Studierende sind oft knapp bei Kasse und am Ende des Monats muss schon mal die Tütensuppe her. Allerdings geht es den Studenten in Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern sehr gut: geringe bis keine Studiengebühren und ein Recht auf finanzielle Unterstützung, Bafög sei Dank.

Eine Studie des Studentenwerks behauptet nun, der Bafög-Höchstsatz von 735 Euro pro Monat reiche nicht aus. Studierende bräuchten rund 1.000 Euro (bento). Zum Vergleich: Der monatliche Hartz-IV-Satz liegt bei 409 Euro. Dazu gibt es Wohngeld.

Wir haben Studierende in Hamburg gefragt: Wie viel braucht ihr zum Leben? 
Yannic, 19, aus Singapur

Bevor ich nach Hamburg kam, habe ich 16 Jahre in Singapur gelebt. Dort hätte ich super viel für das Studium bezahlt, denn Singapur ist eine unglaublich teure Stadt. Nun studiere ich Wirtschaftsmathematik und kriege ich monatlich 1.200 Euro von meinen Eltern. Das ist auf jeden Fall genug, andere kriegen weniger. Aber man will ja immer mehr, oder? Es ist mir auf jeden Fall nicht unangenehm, über Geld zu reden. Ich gebe viel für Essen aus, da ich frisches Fleisch möchte und das Gemüse auch mal hochwertiger sein darf. Dafür zahle ich etwa 300 Euro im Monat, die Miete kostet 480 Euro. 

Und jetzt du:

Kris, 22, aus Köln
Ich würde manchmal gerne weniger arbeiten, aber wer will das nicht?
Kris

650 Euro Bafög decken meinen Grundbedarf. Der größte Kostenfaktor ist allerdings die Miete für mein WG-Zimmer. 370 Euro jeden Monat sind schon viel Geld, dabei ist das für Hamburg noch nicht mal so teuer. Danach kommen aber auch schon meine Ausgaben für eine ausgewogene Ernährung. 

Mit meinem Nebenjob als Kellnerin verdiene ich nochmal 350 Euro zusätzlich im Monat. Allerdings muss ich auch immer auf meine Arbeitsstunden kommen. Das Problem: Mein Studium der Gebärdensprache ist sehr intensiv. Ich muss unter der Woche jeden Tag zur Uni – Anwesenheitspflicht lässt grüßen. Deswegen bleibt mir für meinen Nebenjob nur das Wochenende. Aber im Großen und Ganzen komme ich gut zurecht. Ich hoffe, dass ich bald genug Geld gespart habe, um nach Neuseeland reisen zu können. 

Bendix, 19, aus Hamburg
Geld ist für mich kein Tabuthema – das betrifft uns Studenten doch alle.
Bendix

Ich studiere VWL im zweiten Semester. Eigentlich würde ich so langsam gerne bei meiner Mutter ausziehen, aber dafür reicht das Geld einfach nicht – Hamburg ist ein teures Pflaster. Deswegen wohne ich bisher noch zu Hause bei meiner Mutter in Bergedorf. Das ist zwar echt weit außerhalb, aber so spare ich mir die Miete. Und ich kann mir ein Auto leisten. Das ist super wichtig für mich, denn wer will schon stundenlang in der Bahn sitzen? 

Mir bleibt sowieso nicht viel Zeit neben dem Studium, weil ich als Werkstudent bei Deloitte in der Wirtschaftsprüfung arbeite, etwa 16 Stunden in der Woche. Mit diesen 600 Euro komme ich gut über die Runden. Aber trotzdem kann ich nicht wirklich Geld zur Seite legen. Ein weiterer Kostenfaktor ist meine Fernbeziehung nach Würzburg. Deswegen will ich jetzt auch Bafög beantragen. Dann müsste ich weniger arbeiten, könnte intensiver studieren und auch ausziehen.

