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Eine Studie zeigt, welche Vorteile Sex-Roboter haben – und welche Risiken es gibt.

Brauchen wir irgendwann keine anderen Menschen mehr, um Sex zu haben?

Wer allein im Bett liegt, muss schon lange nicht mehr nur auf die eigenen Hände zurückgreifen. Schließlich gibt es Dildos und künstliche VaginasVirtual-Reality-Pornos, Sex-Puppen – und bald wahrscheinlich auch Sex-Roboter, menschengleiche Puppen, die sprechen und sich bewegen können. Und die im Bett jeden Wunsch erfüllen.

Erste Prototypen der Sex-Roboter existieren bereits:

  • Die Pornoseite "XHamster" hat eine Puppe entwickelt (sie heißt "XHamsterina"), die angeblich nach den beliebtesten Suchanfragen der Nutzer entwickelt wurde. Sprich: Sie hat große Brüste und blondes Haar. Die Puppe soll umgerechnet etwa 2600 Euro kosten. (iDoll
  • "Harmony" von der Firma Real Doll soll ab Ende 2017 verkauft werden, für 15.000 Dollar (etwa 13.000 Euro) pro Stück. Sie hat lange Beine, große Brüste, eine schlanke Taille – und sie kann sprechen. Zum Beispiel: "Mein Hauptziel ist es, dir eine gute Begleiterin zu sein und Vergnügen zu bereiten." (The Guardian)

Die Macher von "Harmony" sagen, die Sex-Roboter sollen Menschen glücklich machen, ihnen die Gemeinschaft bieten, die sie sonst nicht bekommen würden. Die Maschinen sollen mithilfe künstlicher Intelligenz sogar lernen können, worauf ihr Besitzer steht. Übrigens: Alle Prototypen sind Frauen.

Sieht so die Zukunft unseres Sexlebens aus? Mensch mit Maschine? 

Welchen Einfluss haben Sex-Roboter auf die Nutzer – und auf ihre Weltsicht? Wer kann von ihnen profitieren, für wen stellen sie ein Risiko dar? Werden Beziehungen zu Robotern schon bald Normalität?

Eine Studie der Foundation for Responsible Robotics ist genau diesen Fragen jetzt nachgegangen. Sie gibt einen ersten Einblick in die Sex-Roboter-Welt und ihre Probleme. Die Forscher haben sich vor allem auf die Entwicklungen der kommenden fünf bis zehn Jahre konzentriert.

Das sind die zentralen Ergebnisse der Sex-Roboter-Studie:
1. Es gibt Bedarf für Sex-Roboter – sowohl bei Männern wie Frauen. Allerdings können sich zwei Mal mehr Männer als Frauen vorstellen, Sex mit Robotern zu haben.
2. Den meisten Befragten sei klar, dass Roboter keine Liebe schenken. Sie werden als eine "andere Art Sexspielzeug" wahrgenommen. Eine Schieflage gibt es jedoch:
Schon jetzt bauen einsame Menschen emotionale Bindungen zu Sex-Puppen auf. Die menschliche Fantasie wird also auch die Roboter als Partner annehmen.
3. Der Einsatz von Sex-Robotern wird herkömmliche Bordelle und Dienstleistungen echter Menschen nicht ersetzen. Gegen illegalen Sexhandel helfen sie also nicht.
4. Unklar ist weiterhin, welchen Einfluss Sex-Roboter auf das Geschlechterverhältnis haben werden. Die Meinung der meisten Experten:
Da fast immer Frauen als Sex-Roboter dargestellt werden, schadet das dem Frauenbild – sie werden weiterhin sexualisiert und objektifiziert.
5. Die Verbreitung von Sex_Robotern könnte zu mehr Einsamkeit in der Gesellschaft führen. Einsame Menschen isolieren sich mit ihnen noch mehr, so die Gefahr.
6. Andererseits: Die Roboter könnten sinnvoll in der Sexualtherapie sein. Experten glauben, dass sie Verklemmungen und emotionale Störungen beheben können.
Auch im Umgang mit Behinderten und Älteren sei ihr Einsatz denkbar – er müsste aber von Ethik-Kommissionen besprochen werden.
7. Der größte Knackpunkt der Studie: Können Sex-Roboter helfen, Vergewaltigungen und sexuelle Straftaten zu reduzieren?
Die Autoren sind sich unsicher. Einer kleinen Gruppe helfe der Einsatz sicher, um Nöte und Fantasien abzubauen. Viel größer ist die Gefahr:
Erlaubt man zum Beispiel Sex mit kindlich aussehenden Robotern, normalisiert man so Pädophilie – "und erlaubt Menschen, ihre dunklen Fantasien auszuleben".
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Für ihre Arbeit haben die Forscher mit Experten und Roboterherstellern gesprochen sowie Umfragen aus den USA, Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden ausgewertet. Hier findest du die detaillierten Ergebnisse der Studie.

Gerade der letzte Punkt der Studie – die Normalisierung "dunkler Fantasien" – ruft Kritik hervor. 

Ja, ein Sex-Roboter ist eine Maschine – aber beeinflusst diese Maschine nicht die Sicht, die man auf andere Menschen hat?

Befriedigt ein solcher Roboter Bedürfnisse, oder schürt er sie? Ist es gut, wenn ein Mann Vergewaltigungs-Fantasien mit einer Maschine ausleben kann, oder macht das alles nur noch schlimmer? Und was ist mit Pädophilen

Cathleen Richardson beschäftigt sich mit Roboter-Ethik und sorgt sich um genau solche Fragen. Sie hat daher die Bewegung "Campaign Against Sex Robots" gegründet. Das Ziel: Roboter darf es gerne geben, aber bitte auf keinen Fall in der Sexindustrie.

Sexpuppen des Herstellers RealDolls.(Bild: Getty Images)

Richardson argumentiert, dass die Roboter schon jetzt täuschend echt wie reale Frauen aussehen. Stereotype werden so weitergegeben und zementiert – und auch Rollenmuster verfestigen sich auf diese Weise. "Wir wollen nicht, dass Ungerechtigkeiten reproduziert werden, die das menschliche Miteinander durcheinanderbringen", sagt Richardson.

Der Informatiker Noel Sharkey, einer der Autoren der aktuellen Studie, geht nicht so weit – aber fordert zumindest ein Verbot von Kinderrobotern (BBC). "Wir müssen als Gesellschaft darüber nachdenken, wie wir damit umgehen wollen", sagt Sharkey. 

Denn in Japan werden solche kindlichen Puppen bereits produziert:

Fest steht: Ein Sex-Roboter ist ein Sex-Objekt. Man kann ihn besitzen, er widerspricht nicht, sondern macht, was man will. Das kann dazu führen, dass Nutzer auch echte Frauen objektifizieren und unterdrücken. Ein weiteres Problem: Die Puppen sehen aus wie mit Photoshop aufgehübschte Porno-Stars, nicht wie normale Frauen.

Dadurch erzeugen sie ein Frauenbild, das unrealistischer nicht sein könnte.

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