Heute: Sina, 27, aus Schleswig-Holstein
Was wolltest du werden, als du noch jünger warst?

Eine zeitlang habe ich davon geträumt, Lehrerin oder Tierärztin zu werden. Das waren wohl die klassischen Berufe, von denen viele kleine Mädchen träumen. 

Was hast du gelernt und warum?

Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Kaff in Schleswig-Holstein. Nach der Schule bin ich nach Kiel gezogen und habe angefangen, Skandinavistik und im Nebenfach Italienisch zu studieren. Skandinavistik hat mir wirklich gut gefallen, mein Nebenfach habe ich aber gewechselt: erst von Italienisch zu Philosophie, danach noch einmal zu friesischer Philologie, die sich mit friesischer Literatur und Sprache befasst.

Insgesamt vier Jahre lang habe ich studiert. Um meinen Bachelor abzuschließen, hätte mir in der Skandinavistik tatsächlich nur noch eine Hausarbeit gefehlt. Da ich mein Nebenfach öfter gewechselt habe, fehlte mir da aber noch einiges.

Queraufstieg

Irgendwann kommt sie, die Frage, bei manchen früher, bei anderen später, manche haben regelrecht Angst vor ihr: "Was willst du später mal werden?"

Es fällt schwer, das zu beantworten. Und wer eine Antwort gefunden hat, bereut sie manchmal hinterher. Weil der Arbeitsalltag in der Realität doch ganz anders aussieht. Und dann?

In dieser Reihe stellen wir Menschen vor, die sich beruflich umentschieden haben. Die sich getraut haben, noch mal von vorne anzufangen.

Warum hast du dich dann entschieden, etwas anderes zu machen?

Ich hatte schon länger gemerkt, dass ich nicht wirklich glücklich mit dem Studium war. Vor allem musste ich neben dem Fächerwechseln feststellen, dass mir das Studieren generell schwer fiel. Mir fehlte die nötige Selbstdisziplin.

Ich dachte, dass ich mit festen Strukturen einfach besser klarkommen würde. Trotzdem ließ ich mich noch lange davon beeinflussen, dass sich meine Eltern für mich ein Studium wünschten. Ich hatte Angst, einen Studienabbruch irgendwann zu bereuen, wo ich doch schon so weit gekommen war.

Letzten Endes war es ein tragischer Vorfall in meiner Familie, über den ich hier nicht mehr erzählen möchte, der mir die Entscheidung in gewisser Weise erleichtert hat. Denn dadurch wurde mir ganz klar, dass ich mein Leben nicht weiter mit etwas verschwenden wollte, das mich unglücklich machte. 

Auch meine Eltern sagten mir, dass ich es im Endeffekt selbst entscheiden müsse und sie mich unterstützen würden. So habe ich mich dazu entschlossen, abzubrechen

Wie bist du darauf gekommen, Tourismuskauffrau zu werden?

Der Gedanke an einen Abbruch war ja schon lange da. Noch während meines Studiums habe ich mich deshalb immer mal wieder informiert, was ich stattdessen machen könnte. 

Ich habe mich schon immer sehr für andere Länder, Kulturen und das Reisen generell interessiert. Ich war bisher viel innerhalb Europas unterwegs und habe dabei viele tolle Menschen aus ganz Europa getroffen. Dabei habe ich gelernt, viel mehr aus mir herauszugehen. Beeindruckt war ich auch von den Landschaften, besonders auf Gran Canaria. 

Gleichzeitig habe ich immer schon gerne geplant, wohin es als nächstes gehen könnte. Auch Freunden habe ich oft dabei geholfen, wenn sie Hilfe bei der Entscheidung brauchten, wohin ihr nächster Urlaub gehen sollte. Deshalb habe ich mich entschieden: Ich möchte gerne ins Reisebüro.

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Warum hast du dich für eine Ausbildung entschieden?

Ich habe mich für eine Ausbildung entschieden, weil ich dachte, dass mir der geregelte Ablauf gerade am Anfang wirklich helfen könnte. Man hat feste Arbeitszeiten und feste Zeiten in der Berufsschule. Das war genau das, was mir im Studium oft gefehlt hat.

Außerdem war es mir wichtig, dass ich über kurz oder lang einen Abschluss machen konnte. Nur das Abitur und keine weitere Berufsqualifikation kam für mich einfach nicht infrage. Da ich mich nun gegen den Bachelor entschieden hatte, blieb nur eine Ausbildung.

Was dann folgte, waren wirklich viele Bewerbungen in fast allen deutschen Städten und auch in Österreich

Ich habe zunächst ein paar Absagen bekommen. Ein besonderer Grund wurde mir nicht genannt, es waren einfach Standardabsagen. Ich war aber auch schrecklich aufgeregt vor den Bewerbungsgesprächen und habe schon währenddessen gemerkt, dass es nicht so richtig gepasst hat.

Am Ende wurde mir aber ein Ausbildungsplatz in Kiel angeboten, worüber ich mich total gefreut habe. So konnte ich in der Nähe meiner Freunde und Familie bleiben. Als ich die Ausbildung dort angefangen habe, war ich 25 Jahre

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Du hast einen Knick im Lebenslauf – und bist stolz darauf? Du hast dich noch mal beruflich umentschieden und machst etwas ganz anderes, als ursprünglich gedacht? Dann melde dich gern bei uns.

Was nimmst du aus deinem Studium mit?

Direkt erstmal nicht so viel. Ich bin jetzt in einem Reisebüro, das auf Fern- und Weltreisen spezialisiert ist. In meinem Studium habe ich mich eher auf Europa konzentriert. 

Trotzdem kommt es mir vor allem in der Berufsschule zu Gute. Wir haben Blockunterricht und dadurch oft viele Arbeiten und Klausuren in kurzer Zeit. Das kenne ich noch von der Uni, wo ich auch oft viele Klausuren direkt hintereinander schreiben musste. Und auch vom Pensum her bin ich es gewohnt, viel Stoff in kurzer Zeit zu lernen. Ich denke, dass ich da schon einen Vorteil gegenüber anderen Berufsschülern habe. 

Was war die größte Hürde auf deinem Weg?

Ich hatte ein paar Startschwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Vor allem fiel es mir erst schwer, mich in Vorstellungsgesprächen richtig zu verkaufen. Vielleicht habe ich deshalb erst Absagen hinnehmen müssen.

Auch die Überwindung, endgültig abzubrechen, war für mich eine große Hürde. Oft braucht man doch noch einen kleinen Schubs, um sich wirklich völlig neu zu orientieren. Lange Zeit habe ich mich gefragt, ob ich versagt habe, oder einfach zu blöd war für das Studium. Ich fand es auch anstrengend, sich vor der Familie und Freunden ständig rechtfertigen zu müssen.

Als ich die Hürden aber endlich genommen hatte und mein Entschluss endlich fest stand, ging es mir viel besser.

Was hat dir am meisten geholfen?

Im Endeffekt konnte ich mich auf die Unterstützung aus meinem Umfeld verlassen. Vor allem mein Bruder hat mir immer geholfen. Während der Bewerbungen war ich manchmal sehr frustriert und hatte keine Lust mehr. 

Er war immer für mich da und hat mich ermutigt, weiterzumachen. Dranzubleiben, weil es sich lohnt – daran musste ich zwischendurch immer mal wieder erinnert werden. 

Wie geht es dir heute?

Mir geht es super gut. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass der Studienabbruch die beste Entscheidung war, die ich je getroffen habe. Ich mag meinen Betrieb, meine Kollegen und den Job an sich wirklich gerne. 

Ich arbeite nicht in einem klassischen Reisebüro, sondern in einer Online-Agentur. Das heißt, dass unsere Kunden uns E-Mails schreiben oder anrufen. Das passt super zu mir, weil ich selbst sehr online-affin bin und denke, dass das Internet eine tolle Kommunikationsplattform ist. Wenn der Kunde vor einem im Reisebüro sitzt, steht man irgendwie unter dem Druck, sofort ein Ergebnis präsentieren zu müssen. Ich kann mir die Zeit nehmen, vielleicht nochmal was anderes auszuprobieren, um die Route zu optimieren.

Wir verkaufen außerdem keine Pauschalreisen. Zu uns kommen viele junge Backpacker, die die Welt erkunden wollen. Damit kann ich mich zu 100 Prozent identifizieren und gehe deshalb total motiviert an die Planung der Reiserouten.

Ich bin jetzt 27 Jahre und könnte mir gar nicht mehr vorstellen, wieder zu studieren. Ich hoffe sehr, dass ich nach der Ausbildung übernommen werde.


Fühlen

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