Marisa, 23, aus Kiel


Ich kriege kein Bafög, da ich durch einen Schicksalsschlag Halbwaise geworden bin, dadurch habe ich einen Anteil am Haus geerbt. Würde ich Bafög beantragen, würde mich das Amt fragen: Warum verkaufst du das nicht? Für mich ist es aber nicht allzu stressig einen Nebenjob zu haben: Ich arbeite als Controllerin, bin also jemand, der Vorgänge im Unternehmen koordiniert. Das nimmt etwa zwölf Stunden die Woche in Anspruch und wird gut bezahlt. Ich verdiene etwa 980 Euro brutto neben meinem Studium in Sozialökonomie. Mit Kindergeld und Halbwaisenrente reicht das. Neulich konnte ich mir sogar ein Auto leisten. Echt sinnvoll ist es, eine Steuererklärung zu machen und seine Ausgaben aufzuschreiben. So behält man den Überblick.

Vinh, 23, aus Oldenburg
Andere schaffen es auch ganz ohne Bafög.
Vinh

Ich studiere Metalltechnik und Sport auf Berufsschullehramt und bekomme 650 Euro Bafög. Mit dem Kindergeld komme ich also auf rund 800 Euro. Damit komme ich echt gut zurecht. Aber ich gehe auch sparsam durchs Leben – trotzdem lasse ich mir die schönen Dinge des Lebens nicht entgehen und gehe ab und zu mit meinen Freunden essen. Das größte Problem ist die Miete. Ich zahle 470 Euro für ein WG-Zimmer in einer Ranzbude. Da ist Sparen auf keinen Fall drin, ich gehe aus jedem Monat mit Plus-Minus-Null.

Deswegen will ich mir auch bald einen Job suchen. Aber der Arbeitgeber muss flexibel sein, damit man in intensiveren Phasen des Studiums auch mal weniger arbeiten kann. Das Studium zu vernachlässigen wäre für mich keine Option, dafür ist mir meine Ausbildung zu wichtig. Perfekt wäre es, wenn ich als Übungsleiter im Kindersport arbeiten könnte. Aber durch meine Ausbildung zum Augenoptiker vor meinem Studium habe ich mir ein finanzielles Polster angespart. Der Job eilt also nicht. 

Alina, 30, aus Berlin

Ich habe lange Zeit vor dem Studium gearbeitet, daher habe ich noch ein bisschen Gespartes. Nun verdiene ich neben dem Studium ein wenig durch Aufträge, die ich als Filmcutterin bekomme. Hauptsächlich schneide ich Werbefilme. Dadurch kommen etwa 900 Euro im Monat zusammen. Von denen kann ich mir alles leisten, was ich brauche. Bafög beziehe ich nicht. 

Den größten Teil meines Gehalts gebe ich für Essen aus. Es darf gerne bio und regional sein – darauf lege ich großen Wert. Doch damit kommen schon 200 bis 300 Euro monatlich zusammen. Mein Studium passt dazu: Ernährungswissenschaften. Die laufenden Kosten wie Miete oder Strom betragen 600 Euro. Deswegen brauche ich schon um die 1.000 Euro im Monat, um über die Runden zukommen.

Und jetzt du! Hier kannst du herausfinden, ob du so mit deinem Geld umgehst wie andere:

Gerechtigkeit

Abschiebungen nach Anschlag in Afghanistan ausgesetzt

Am frühen Mittwoch ist das Stadtzentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul von einer schweren Explosion erschüttert worden. Die mutmaßlichen Attentäter hatten einen mit Sprengstoff gefüllten Lastwagen in Richtung Deutsche Botschaft gelenkt, kurz vor dem Ziel detonierte das Fahrzeug. (SPIEGEL ONLINE)

Mindestens 90 Menschen sollen ums Leben gekommen sein, 400 wurden verletzt. Derweil in Deutschland: Eine Sammelabschiebung mehrere afghanischer Flüchtlinge zurück nach Kabul wird kurzfristig verschoben. Aus Sicherheitsgründen. ("Frankfurter Allgemeine Zeitung")