Nie wieder nett?

Sind arme Leute die besseren Menschen? Nun, diese Frage lässt sich wohl nicht so pauschal beantworten. Dafür aber haben Forscher herausgefunden, dass nette Menschen zumindest eher Gefahr laufen, arm zu werden – und woran das liegt. 

Worum geht's in der Studie?

Sandra Latz von der Columbia Business School und Joe Gladstone vom University College London wollten wissen, ob eine liebenswürdige Persönlichkeit im Zusammenhang steht mit finanziellen Schwierigkeiten. 

"Frühere Forschung legte nahe, dass Liebenswürdigkeit verbunden ist mit einem niedrigen Kredit-Score und niedrigem Einkommen. Wir wollten sehen, ob dies auch für andere finanzielle Indikatoren gilt, und falls ja, besser verstehen, warum nette Leute den Kürzeren ziehen", erklärt die Sozialwissenschaftlerin Sandra Latz.

Für die Studie, veröffentlicht im "Journal of Personality and Social Psychology", untersuchten die beiden Forscher Daten von mehr als drei Millionen Menschen. Die Daten stammten unter anderem aus Online-Umfragen, einer nationalen Erhebung und öffentlich zugängigen Quellen.

In ihrer Analyse suchten Matz und Gladstone, nach dem Grund der finanziellen Bedrängnis liebenswürdiger Menschen – ob diese eher ihrem netten Verhandlungsstil geschuldet ist oder ob ihnen Geld einfach unwichtiger ist.

Und was sind die Erkenntnisse?

  • Liebenswürdigkeit ist eher verbunden mit Indikatoren finanzieller Bedrängnis – darunter geringe Ersparnisse und höhere Schulden.
  • Den Grund dafür sehen die Forscher darin, dass Geld vielen netten Menschen weniger wichtig ist – deshalb gehen sie auch ein höheres Risiko ein, schlecht mit ihrem Geld umzugehen.
  • Aber: Nicht alle netten Menschen gehen das gleiche Risiko ein, wegen ihrer Liebenswürdigkeit auch finanziell zu leiden. Das Einkommen spielt hier eine wichtige Rolle.
  • Nach eigenen Angaben überrascht waren Matz und Gladstone von der Tatsache, dass Liebenswürdigkeit, die bei Kindern festgestellt wird, auch in ihrem späteren Leben offenbar dafür sorgt, dass sie später eher in finanzielle Nöte geraten. 

"Unsere Ergebnisse helfen uns, einen potentiellen Faktor zu verstehen, der finanziellen Nöten unterliegt – dieser hat ernsthafte Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Menschen", sagte Matz. 

Egozentrischen und misstrauischen Menschen falle es im Gegensatz zu liebenswürdigen leichter, nicht in die Schuldenfalle zu tappen. Die Forscherin sieht darin ein Problem: "Lieber wäre mir, wenn man Wege finden würde, die verträglichen Menschen zu motivieren, besser auf ihr Geld aufzupassen. Immerhin braucht es diese sozialen Menschen in der Gesellschaft." (ORF)


Queer

Rechte Regierung gibt sich geschlagen – Ehe für alle kommt auch in Österreich
Ab dem 1. Januar 2019 dürfen in Österreich auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten

Lange Zeit haben die österreichischen Regierungsparteien versucht, die Ehe nur Mann und Frau vorzubehalten. Doch nun mussten sich ÖVP und FPÖ geschlagen geben. Die Ehe für alle kommt auch in Österreich.

Was ist passiert?

Monatelang haben die Regierungparteien ÖVP und FPÖ einen Weg gesucht, die Ehe nur Partnerschaften zwischen Mann und Frau zu erlauben (ORF). Ohne Erfolg. Denn jetzt steht fest: Ab dem 1. Januar 2019 wird es in Österreich für alle Paare möglich sein zu heiraten.

Wie die rechtspopulistische Regierung in einer Erklärung mitteilte, werden die Parteien nicht weiter versuchen, gegen die Ehe für alle vorzugehen. Das Vorhaben der FPÖ, eine Lösung zu finden, um die Ehe Heterosexuellen vorzubehalten, sei "nicht umsetzbar", teilten die Fraktionsvorsitzenden August Wöginger (ÖVP) und Walter Rosenkranz (FPÖ) am Donnerstag mit. Die beiden Parteien hatten in den vergangenen Monaten versucht, die Ehe klar als Partnerschaft zwischen Mann und Frau zu definieren und dies als Änderung in die Verfassung zu schreiben.

Wie sieht die Situation in Österreich aus?

Bisher gab es in Österreich eine echte Ehe nur zwischen Mann und Frau. Für gleichgeschlechtliche Paare gab es nur die Möglichkeit, eine eingetragene Partnerschaft einzugehen. Dagegen hatte ein lesbisches Paar geklagt. 

Anfang Dezember 2017 hatte das höchste Gericht in Österreich, der Verfassungsgerichtshof, entschieden, dass eine Ehe, die nur zwischen Mann und Frau eingegangen werden kann, homosexuelle Paare diskriminiert und somit beschlossen, dass es ab dem 1. Januar 2019 für alle Paare möglich wird, zu heiraten. 

Welche Reaktionen gab es auf die Niederlage der Regierung?

Die Regierungsparteien selbst erklärten, sie würden weiterhin die Position vertreten, eine Ehe sei für sie eindeutig eine Partnerschaft zwischen heterosexuellen Partnern.

Die Oppositionsparteien SPÖ und NEOS feierten die Aufgabe der Regierungskoalition. SPÖ-Politiker Mario Lindner nannte die Entscheidung einen "guten Tag für die Gleichstellung in unserem Land." Dennoch betonte er, es sei traurig, dass die Regierung Monate gebraucht habe, um die zu der "simplen Erkenntnis zu gelangen, dass die Entscheidung unseres höchsten Gerichtes umzusetzen ist."