Bei den Eltern wohnen, jeden Tag zur Schule gehen – damit ist jetzt für viele Schluss. Der Abschluss ist geschafft, der Sommer vorbei. 

Stattdessen heißt es: Ersti-Woche, Umzug, neue Stadt, neue Leute, das Studium beginnt.

Seit Jahren steigt die Zahl der Studienanfänger, gleichzeitig beklagen etliche Ausbildungsbetriebe, dass ihnen Azubis fehlen. In Berlin vermeldete die Industrie- und Handelskammer ein neues Rekordhoch bei den unbesetzten Lehrstellen: Etwa 5.700 Ausbildungsplätze werden leer bleiben. (Tagesspiegel)

Wieso entscheiden sich so viele junge Leute für ein Studium anstelle einer Ausbildung? Wir haben bei Erstsemestern nachgefragt.

Céline Charlotte, 18 Jahre, aus Frankfurt am Main, 1. Semester Philosophie und Publizistik

Warum hast du dich für ein Studium entschieden und gegen eine Ausbildung?

Für mich war von Anfang an klar, dass ich nach der Schule studieren möchte. Ich will Journalistin werden, seit ich denken kann. Deshalb das Publizistikstudium. Ich mag wissenschaftliches Arbeiten und lese gerne philosophische Bücher – deshalb das zweite Fach. 

Wäre für dich jemals eine Ausbildung infrage gekommen?

Ich habe mich damit nie so richtig beschäftigt. Bei Bekannten, die eine Ausbildung machen, sehe ich, dass denen das Spaß macht. Für mich wäre es aber nicht das Richtige. Ich bin ganz froh, jetzt noch in diesem etwas verschulten System zu sein. Ich wüsste auch nicht, was ich für eine Ausbildung machen sollte.

Kannst du dir erklären, warum so viele Lehrstellen unbesetzt bleiben?

Ich glaube, das liegt ein bisschen am Schulsystem. Man bekommt von Anfang an eingetrichtert: Wir machen Abitur, danach studieren wir, dann arbeiten wir. 

Das war bei mir auch so. Ich habe ein relativ gutes Abitur gemacht, dann wurde mir oft gesagt: Studiere doch Medizin. Das ist falsch – man muss doch mit dem Abschluss nicht automatisch eine bestimmte Richtung einschlagen. 

Außerdem kann ich mir vorstellen, dass manche Ausbildungsberufe keinen so guten Ruf haben oder später schlecht bezahlt werden, zum Beispiel Pflegeberufe – und viele deshalb lieber etwas anderes machen. 

Fangen aus deinem Jahrgang viele Leute an zu studieren?

Viele machen jetzt erst einmal nichts – Pause, Reisen oder so. Wenn ich an meine Stufe denke, das waren so etwa 80 Leute, fällt mir nur eine Person ein, die eine Ausbildung macht. Die Mehrheit studiert, der Rest reist. 

Bist du zuversichtlich, mit deinem Studiengang einen Job finden zu können?

Von Geisteswissenschaftlern gibt es dieses Klischee, dass sie alle Taxifahrer werden. Ich hoffe, dass dem nicht so ist. Man muss früh die richtigen Kontakte knüpfen, sich einen Beruf aussuchen und dranbleiben. Klar, ich kann noch nicht sicher sagen, dass es klappt – aber ich mache mir keine Gedanken, keinen Job finden zu können.

Wie sähe denn so ein Traumjob für dich aus?

Ich würde gerne bei einer der größeren Tageszeitung oder bei einem Magazin arbeiten, hätte dort gerne die Freiheit, meine Ideen einzubringen, mit vielen Menschen in Kontakt zu kommen und unterschiedliche Städte zu bereisen.

Florian, 18 Jahre, aus Braunschweig, 1. Semester Jura

Warum hast du dich für ein Studium entschieden und gegen eine Ausbildung?

Es gab für meine Eltern keine andere Option als ein Studium. Ausbildung kam für sie nicht infrage – und so auch für mich nicht. Ich entschied mich für Jura, weil ich schon in der Schulzeit Praktika in dem Bereich gemacht hatte. Zwischenzeitlich wollte ich auch mal Medizin studieren. Aber Jura gibt einem die Möglichkeit, dass man sich später noch überlegen kann, selbstständig zu sein oder in einem großen Unternehmen zu arbeiten, aber auch in der Wirtschaft, zum Beispiel in der Automobilbranche. Dass der Beruf so offen ist, mag ich. 

Kannst du dir erklären, warum so viele Lehrstellen unbesetzt bleiben?

