testen, was zu dir passt. “Dann lieber ein oder zwei Jahre bei der Suche nach dem richtigen Studium oder Job ‘verplempern’ als nicht darauf kommen, was man wirklich möchte”, sagt Hofert.
4. Und was mache ich dann als erstes?
Du findest heraus, was die formalen Anforderungen für dein neues Studium oder den neuen Job sind. Brauchst du noch Zusatzqualifikationen und wie bewirbst du dich am cleversten und zu wann?
Und auch für die Bewerbungen hat Svenja Hofert einen Tipp: “Was am besten funktioniert, sind Netzwerke“, sagt Hofert. Wenn du also jemanden kennst, der ein gutes Wort für dich einlegen kann oder einen Bekannten hast, in dessen Unternehmen eine Stelle frei ist, stehen die Chancen - wenn es auch keiner so gerne zugibt - besser. „Wenn es irgendwie möglich ist, sollte man sich nicht auf dem klassischen Wege bewerben. Die, die gut vernetzt sind, haben selten Probleme.”
5. Bin ich nicht schon ein bisschen alt um noch was Neues anzufangen?
Ein Wechsel wird natürlich schwieriger, je länger man ihn hinauszögert und sich beispielsweise an ein regelmäßiges und gutes Gehalt oder einen Ort gewöhnt. Aber eine Umorientierung ist im Grunde immer möglich, meint Karriereberaterin Svenja Hofert.
„Man kann auch mit 50 noch eine Lehre machen. Je später du dich jedoch dazu entscheidest, desto mehr Opfer oder Kontakte kostet dich der Wechsel“, sagt sie. Man müsse dann mit vorerst weniger Geld rechnen. „Es kann zwei bis drei Jahre dauern bis sich alles eingependelt hat, aber rückblickend hat es niemand, den ich kenne, bereut. Eher haben sie sich geärgert, wenn sie mit dem Wechsel zu lange gewartet haben.“
6. Kann ich mir einen Wechsel überhaupt leisten?
An dieser Stelle unterscheiden sich Studien- und Berufswechsel. Wenn du für dein jetziges Studium Bafög bekommst, sollte es auch beim zweiten Versuch kein Problem sein. Du bekommst die Förderung sogar noch einmal für die volle Regelstudienzeit. Voraussetzung ist, dass du spätestens nach dem dritten Fachsemester wechselst und ein gesetzlich anerkannter Grund dafür vorliegt.
Keine Panik, dieser Grund kann auch schlicht Neigungsmangel sein, heißt: Das Studium gefällt dir nicht und entspricht nicht deinen Interessen. Wenn du dann allerdings Ein zweites Mal wechseln willst, werden dir die bereits verbrauchten Fachsemester leider angerechnet. Darüber hinaus besteht die Förderung dann aus einem Bankdarlehen, auf das du später Zinsen zahlen muss, also einem ganz normalen Kredit. Genau nachlesen kannst du das unter anderem hier.
Bei einem Jobwechsel sieht das etwas anders aus. „Die Arbeitsagentur bietet keine Möglichkeiten für solche Wechseler“, sagt Hofert, „Staatliche Umschulungen für Menschen, die sich in ihrem Beruf nicht wohl fühlen, gibt es nicht. Es sei denn, man möchte in einen Engpassberuf wie Erzieher.“
7. Sieht das im Lebenslauf nicht seltsam aus?
“Nicht unbedingt”, sagt Hofert, „Die interessantesten Lebensläufe haben sowieso die, die auf Risiko gesetzt haben. Nicht die, die ein Work-and-Travel in Australien machen und dann mit einem BWL-Studium auf Nummer sicher gehen wollen. Langweilig!“ Wer selbstbewusst mit seinem Wechsel umgeht, hat die wenigsten Probleme.
Und übrigens: Nur Mut! :-)
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