Was dafür spricht – und welche Hindernisse es gibt.

Alles begann mit einem Foto von einem Fahrrad, das ein Kumpel aus Ghana schickte. Der Rahmen des Rads bestand komplett aus Bambus. Genial, dachten sich Maximilian und Jonas. Die beiden studierten damals BWL und spielten mit dem Gedanken, ein Start-up zu gründen. Nur sollte es auch ökologisch und sozial sein.

Im April 2013 sind sie zum ersten Mal nach Ghana geflogen, um ins Bambusgeschäft einzusteigen. "Wir hatten keine Erfahrung", sagt Maximilian, "aber das war eine Chance, weil wir alles freier angegangen sind." So ist MyBoo entstanden, noch im Studium. Heute arbeiten für das Unternehmen in Kiel 40 Leute, weitere 40 sind in Ghana bei einem sozialen Projektpartner angestellt. 

Wie gründet man während der Uni ein Start-up? Und: Ist das überhaupt eine gute Idee?

Die Bambusräder werden von einem Projektpartner in Ghana hergestellt.

(Bild: my-boo.de)

Zuerst haben Maximilian Schay, 29, und Jonas Stolzke, 28, im Netz recherchiert und sich einen Marktüberblick verschafft. Maximilian sagt, als Gründer müsse man nach Netzwerken suchen. In fast jeder Stadt gibt es zum Beispiel Gründerstammtische.

Maximilian und Jonas haben sich an Alexander Ohrt, 37, von der Starterkitchen gewandt. Im Wissenschaftspark der Uni Kiel berät und hilft Alexander Studierenden beim Aufbau ihres Unternehmens. Er selbst hat eine Philosophieplattform für Kinder und ein Campusradio aufgezogen. 70 Gründerinnen und Gründer tauschen sich in der Starterkitchen regelmäßig aus.

„Die wenigsten werden geboren und wissen, dass sie ein Start-up gründen wollen. Wir möchten Lust darauf machen.“
Alexander Ohrt

"Wir bieten kostenlos Räume an, in denen die Studierenden und Interessierte erst mal arbeiten können. Und wir zeigen ihnen, wie sie ihre Ideen umsetzen", sagt Alexander. Er findet, Gründen muss einfacher werden. In der Starterkitchen werden verschiedene Formate wie das "Gründerfrühstück" angeboten, bei denen Interessierte sich vernetzen und ausprobieren können, oder lernen, ein Gründungsstipendium zu beantragen.

Auch an anderen Unis gibt es solche Anlaufstellen für Gründerinnen und Gründer, etwa das Startup Dock der Hamburger Hochschulen, das LMU Entrepreneurship Center in München oder das Centre of Entrepreneurship der TU Berlin.

Wie sieht die Gründerszene an den deutschen Hochschulen aus?

Die meisten Studierenden gründen im Dienstleistungsbereich. Häufig geht es um Informations- und Kommunikationstechnik sowie kreative und wissensintensive Beratungsleistungen. 43 Prozent der Start-ups zählen zur digitalen Wirtschaft. Das hat zumindest eine Umfrage der TU Berlin aus dem Jahr 2016 ergeben. Dabei wurden Gründerinnen und Gründer an neun Berliner Hochschulen befragt, insgesamt haben 745 Unternehmen teilgenommen. (TU Berlin)

Wie Maximilian und Jonas von MyBoo nutzten 44 Prozent der befragten Start-ups die Angebote an den Hochschulen. Zwei Drittel der jungen Unternehmen wurden von kleinen Teams mit zwei bis drei Personen gegründet. "Zu zweit macht es mehr Spaß. Außerdem ist es einfacher, weil jeder andere Expertise mitbringt", findet Maximilian. Von Dreier-Teams würde er allerdings abraten, weil dann einer überstimmt werden könnte.

Maximilian Schay hat zusammen mit einem Kommilitonen das Start-up MyBoo gegründet.

(Bild: Robert Strehler)

Eine Sache, die wohl alle jungen Gründerinnen und Gründer beschäftigt, ist die Finanzierung. Ein Drittel der befragten Start-ups bekam Geld von außen, zum Beispiel durch Investoren, in Form eines Bankdarlehens oder als Gründungsstipendium. Andere finanzieren sich selbst, nutzen vielleicht ihr Erspartes und stecken erste Gewinne wieder ins Unternehmen. So war das auch bei Maximilian und Jonas. Fördermittel haben sie nie bekommen, die Stipendien hätten nicht gepasst, sagen die Gründer.

"Normalerweise verliert man nicht direkt Geld. Niemand geht bei uns mit hohen Schulden raus", betont Alexander von der Starterkitchen. Bevor investiert werde, teste man erst mal mit Prototypen. "Nichts ist schlimmer als 'Die Höhle der Löwen': Allwissende, die sich auf Kosten der Gründerinnen und Gründer bereichern wollen und ihnen nicht auf Augenhöhe begegnen", sagt der Gründungsberater. Oft bestehe der Irrglaube, ein Start-up sei ein einfacher Weg, um schnelles Geld zu verdienen. Aber Leidenschaft für ein Thema müsse man schon mitbringen. Auch ein Nutzen sei wichtig, sagt Alexander. Denn: "Die guten Unternehmen lösen immer gesellschaftliche Probleme."

Neben der Sache mit dem Geld kann ein vollgestopfter Lehrplan dem eigenen Start-up im Weg stehen.

Alexander rät deshalb, Urlaubssemester einzulegen und die Freiheiten des Unilebens mehr zu nutzen. "Der Studentenstatus ist ein Vorteil: Man hat weniger Kosten, Druck und Unsicherheiten als später im Leben." Teilweise könne man sich Seminare anrechnen lassen, die man sowieso fürs Geschäft brauche, wie etwa Programmieren. An den meisten Hochschulen gibt es zudem sogenannte Career Center, bei deinen Studierende oft kostenlos Weiterbildungskurse belegen können.

Die Entscheidung, selbst zu gründen, hat laut Alexander noch einen Vorteil: "Der Reiz des Wissens besteht in der Anwendung. In Vorlesungen und Seminaren lernt man Theorie, die man dann direkt umsetzen kann", sagt er. So sei nicht nur der Lerneffekt größer, sondern die Studierenden seien auch zufriedener. 

Nur, bleibt das Studium dabei nicht auf der Strecke? Maximilian erzählt, dass Jonas und er anfangs vor allem in den Semesterferien viel Zeit in MyBoo gesteckt haben. Irgendwann arbeiteten sie Vollzeit und konnten nur noch die Klausuren mitschreiben. Letztendlich haben beide etwas länger für den Bachelor gebraucht. Sie finden, es hat sich gelohnt.

Und zumindest Jonas schreckt die Doppelbelastung von Uni und Start-up nicht ab. Er macht gerade neben der Arbeit noch einen Master.


Fühlen

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