Abschluss in "Interessiert-mich-NC-passt-ganz-okay"

Was mache ich hier eigentlich? Und will ich das wirklich? Wenn ich an meine zukünftige Karriere denke, fange ich an zu schwitzen. Das hat schon mit der Studienwahl angefangen. Denn ich bin an ihr fast verzweifelt. Okay, das "fast" können wir streichen.

Gott sei Dank gibt es den NC – muss man sagen. Denn der minimiert die Studienauswahl schon mal deutlich. Und dann stellt sich eigentlich nur noch die Frage: Entscheide ich mich für das, was ich gut kann, oder für das, was mich interessiert? Oder einfach für die Uni, an der ich garantiert nicht abgelehnt werde? Ganz einfach also. Nicht.

Kolumne: Aus dem Leben einer Loserin

Die 20-jährige Lena erzählt auf Twitter als "Lena blauer Haken" von ihrem selbstempfundenen Loser-Dasein. Im echten Leben studiert sie in Bielefeld und kämpft damit, Texte zu lesen, die länger als 280 Zeichen sind. Hier erzählt sie aus ihrem Alltag voller Pfandflaschen, unangenehmer Familiengespräche und davon, wie man die eigenen Erwartungen gekonnt enttäuscht.

Im besten Fall stimmen Interesse und Können überein. Bei mir nicht. Ich war immer echt gut in Mathe und Latein. Aber was soll ich mit Latein anfangen, wenn ich nicht gerade den Wunsch verspüre, als Lehrerin zu arbeiten. Will ich nicht. Beim Gedanken an ein Studium der Naturwissenschaften oder Mathe zieht sich mein Magen zusammen. Das möchte ich wirklich nicht meinen Lebensinhalt nennen. Medizin und Psychologie? Mein nicht schlechtes Abi ist trotzdem zu schlecht dafür. Und dann ist da noch meine Mutter: Hätte sie ein Mitspracherecht gehabt, würde ich Jura studieren. Ich 24/7 in der Bib. Haha. Nein, danke.

Hier beim Schreiben sieht der Prozess meiner Studienwahl deutlich überlegter aus, als er wirklich war.

Das Problem: Ich besitze einfach keine Ausdauer, mich lange mit einem Thema zu beschäftigen. Das könnte jetzt einfach der Fluch meiner Generation sein, die durch Reizüberflutung und dem Amazon-Prime-Versand verdorben wurde. Aber nein, das ist einfach mein Problem.

Eigentlich hatte ich immer schon nur einen Wunsch: Ich wollte schreiben, am liebsten bei einer Zeitung. Allerdings war ich zum Zeitpunkt meiner Uni-Bewerbungen gerade mal 18 und wollte mich noch nicht komplett festlegen. Außerdem hatte mich eine Uni, an der ich mich für Journalismus beworben hatte, abgelehnt – ich war beleidigt. Ein Journalismus-Studium? Pah, das brauche ich gar nicht!

So blieb ich bei allen Studiengängen hängen, die im entferntesten Sinne mit deutscher Sprache zu tun haben: Germanistik, Sprachwissenschaften, Linguistik, Literaturwissenschaften, Kultur und Kommunikation, Deutsche Philologie, Mediävistik, Deutsche Sprache und Literatur, Literatur, Deutsche Literatur, Deutschsprachige Literatur. Am Ende konnte ich weder Studiengang, noch Uni auseinanderhalten. Nach der Verwirrung kam die Alles-egal-Haltung.

Ich suchte noch nach einem intellektuell klingenden Nebenfach – Soziologie oder Politikwissenschaft – und schickte einfach Bewerbungen raus. Am Ende entschied ich mich für folgende Variante: Interessiert-mich-NC-passt-kann-ich-eigentlich-ganz-okay-Studiengang. Ich wurde an tatsächlich jeder Uni angenommen – gut für’s Selbstwertgefühl. Ich nehme jede Bestätigung, die ich kriegen kann. In Harvard hatte ich es nicht versucht. Ich landete schließlich an der Uni Bielefeld in den Vorlesungen der Germanistik mit Nebenfach Soziologie.

Immer wieder frage ich mich: Ist das jetzt alles so, wie es sein sollte? 

Es bleiben Zweifel. Hätte ich nicht doch lieber Journalismus studieren sollen? Können nicht viele irgendwie ein bisschen schreiben? Hätte mir nicht noch ein besseres Nebenfach einfallen können? Was soll dieses Mittelhochdeutsch in der Vorlesung? Wie kann etwas ein ernsthaftes Studium sein, wenn man innerhalb eines Semesters gefühlt nur dreimal in der Uni war? Meinen Bachelor schaffe ich eh nicht in sechs Semestern. Ich bin eine gottverdammte Loserin. Das wusste ich zwar schon vorher, aber ständige Bestätigung dessen macht es echt nicht leichter.