Früher gab es kaum diese sehr speziellen Studiengänge der Fachhochschulen. Dadurch, dass jetzt jeder Kommunikationstechnik oder Kommunikationsdesign oder was auch immer studieren will, wird die Möglichkeit einer Ausbildung weniger wahrgenommen. An meiner Schule wurde uns immer gesagt: studieren, studieren, studieren. Es hat nie jemand von Ausbildungen erzählt, die man auch machen kann. 

Was machen die anderen, mit denen du Abitur gemacht hast?

Ein einziger macht eine Ausbildung zum Schreiner. Ansonsten machen viele ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Freiwilliges Kulturelles Jahr. Ein paar reisen auch durch die Welt.

Bist du zuversichtlich, mit deinem Studium einmal einen Job zu bekommen?

Eigentlich schon. Für Juristen heißt es ja, wenn man das Prädikatsexamen nicht schafft, sei es hart. Aber wenn man sich engagiert, schafft man ja eigentlich alles.

Was wäre dein Traumberuf?

Wenn alles super läuft: Richter. Dafür bräuchte man das Prädikatsexamen. Aber mal schauen. Es geht ja jetzt erst los.


Sophie, 17 Jahre, aus Berlin, 1. Semester Bioinformatik 

Warum hast du dich für ein Studium entschieden und gegen eine Ausbildung?

Ich hatte lange keine Idee, was ich machen möchte. Dann habe ich mir genau überlegt, welche Jobs Zukunft haben. Ich wollte gern etwas mit Bio machen und der Studiengang Bioinformatik ist mir aufgefallen. Ich habe dann mehr dazu gelesen und fand es sehr interessant.

Wäre für dich jemals eine Ausbildung infrage gekommen?

Ja, auf jeden Fall. Es ist eine gute Grundlage. Aber im Moment ist für mich das Studium das Richtige. Trotzdem kann ich mir vorstellen, irgendwann nochmal eine Ausbildung zu machen.

Kannst du dir erklären, warum so viele freie Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben?

Nicht so richtig. Viele haben den Wunsch zu studieren. Vielleicht wollen sie noch nicht in den Arbeitsalltag einsteigen wie bei einer Ausbildung, sondern lieber mehr Freizeit haben. 

Denkst du denn, dass man bei einem Studium so viel Freizeit hat?

Nein, das nicht, das merke ich jetzt schon. Ich habe mich ja bewusst für diesen Studiengang entschieden. Mir ist klar, dass ich viel an der Uni sein und wenig Freizeit haben werde. Aber bei manchen Studiengängen ist das ja anders. 

Studieren viele von den Leuten, mit denen du zur Schule gegangen bist?

Viele machen ein Freiwilliges Jahr. Einige studieren, andere machen eine Ausbildung. In meinem Jahrgang ist das relativ breit gefächert.

Bist du zuversichtlich, mit deinem Studium einen Job zu finden?

Ich weiß, dass Informatik nicht einfach ist. Aber wenn ich mich da durchbeiße – auf jeden Fall. Mein Traumjob wäre es, im Labor in der Krebsforschung zu arbeiten – ich möchte später Menschen helfen.

News und Storys von bento per WhatsApp oder Telegram!


Streaming

Nach rassistischem Tweet: Roseanne fliegt aus ihrer eigenen Serie und stirbt den Serientod

Keine Gnade für "Roseanne". Nachdem Schauspielerin Roseanne Barr im Mai einen rassistischen Tweet abgesetzt hat, setzte der TV-Sender ABC kurzerhand ihre neuaufgelegte Sitcom ab. (bento

Für Fans der Serie gibt es aber einen Lichtblick: Die Show ist – im Gegensatz zu Barrs Serienfigur – nicht tot. Unter dem Namen "The Conners" kehrte die Serie zurück. Ohne Roseanne natürlich. Am Dienstag wurde in den USA die erste Folge ausgestrahlt. 

Was ist in der ersten Folge "The Conners" passiert?

Bereits im September verriet Roseanne Barr, dass ihre Serienfigur an einer Überdosis sterben würde (Vanity Fair). Die erste Folge der Serie liegt zeitlich drei Wochen nach dem Tod der ehemaligen Hauptfigur und Roseannes Familie erfährt darin, dass sie sich zur Behandlung einer Knieverletzung heimlich Schmerztabletten besorgte – und daran starb. (FAZ)  

Was sagt Roseanne Barr dazu?

In bekannter Manier äußerte sie sich auf Twitter: