Diskussionsrunden und Gruppenarbeiten kommen im Studium oft vor. Im Team kommt man auf die interessantesten neuen Ideen und Gedanken – denken sich Lehrende jedenfalls. 

Denn es fängt bereits in der Schule an: Laut einer Studie benutzt die Hälfte aller Pädagogen Gruppenarbeit im Unterricht. Das ist mehr als der Durchschnitt. Und überdurchschnittlich vielen Schülerinnen und Schülern mache diese Form der Arbeit sogar Spaß. (SPIEGEL)

In der Uni ändern viele Studierende ihre Meinung zu Gruppenarbeiten. Sobald ein Konkurrenzdenken um Punkte und Noten entsteht, sind Teamarbeiten häufig anstrengend – vor allem für Menschen, die eher schüchtern sind und Angst haben, dass ihre Ideen in der Masse untergehen.

Wie schafft man es, sich in Diskussionen und Gruppenarbeiten besser durchzusetzen?

Campus Coach

In der ersten Woche deines Studiums, der Orientierungswoche, lernst du allerlei Nützliches: Wie du deinen Stundenplan zusammenstellst, wo die Mensa ist oder wie du dir Bücher in der Bibliothek ausleihst. 

Am Campus findest du dich schnell zurecht, aber dann warten erst die richtigen Herausforderungen auf dich: Wie löst du Konflikte mit Dozentinnen oder Kommilitonen? Wie motivierst du dich über mehrere Wochen für die Hausarbeit? 

Wir unterstützen dich in deinem Studien-Alltag und reden mit Expertinnen und Experten über Tipps für jede noch so verfahrene Situation an der Uni.

Das haben wir zwei Expertinnen für Durchsetzungsvermögen gefragt.

  • Ulrike Nespital arbeitet am Zentrum für fremdsprachliche und berufsfeldorientierte Kompetenzen (ZfbK) der Universität Gießen und ist im Bereich Außerfachliche Kompetenzen Expertin für mündliche Kommunikation und Konfliktberatung.
  • Nives Bercht ist Wendo-Trainerin in Berlin, gibt Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskurse sowie spezielle Empowerment-Seminare für Studentinnen an verschiedenen Hochschulen.

1 Bereite dich vor:

"Wenn man vorbereitet in eine Diskussion geht und sich seinem Ziel bewusst ist, stärkt das das Selbstvertrauen und damit auch das ganze Auftreten", sagt Selbstbehauptungs-Trainerin Nives. Sie rät deshalb, mit einem klaren Zielgedanken (Was ist mir bei diesem Thema wirklich wichtig?) und vorbereiteten Stichworten in die Diskussion zu gehen.

"Viele neigen dazu, in Diskussionen erst mal viel zu reden. Oft drehen sie sich dabei aber argumentativ im Kreis und haben ihre Zuhörer längst verloren", erklärt Nespital. Sie empfiehlt für Diskussionen die "Fünf-Satz-Technik". Sie geht auf den Sprechwissenschaftler Hellmut Geißner zurück und wird verwendet, um Argumente besser auf den Punkt zu bringen. Sie rät, seine Gedanken in der Fünf-Satz-Technik aufzubereiten und in Stichworten zu notieren – zum Beispiel so: 

  1. Einstiegssatz (Warum spreche ich (jetzt)?)
  2. Erklärungssatz 1 (Pro-Argument) 
  3. Erklärungssatz 2 (Contra-Argument) 
  4. Erklärungssatz 3 (Pro-Contra-Abwägung und Positionierung) 
  5. Zwecksatz/Pointe (Darum fordere ich...) 

oder

  1. Einstiegssatz (Warum spreche ich (jetzt)?)
  2. Erklärungssatz 1 (Argument)
  3. Erklärungssatz 2 (Veranschaulichung durch Beispiel)
  4. Erklärungssatz 3 (Folge/Konsequenz)
  5. Zwecksatz/Pointe (Darum fordere ich...) 

So lassen sich die Überlegungen besser strukturieren – wodurch man seinen Argumenten mehr Gehalt verleihen und verhindern kann, dass man unterbrochen wird.

2 Lenke die Aufmerksamkeit auf dich:

Nicht immer gibt es eine Gesprächsleitung, die einem das Wort erteilt. Meistens muss man sich irgendwie durchsetzen. Aber wie? "Durch körperliche und stimmliche Präsenz", sagt Sprechwissenschaftlerin Nespital. Eine aufrechte Haltung, zurückgezogene Schultern und ein fester Stand können dabei helfen. Außerdem sollte die eigene Stimme angemessen laut und klar sein.

Wenn du etwas sagen möchtest, aber nicht weißt, wie du das Gespräch zu dir lenken sollst, platziere eine überleitende Frage: "Habe ich dich da richtig verstanden?" Stell eine inhaltliche Frage und schiebe dein Argument gleich hinterher.  "Wer viel fragt, kann das Gespräch lenken", rät Nespital. "Kopfschütteln oder Nicken sind auch effektive Mittel, Aufmerksamkeit zu bekommen." Du kannst auch Signale senden, dass du etwas sagen möchtest: Wenn du zurückgelehnt gesessen hast, richte dich demonstrativ auf, melde oder räuspere dich, suche Blickkontakt. 

3 So hältst du die Aufmerksamkeit:

"Viele sagen immer wieder das gleiche, nur in anderen Worten", erklärt Nespital. Sortiere deinen Argumentationsaufbau, so dass du hörerorientiert und strukturiert sprichst. Vermeide Redundanz und Ausschweifungen. Wer selbst motiviert und interessiert ist, hält eher die Aufmerksamkeit bei sich. Kleine Fragen wie "Weißt du, was ich meine?" oder "Hast du davon schon mal gehört?" halten deine Redebeiträge für die Zuhörer lebendiger und sorgen dafür, dass man dich eher ausreden lässt.

4 Für Hartnäckige: Irritiere deine "Gegner".

Die Diskussion ist in vollem Gang, jeder unterbricht jeden und du kommst trotz Räuspern und Kopfschütteln einfach nicht zu Wort. Nives empfiehlt eine Maßnahme aus der Selbstverteidigung, die sich auch in der Diskussionsrunde anwenden lässt: Irritation. 

Auf der Straße bei der Selbstverteidigung hieße das zum Beispiel, dass du extra laut "Feuer!" brüllst und mit dem Fuß aufstampfst, wenn du bedrängt wirst. Das irritiert deinen Angreifer, so dass er vielleicht stockt und du Zeit zum Weglaufen bekommst.

Auf die Diskussionsrunde angewendet, könntest du deine Gesprächspartner irritieren, indem du zum Beispiel kurz in die Hände klatschst oder mit einem Löffel gegen ein Glas schlägst und so die Aufmerksamkeit auf dich lenkst.

5 Achte auf deine Stimme.

Beide Expertinnen wissen aus ihrer Berufserfahrung, dass viele Menschen oft plötzlich höher, undeutlicher und leiser sprechen, wenn sie aufgeregt sind. Andere erkennen das als Unsicherheit, bewusst oder unbewusst, und neigen dann eher dazu, diese Menschen zu unterbrechen.

Männer haben dagegen von Natur aus eine tiefere Stimme, die durchdringungsfähiger sei als hohe Stimmen von vielen Frauen, erklärt Nespital. Und sie neigen eher dazu, andere zu unterbrechen und energischer zu diskutieren – was Frauen häufiger mit sich machen lassen, wie mehrere Studien (zum Beispiel diese) zeigen. 

Da helfe tatsächlich nur Training, sagt Nespital. In der Vorbereitung auf die Diskussion, könne man zum Beispiel zählen, bis man seine mittlere Sprechstimme wiedergefunden hat, rät sie. In der Situation selbst bliebe einem nur, bewusst auf seine Stimme zu achten. Gegen das Unterbrechen helfe, den Unterbrecher direkt darauf hinzuweisen, dass man noch nicht fertig sei. 

Interessant: "Eine Studie hat gezeigt, dass in Ländern, in denen die Gleichberechtigung der Frau weit fortgeschritten ist, die Frauen mit einer tieferen Stimme sprechen", erzählt Nives. Körperliche oder hormonelle Ursachen konnten in der Studie ausgeschlossen werden, man vermutet, es liege daran, dass Frauen heute selbstbewusster und beruflich erfolgreicher sind. (Tagesspiegel)

6 Tu so, als seist du selbstbewusst – dann wirst du es auch.

"Emotionen haben Wirkung auf die Körpersprache, aber auch umgekehrt", erklärt Nives. Stell dir zum Beispiel vor, um dich herum sei sehr viel Raum – und den nimmst du auch ein. Denn dann wirke man auch nach außen viel präsenter und selbstbewusster.

"Das ist aber keine Einbahnstraße, die nur von innen nach außen führt", ergänzt sie. Wer auf eine selbstbewusste Körperhaltung achtet, wird mit der Zeit auch innerlich selbstbewusster und sicherer. Also: Brustbein anheben, Schultern nach hinten.

7 Steigere dich.

Schüchternen Menschen fällt es oft sehr schwer, sich in Diskussionen einzubringen. Dagegen hilft nur Übung. "Beginne im Vertrauten", rät Nespital. Ergreife häufiger das Wort, wenn du mit deiner Familie oder Freunden zusammen sitzt, und teile mit, was du über ein Thema denkst. Steigere dich dann, indem du auch bei Menschen, die du nicht so gut kennst, zum Beispiel in Seminaren, mehr Redebeiträge bringst. Irgendwann fallen dir Diskussionen viel leichter.


Fühlen

"Be a Lady They Said": Warum das Cynthia-Nixon-Video kein Feminismus ist
Bei dem viralen Video "Be a Lady They Said" geht es nicht nur um Empowerment für Frauen - sondern um Profit für ein Modemagazin.

Mal wieder geht ein Werbevideo mit feministischen Inhalten viral. Die Sex-and-the-City-Schauspielerin und Politikerin Cynthia Nixon spricht einen – zugegebenermaßen ziemlich packenden - Text ein, den ursprünglich eine 22-jährige Studentin auf ihrem Blog veröffentlicht hatte. Dazu sieht man Models in teuren Klamotten, die sich zwar theatralisch die Schminke abwischen, dabei aber eben immer noch ihren Job machen: nämlich unseren absurden westlichen Schönheitsidealen entsprechen. Das Ganze ist Werbung für das Hochglanz-Modemagazin "Girls. Girls. Girls". Und alle feiern es.

Hier kannst du dir das Video anschauen: