Bild: Nico Ackermeier
Wegen der Coronakrise muss Alina Stolzenburg von zu Hause unterrichten. Wie geht es ihr damit?

Allein fühlt sich Alina Stolzenburg nicht – auch, wenn sie seit fünf Wochen im Homeoffice in ihrer Zweizimmerwohnung sitzt und ihr Büro an der Universität Osnabrück nicht betreten hat. Statt ihrer Kolleginnen und Kollegen sind da Yuki und Gizmo, ihre beiden Katzen. Wenn sie am Schreibtisch sitze und ihre Seminare vorbereite, seien die beiden immer dabei, erzählt die 25-Jährige am Telefon, sie lägen auf ihrem Schoß oder schnurrten um sie herum. "Sie haben auch schon die eine oder andere Videokonferenz gesprengt, weil sie sich in den Bildschirm gedrängt haben."

Alina findet das nicht unprofessionell. Im Gegenteil. Es entspricht dem Motto, das sie sich für die kommenden Wochen und Monate gegeben hat: "Es wird nicht perfekt, aber wir schaffen es."

Alina ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Gesundheitsforschung und Bildung der Uni Osnabrück. Sie und die anderen Hochschullehrer in Deutschland sind dieser Tage mit einer riesigen Herausforderung konfrontiert: Zum ersten Mal müssen sie ein Semester fast komplett digital beginnen. Die Bund-Länder-Vereinbarung zur Lockerung der Corona-Maßnahmen sieht zwar vor, dass manche Praxisveranstaltungen abgehalten werden dürfen, strenge Hygieneregeln vorausgesetzt. Die allermeisten Vorlesungen und Seminare müssen aber online stattfinden.

Wenig Zeit für die Umstellung

Für die Umstellung hatten Alina und ihre Kollegen nicht viel Zeit: Als sich Mitte März abzeichnete, dass der Hochschulbetrieb in diesem Sommersemester nicht wie gewohnt laufen würde, waren es gerade noch knapp sechs Wochen bis zum Vorlesungsbeginn, der wegen Corona vielerorts auf den 20. April verschoben worden war. "Natürlich bin ich wie alle anderen auch aus allen Wolken gefallen", erinnert sich Alina, "aber ich hatte keine Angst vor der Aufgabe."

Alina hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber vielen Kolleginnen: Sie bringt das nötige Wissen über Online-Lehre mit – zumindest in der Theorie. Denn die ehemalige Lehramtsstudentin unterrichtet nicht nur angehende Berufsschullehrer aus den Bereichen Pflege, Kosmetik und Physiotherapie, sondern arbeitet auch in einem Projekt mit, das die Studierenden zum Einsatz digitaler Medien animieren soll.

„Online gelehrt habe ich selbst noch nie, das ist auch für mich komplettes Neuland.“
Alina Stolzenburg

"Ich kenne also viele der zur Verfügung stehenden Software-Tools, ich weiß, wie man Videos dreht und habe sogar ein Mikrofon zu Hause, mit dem man qualitativ hochwertige Aufnahmen machen kann", sagt sie. Aber, und da geht es ihr nicht anders als vielen ihrer Kollegen: "Online gelehrt habe ich selbst noch nie, das ist auch für mich komplettes Neuland."

Drei Seminare mit jeweils zwischen 20 und 40 Teilnehmenden gibt Alina in diesem Semester. Die Vorbereitungen nähmen mehr Zeit in Anspruch als normalerweise: "Ich sitze zurzeit viel, viel mehr am Schreibtisch – auch weil ich häufig Fragen von Kollegen beantworte."

Es gibt Tage, an denen Alina sich überfordert fühlt, an denen sie sich fragt, ob alle Veranstaltungen rechtzeitig vorbereitet sein werden. Wenn die Grübelei zu viel wird, fährt sie in ihren kleinen Schrebergarten, um Kraft zu tanken. "Ich möchte diesem Gefühl nicht zu viel Raum geben und gehe darum immer kleine Schritte, denke von Seminar zu Seminar."

Alina hat sich entschieden, die Herausforderung auch als Chance zu begreifen und möglichst viele spannende Elemente in ihre Lehre einzubauen: Es soll Podcasts ebenso geben wie kleine Videoaufzeichnungen und Diskussionen in Foren. "Diese verschiedenen Elemente zu entwickeln und damit Schwung in die Lehre zu bringen, macht mir mittlerweile richtig Spaß. Ich entdecke kleine Spielereien, die alles auflockern, füge beispielsweise Memes in meine Videos ein."

Samstags beim Joggen, sonntags beim Frühstück

Alle ihre Angebote seien nicht nur zu Zeiten abrufbar, an denen die Seminare offiziell im Stundenplan stünden, sondern auch einige Tage darüber hinaus, sagt Alina: "Die digitale Lehre bringt eine gewisse Flexibilität mit sich, davon sollen auch die Studierenden profitieren." Das heißt: Wer Alinas Interview mit einem Experten über Lernlabore erst am Samstagvormittag beim Joggen anhören oder ihr Video zu Prüfungsleistungen am Sonntag beim Frühstück ansehen möchte, kann das tun.

Auf eineinhalbstündige Videovorträge will Alina dagegen auf jeden Fall verzichten: "Das stelle ich mir furchtbar langweilig vor." Auch Gruppen-Videokonferenzen, an denen alle Studierenden gleichzeitig teilnehmen sollen, wird es bei ihr nicht geben. "Es bringt in meinen Veranstaltungen nicht wirklich einen Mehrwert, mit 40 Leuten via Videoschalte zu diskutieren."

Hinzu kommt: Nicht alle Studierenden würden die technischen Voraussetzungen und die nötige Infrastruktur für ein solches Angebot mitbringen. "Ich weiß von einigen, die wegen der Coronakrise vorübergehend wieder zu ihren Eltern gezogen sind, also gerade in eher ländlichen Gegenden wohnen. Bei einer schlechten Internetverbindung ist eine Videokonferenz einfach nicht möglich."

Der Verzicht auf Formate, bei denen Alina ihre Studierenden auf dem Bildschirm sehen kann, bringt allerdings eine Frage mit sich: Wie stellt sie sicher, dass sie wirklich teilnehmen? "Ich setze zwar vor allem darauf, dass die Studierenden motiviert sind und sich aus Respekt gegenüber ihren Kommilitonen und mir an den Seminaren beteiligen, aber ich muss es natürlich auch überprüfen." Darum integriert Alina zum Beispiel kleine Überprüfungsfragen in ihre Lehrvideos, die ihre Studierenden während des Anschauens beantworten müssen. "So kann ich sicherstellen, dass sie nicht nur im Schnelldurchlauf nach vorn spulen."

Alina geht davon aus, dass das gesamte Semester ausschließlich digital stattfinden wird. Dass sie ihre Studierenden in den kommenden Wochen persönlich kennenlernen wird, glaubt sie nicht. Stattdessen will sie virtuelle Sprechstunden abhalten: "Über unsere Webkonferenzlösung können wir nicht nur miteinander sprechen, sondern auch gemeinsam Dokumente anschauen und darin Sachen markieren – fast, als säßen wir uns gegenüber." Außerdem werde sie nahezu ständig per Chat und Mail erreichbar sein, um auch kurzfristige Anfragen zu beantworten, sagt Alina.

„Ich fühle mich in Jogginghose aktuell ziemlich wohl.“
Alina Stolzenburg

In ihrer ersten Veranstaltung des Semesters hat sie vor allem organisatorische Fragen geklärt – mit einem selbstgedrehten Video, das die Studierenden nun abrufen können. Ob die ersten Schritte in Richtung einer digitalisierten Hochschule erfolgreich sind, wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen. Alina erwartet, dass es zumindest kleinere technische Probleme geben wird. "Unsere Server sind schließlich noch nie unter der vollen Belastung von Tausenden Studierenden gelaufen."

Lähmend wirkten diese Aussichten aber nicht, sagt sie: "Interessanterweise habe ich bisher keinen Kollegen getroffen, der den Kopf in den Sand steckt nach dem Motto: 'Ich streiche mein Seminar für dieses Semester und biete es erst wieder im nächsten Herbst an.' Wir wollen uns alle der Aufgabe stellen und geben unser Bestes."

Eine Frage allerdings geht Alina noch im Kopf herum: "Ich überlege, ob es mit Beginn des Semesters mal wieder Zeit wird, mich ordentlich anzuziehen", sagt sie und lacht. "Wobei: Ich fühle mich in Jogginghose aktuell ziemlich wohl – ich schätze, ich werde sie auch während der Aufzeichnungen und virtuellen Sprechstunden anbehalten."

Könnte sie sich vorstellen, immer so zu unterrichten? "Der menschliche Austausch und das Diskutieren ist schwieriger geworden, und als Dozentin fehlt mir auch das direkte Feedback der Studierenden sehr", sagt Alina. Sie hofft, dass der Lehrbetrieb zumindest im Wintersemester wieder normal laufen kann.


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Wieviel ist dir ein Orgasmus wert?

Wenige Augenblicke später folgt die sexuelle Ernüchterung. Eine Computerstimme, die sich als "Lana" vorstellt, erklärt, dass alle Anwesenden zwar 100.000 Dollar gewinnen können, aber nur unter einer Bedingung: Sie müssen für einen Monat auf Knutschen, Fummeln, Sex und Masturbation verzichten. Für jede Unzucht wird Geld vom gemeinsamen Topf abgezogen. 

Man stelle sich hier das Zonk-Geräusch vor.

Statt Orgien sollen alle die Möglichkeit bekommen, sich persönlich und emotional weiterzuentwickeln, erklärt die virtuelle Anstandsdame weiter. Besonders angesprochen scheinen die Jungs, deren Humor auf Pupswitz-Niveau bereits seinen Höhepunkt erreicht hat. Durch Workshops, "echte" Dates (mit Reden!) und Enthaltsamkeit sollen sie lernen, was sie wirklich fühlen. Statt einfach immer nur zu nehmen und den harten Mann zu markieren.