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Ich will ja nicht nerven, aber...

Studierende, die gerade ihre Abschlussarbeit schreiben, kennen das Problem: Die Dozentin oder der Dozent antwortet einfach nicht auf Mails. Und wenn doch, fällt das Feedback häufig knapp aus und auch die Sprechstunde ist ständig ausgebucht.

Wie ausführlich ein Dozent seine Studierenden betreuen muss, ist oft nicht in der Prüfungsordnung geregelt. Das kann schon mal frustrieren. Beschweren wollen sich aber auch viele nicht – aus Angst vor schlechten Noten.

Was kann ich tun, damit die Kommunikation mit meinem Dozenten oder meiner Dozentin besser läuft?

Campus Coach

In der ersten Woche deines Studiums, der Orientierungswoche, lernst du allerlei Nützliches: Wie du deinen Stundenplan zusammenstellst, wo die Mensa ist oder wie du dir Bücher in der Bibliothek ausleihst. 

Am Campus findest du dich schnell zurecht, aber dann warten erst die richtigen Herausforderungen auf dich: Wie löst du Konflikte mit Dozentinnen oder Kommilitonen? Wie motivierst du dich über mehrere Wochen für die Hausarbeit? 

Wir unterstützen dich in deinem Studien-Alltag und reden mit Expertinnen und Experten über Tipps für jede noch so verfahrene Situation an der Uni.

Wir haben zwei Menschen um Rat gefragt.

  • Michael Kolkmann ist Dozent der Politikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er ist besonders aktiv in der Lehre, betreut mehrere hundert Studierende und viele Abschlussarbeiten.
  • Stephanie Sedlmayer-Weßling ist Diplom-Psychologin, Mediatorin und Lehrbeauftragte an der TU Rosenheim. Sie vermittelt unter anderem bei Konflikten in Ausbildungssituationen an Schulen und Hochschulen.

So kannst du die Kommunikation zwischen dir und deinem Dozenten verbessern.

a Schreibe deine Mail so, dass deine Dozentin etwas damit anfangen kann.

Studierende hätten erschreckend oft eine E-Mail-Adresse ohne Klarnamen, sagt Stephanie. Wenn eine E-Mail von "Sugarbabe256" komme und keine richtige Betreffzeile habe, werde diese Mail schon mal für Spam gehalten. Der Spam-Ordner sei meist der Grund, dass E-Mails untergehen, bestätigt auch Michael.

Darum rät Mediatorin Stephanie: 

  • Nutze eine Mail-Adresse, in der dein Name als Absender steht. 
  • Formuliere eine Betreffzeile, die die Dozentin zuordnen kann. Etwas wie zum Beispiel: "Frage zu meiner Bachelorarbeit / Thema XY".
  • Halte deine Mail einfach und kurz. Maximal fünf Sätze.

b Nachhaken – aber richtig.

Natürlich könne eine Mail auch einfach mal untergegangen sein. Nachzuhaken sei nicht unhöflich, solange man es richtig mache, weiß Michael:

  • Nicht zu früh: Gib dem Dozenten zwei bis drei Tage Zeit. Vielleicht muss er für seine Antwort selbst erst mal recherchieren oder ist auf einer Tagung.
  • Bleibe höflich: Versuche Vorwürfe zu vermeiden, deine Dozentin ist auch gestresst.
  • Wenn trotz Nachfrage nach weiteren zwei bis drei Tagen nichts passiert ist, frage im Sekretariat nach. Ist dein Dozent vielleicht verreist? Sind deine Mails im Spam-Ordner gelandet?

c Versuche es eher morgens.

Sehr viele Studierende schreiben ihre Mails nachts, wenn sie überarbeitet, müde und emotional sind, weiß Stephanie aus Erfahrung. So kommen viel zu lange und verwirrend formulierte Mails bei Lehrenden an. 

Schreibe deine Mail lieber morgens. Zum einen hätten sich mit einem neuen, ausgeruhten Blick auf die Arbeit viele Probleme dann schon von selbst erledigt. Zum anderen hättest du morgens bessere Chancen, jemanden zu erreichen: Vormittags seien die Dozentinnen und deren Mitarbeiter eher am Rechner und das Sekretariat sei meist voll besetzt, sagt Stephanie.

d Würdigung, Wertschätzung und Grenzen.

Je länger man seine Dozentin nicht erreicht, desto verzweifelter werden einige. 

"Manchmal werde ich an der Supermarktkasse von Studierenden angesprochen. Einige wissen auch, in welche Cafés ich gerne gehe und besuchen mich da", erzählt Michael. Er selbst habe nichts gegen diese Ansprache, dass aber einige Kolleginnen und Kollegen auf solche "Überfälle" mit Abwehr reagieren, könne er auch verstehen. 

"Würdigung und Wertschätzung sind extrem wichtige Pfeiler in der Kommunikation", betont Mediatorin Stephanie. Darum solle man Grenzen akzeptieren. Und wenn deine Dozentin dir geholfen hat, schicke ihr ruhig ein kurzes "Danke für die schnelle Antwort", rät sie. Dann antworte sie sicher auch zukünftig schneller und gerne.

e Eine Mail ist nicht immer der richtige Weg.

Die meisten Studierenden schreiben erst einmal eine Mail. Das ist aber je nach Problem oft nicht die beste Lösung– und deshalb bleibt sie dann unbeantwortet: "Wenn der Dozent ausführlich auf die Nachricht antworten muss, schiebt er sie vielleicht erst zur Seite – und vergisst sie dann", erklärt Michael. 

Er rät, schriftlich lieber nach kleinen, technischen Dingen zu fragen. Zum Beispiel, wenn es um Unsicherheiten zu Formatierungen oder kleine inhaltliche Nachfragen geht. Größere Angelegenheiten, wie Probleme bei der Gliederung oder Zweifel am Thema, solltest du besser in einem persönlichen Gespräch erörtern. 

Michael empfiehlt, diese größeren Themen am besten bei der Terminabsprache schon anzukündigen, "damit man als Dozent auch die Chance hat, sich Gedanken zu machen und das Gespräch gegebenenfalls vorzubereiten."

2 Wenn nichts hilft, sprich das Problem direkt an.

a So führst du das Gespräch konfliktfrei.

Das Wichtigste sei, dass dieses Gespräch persönlich stattfände. Schriftlich könne es leichter zu Missverständnissen kommen, betonen sowohl Dozent Michael als auch Mediatorin Stephanie. Lass dir also einen Termin bei deiner Dozentin geben – notfalls über das Sekretariat.

Dann bereite das Gespräch vor: Sei dir im Klaren darüber, was du überhaupt von deinem Dozenten willst. 

Mediatorin Stephanie schlägt dann zwei Arten der Gesprächsführung vor: 

  • Bei "I like – I wish" beginnst du mit dem, was du an der bisherigen Kommunikation mochtest ("I like"): "Danke, dass Sie sich Zeit nehmen. Ihre Tipps aus der letzten Mail haben mir gut geholfen, denn..." Dann kommst du zu dem, was du dir an Veränderung wünschst ("I wish"): "Ich bräuchte von Ihnen bei folgendem Punkt noch mehr Unterstützung..."
  • Beim WWW-Feedback geht es um Wahrnehmung, Wirkung und Wunsch.
    Schildere zunächst deine Wahrnehmung, dass es schwierig für euch sei, miteinander in Kontakt zu kommen, er oder sie aber ja auch sehr beschäftigt sei. Wichtig dabei ist, dass du nicht zu viele Vorwürfe formulierst oder verallgemeinerst, sondern nur beschreibend deine Beobachtung der Situation schilderst. 
    Als Wirkung beschreibst du in Ich-Botschaften, was das mit dir macht. "Ich habe Angst, nicht rechtzeitig fertig zu werden." 
    Daraus folgt dann dein Wunsch: Was brauchst du, damit es besser wird? Finde einen Weg, der für euch beide machbar ist.
    Deine Dozentin wird dir darauf antworten. Nimm das Feedback an, fange nicht an zu diskutieren, rät Stephanie, ziehe aber deine Learnings aus dem Feedback. Lediglich Verständnisfragen sind sofort zu klären.

b Wenn auch das nicht hilft, kannst du dich auch beschweren.

Manche Universitäten haben verschiedene Beschwerdemöglichkeiten. An der FH Münster gibt es zum Beispiel eine Beschwerdekommission, die versucht, in deinem Anliegen zu vermitteln. (FH Münster) Ansonsten kannst du dich direkt an die Fachschaft oder Prüfungskommission wenden. Das sollte allerdings wirklich der letzte Schritt sein.

Am besten lässt du dich im Studierendenwerk oder beim Asta deiner Hochschule beraten, welche konkreten Möglichkeiten zur (anonymen) Beschwerde es an deiner Uni gibt. 


Fühlen

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