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Wie man ohne Abitur studiert.

Stundenlang im Hörsaal hocken, lauwarme Mensa-Reste essen, nächtelang an Hausarbeiten sitzen: Das geht nicht nur mit Abitur. 57.000 Menschen sind derzeit an deutschen Unis immatrikuliert, ohne sich durch Leistungskurse und Abiprüfungen am Gymnasium gequält zu haben. Die Zahl klingt hoch – die Studierenden ohne Abitur machen allerdings nur 2,6 Prozent aller Studierenden in Deutschland aus. 

Trotzdem gibt es einen Grund zur Freude, denn: Es werden immer mehr. Seit 2010 hat sich die Zahl der Studierenden ohne Abi verdoppelt. Das deutsche Bildungssystem wird durchlässiger. Auch mit einem Realschulabschluss kann man Arzt werden. Oder Bauingenieur.

Wie funktioniert das genau?

In fast allen deutschen Bundesländern kann man auch ohne Abitur studieren:

  • wer eine Meisterprüfung abgelegt hat;
  • wer eine damit vergleichbare berufliche Fort- oder Weiterbildung absolviert hat (Umfang: mindestens 400 Stunden).

Das gilt zum Beispiel auch für:

  • staatlich geprüfter Techniker,
  • staatlich geprüfte Betriebswirte.

Diese Abschlüsse sind gleichwertig mit dem Abitur. Hat jemand also die Meisterprüfung als KFZ-Mechatroniker erfolgreich hinter sich gebracht, kann er sich anschließend für Maschinenbau in Aachen, für Medizin in Hannover oder Lehramt in München einschreiben – sofern er den Studienplatz bekommt. Bewerben muss sich ein Meister oder Techniker zusammen mit allen anderen Abiturienten in den normalen Bewerbungsverfahren der Unis. 

Was muss ich noch beachten?

Die genauen Anforderungen können sich von Bundesland zu Bundesland allerdings unterscheiden. So verlangen Bayern und Baden-Württemberg zum Beispiel ein Beratungsgespräch, bevor sie geprüften Technikern oder Betriebswirten erlauben, an ihren Unis zu studieren. 

Man muss auch nicht zwangsläufig eine Meister- oder Technikerprüfung abgelegt haben. Auch mit einer dreijährigen Ausbildung und drei weiteren Jahren Berufserfahrung kann man studieren – allerdings nur bestimmte  Fächer. Und zwar die, die der Ausbildung inhaltlich ähneln.

Ein Beispiel: Max Mustermann hat am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf seine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht. Danach hat er dort drei Jahre weiter als Pfleger gearbeitet. Damit hat er sich fachlich fürs Medizinstudium qualifiziert – und kann sich bewerben. 

Die Universität muss diese „Fachbezogenheit“ aber erst feststellen. Bei einem Krankenpfleger, der Medizin studieren will, ist der Fall klar. Schwieriger wird es, wenn jemand mit einer Erzieherausbildung Landschaftsarchitektur studieren möchte. Mit einer Ausbildung zum Gärtner hingegen könnte es eher klappen. 


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