Jedem anderen würde ich sagen: "Hey, ist doch alles nicht so wild, du bist so jung, man kann hinterher noch was anderes machen." Oder: "Regelstudienzeit ist wirklich kein Indikator für dein Können." Weiß ich alles. Theoretisch. Tipps geben, die man selbst nicht befolgt, ist mein Spezialgebiet. Gäbe es dafür einen Studiengang, wäre ich sofort dabei.

Aber es gibt auch die guten Momente. Dann denke ich: "Ich habe Spaß an meinem Studium." Ich könnte mir vorstellen, dass ich auch im Job etwas damit anfangen kann (Vorausgesetzt ich bekomme einen. Liebe Arbeitgeber, bitte nehmt mich!). Und ich kann später endlich das machen, was ich jetzt schon den ganzen Tag will: schreiben.

Vielleicht bin ich dann immer noch eine gottverdammte Loserin, aber eine Loserin mit Bachelor und der Gewissheit, dass ich vor ein paar Jahren doch die richtige Entscheidung getroffen habe.


Trip

Wo Atlantik-Kanada besonders abenteuerlich ist
Von Wal-Saltos bis zu Eisberg-Giganten

New Brunswick: den Walen ganz nah 

Der erste Stunt kommt unerwartet: Elegant hebt sich eine graue Gestalt aus dem Wasser, dreht sich leicht zur Seite und taucht mit einem lauten Pfoppppp wieder ab. Wasser spritzt ins Boot, es herrscht kurze Stille, dann lautes Gekreische. Captain Pat nickt zufrieden und zeigt auf die Wasseroberfläche – aus der kurz darauf eine breite Flosse aufragt und spielerisch nach unten knallt. Buckelwale gelten als die Clowns des Meeres, lernen wir. Die drei Giganten vor unserem gut sieben Meter langen Zodiac sind jedenfalls in bester Show-Laune und kein bisschen scheu. Geknipst wird im Dauertakt. Die raue Landschaft der Fundy Bay wird zum fast unwirklichen Hintergrund für die Wal-Fotos: zerklüftete Felsen, aufragende Baumkronen, tiefblaues Wasser. Irgendwie möchte man in der Atlantik-Kanada-Provinz New Brunswick alles mit einem Superlativ versehen. Dass hier mit 21 Metern der höchste Tidenhub der Welt vorkommt, ist wiederum keine Übertreibung sondern Fakt, nachzulesen im Guinness Buch der Weltrekorde. Beim Gezeitenunterschied ziehen zwei Mal täglich 160 Milliarden Tonnen Wasser gen und wieder von der Bucht weg. Und: Das Naturspektakel versorgt die Gewässer auch mit reichhaltiger Nahrung für Wale, Robben, Papageitaucher oder Weißkopfadler, auf die Pat während der einstündigen Zodiac-Tour deutet. Das holprige Spektakel mit den Fundy Tide Runners ist ein Mix aus Abenteuer, Naturkunde und Magie. 

Newfoundland and Labrador: Ice, Ice, Baby

Wieder Wasser, wieder Giganten, wieder Atlantik-Kanada – und eine komplett neue Welt: Neufundland und Labrador. Hoch im Norden der Ostküste wird die Natur noch ursprünglicher und rauer. Die Weite dehnt sich aus, die Ortschaften wirken dafür immer kleiner, bunter und niedlicher: Battle Harbor, Point Amour, La Scie, Fogo Island oder Witless Bay sind nur ein paar der Namen. Alle haben mindestens zwei Dinge gemeinsam... freundliche Einheimische sowie die Nähe zur Iceberg Alley und deren wuchtige Giganten, die jedes Jahr aus der Arktis antreiben. Wer die eisigen Blöcke nicht nur vom Ortsufer aus bestaunen will, kann mit Ausflugsbooten, Fähren oder gar per Kajak nahe ran – und trifft mit etwas Glück auch Wale oder Robben. Und der optische Wow-Effekt ist noch längst nicht alles, was die 10.000 Jahre alten weißen Riesen schaffen! Schon mal Iceberg-Bier getrunken? Oder einen Iceberg Cocktail mit Gletscher-Vodka? Zeit, die Magie der eisigen Berge so richtig sacken zu lassen  und dabei die legendäre NFL-Hospitalität in vollsten Zügen zu genießen. Das reine Gletscherwasser kreiert delikate lokale Drinks, die in der berauschenden Szenerie noch besser schmecken. Und die sogenannten „Bergy Bits“, die kleinen weißen Eisbrocken, die an den Stränden angespült werden, eignen sich prima zum Kühlen mitgebrachter Iceberg-Köstlichkeiten.