Bild: Fabian Pfitzinger
Ein neuer Teil zu unserer Serie über Selbstständigkeit

Wer sich selbstständig macht, muss viel organisieren. Was dabei gerne vergessen wird, sind Versicherungen. Plötzlich braucht ihr nicht nur eine Krankenversicherung, sondern auch Versicherungen, die euch vor unternehmerischen Schäden schützen: Euer Büro kann plötzlich abbrennen, vielleicht schadet ihr einem Kunden versehentlich oder ihr fallt krankheitsbedingt aus. Im schlimmsten Fall kann euer Traum von der beruflichen Unabhängigkeit enden, bevor er überhaupt richtig angefangen hat. 

Es kann eine Weile dauern, sich mit den Informationen zurechtzufinden. Das habe ich gemerkt, als ich zum ersten Mal nach "Versicherungen" googelte. 

Wer sich von der Masse an Informationen überfordert fühlt, kann sich auch direkt bei Berufsverbänden erkundigen oder erfahrene Kolleginnen und Kollegen aus der Branche um Hilfe bitten. Gerade am Anfang kann es sich lohnen, sich einmal mit einem professionellen Berater zusammenzusetzen, der eure Berufssituation analysiert. Dabei muss man allerdings vorsichtig sein, denn einige Vertreter arbeiten nur mit bestimmten Versicherungen zusammen, was bedeutet, dass ihr von ihnen möglicherweise keine umfassende Beratung erhaltet. 

Finanzcoach Sven Kesberger aus München bietet für den Verband der Gründer und Selbstständigen regelmäßig Webinare zum Thema Versicherungen an. Jungen Gründern rät er, die Kosten dafür schon beim Businessplan zu berücksichtigen. "Dieser Punkt wird in seinem gesamten Ausmaß häufig vernachlässigt und dann folgt das böse Erwachen", sagt er.

Sich möglichst zeitig mit den geeignetsten Angeboten zu beschäftigen, sei sowohl im Privaten als auch im Geschäftlichen von Vorteil. "Je früher man eine Police abschließt, desto gesünder ist man in der Regel – was die Prämie sinken lässt", sagt er. Doch zu Beginn der Selbstständigkeit reicht das Geld oft nicht für einen umfassenden Versicherungsschutz. "Bei vielen Gesellschaften gibt es deshalb Starter-Angebote, mit denen man zu geringeren Kosten einen Basisschutz erwerben kann, der sich später erweitern lässt", sagt Kesberger. Zusätzlich rät er, in regelmäßigen Abständen die Kosten- und Leistungen der bestehenden Versicherungen mit aktuellen Angeboten zu vergleichen.

Euch nun alle Versicherungen aufzulisten, die für euer Start-Up sinnvoll sein können, würde den Rahmen dieser Kolumne sprengen. Dafür sind die Bedürfnisse und Ansprüche je nach Branche einfach zu verschieden. 

Einige Versicherungen sind jedoch für fast jeden Gründer relevant:

Kranken-und Pflegeversicherung: 

Grundsätzlich ist in Deutschland jeder verpflichtet, eine Krankenversicherung abzuschließen, damit er oder sie im Falle eines Unfalls oder einer Erkrankung Hilfe beim Arzt erhaltet. Das gilt für Selbstständige und Freiberufler genauso. Ob ihr das bei einer gesetzlichen oder privaten Kasse macht, müsst ihr selbst entscheiden. Anders als bei Angestellten hat man mit seinem regulären Versicherungsschutz jedoch nicht automatisch einen Anspruch auf Krankengeld. Dafür muss man bei der gesetzlichen Kasse einen höheren Beitragssatz zahlen, mit dem man ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit Krankengeld bezieht. Das kann schnell existenzbedrohend werden. Ich selbst musste dieses Jahr glücklicherweise noch nicht lange aussetzen, aber mir war schon bei der letzten Erkältung ziemlich mulmig zumute, als mir bewusst wurde, wie viel Geld ich gerade nicht verdiene. Lohnen kann sich deshalb auch eine freiwillige Zusatzversicherung für sogenanntes Krankentagegeld, die eher greift.

Die Pflegeversicherung, die bei einer schweren Krankheit oder nach einem Unfall einspringt, bezahlt eine pflegerische Grundversorgung im Alter. Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung sind automatisch pflegeversichert. Wer privat versichert ist, muss zusätzlich einen Vertrag abschließen.

Kosten: Der Beitragssatz für die gesetzliche Krankenkasse errechnet sich aus eurem jeweiligen Einkommen, wobei es einen Mindest-und einen Höchstsatz gibt. Für freiwillig versicherte Selbstständige beläuft er sich auf 14 Prozent plus Zusatzbeitrag, der je nach Krankenkasse unterschiedlich ist. Der Beitragssatz derjenigen, die einen Anspruch auf Krankengeld ab der siebten Woche der Arbeitsunfähigkeit gewählt haben, liegt bei 14,6 Prozent. Hinzu kommt wieder der kassenindividuelle Zusatzbeitrag. Hier findet ihr einige Rechenbeispiele wie hoch eure Kosten sein können.

Künstlersozialkasse: 

Freiberufler wie ich, die künstlerische oder publizistische Tätigkeiten ausüben, haben einen großen Vorteil: Sie dürfen die Aufnahme in die Künstlersozialkasse (KSK) beantragen. Die KSK bietet selbständigen Künstlern und Publizisten sozialen Schutz in der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Wie Arbeitnehmer zahlen Mitglieder nur etwa die Hälfte der Versicherungsbeiträge, der andere Beitragsanteil wird über die KSK finanziert. Das Verfahren kann sich zum Teil zwar über Monate ziehen, weshalb ich mich erst einmal freiwillig krankenversichern musste. Das war deutlich teurer, doch am Ende lohnt sich das Warten. Außerdem erhält man in der Regel die zu viel gezahlte Differenz ab Antragseingang zurück. 

Kosten: Beträgt dein Jahreseinkommen beispielsweise 10.000 Euro müsstest du laut der Künstlersozialkasse monatlich etwa 150 Euro zahlen. Wie sich das genau zusammensetzt, könnt ihr hier nachlesen.

Berufsunfähigkeitsversicherung: 

Unfälle oder Krankheiten können dazu führen, dass man seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Das ist für Selbstständige besonders prekär. Die Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Rentenversicherung bietet nur eine Grundversorgung, mit der sich der gewohnte Lebensstandard kaum aufrechterhalten lässt. Dagegen kann die Berufsunfähigkeitsversicherung schützen. 

Kosten: Der Beitrag für diese Versicherung richtet sich unter anderem danach, wie hoch das Risiko ist, sich in einem Job zu verletzen. Aber auch das Alter und der Gesundheitszustand der zu versichernden Person sowie die Höhe des Leistungsumfangs spielen eine Rolle. Wäre ich etwa eine 30-jährige Architektin und würde 1500 Euro Rente bis zu meinem 65 Lebensjahr absichern, läge der Beitrag je nach Anbieter bei etwa 45 bis 140 Euro im Monat. Hier lohnt sich also ein ausführlicher Vergleich.

Betriebs- und Berufshaftpflichtversicherung: 

Die Betriebshaftpflichtversicherung springt ein, wenn Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter oder Besucher auf eurem Firmengelände zu Schaden kommen und ihr als Unternehmer dafür haftet. Voraussetzung ist, dass der Schaden entstanden ist, weil ihr selbst oder einer eurer Mitarbeiter einer betrieblichen Tätigkeit nachgegangen ist. Abdeckt sind auch Schäden, die durch das Firmengebäude, die Produktionsstätten oder das Betriebsgelände verursacht werden. Räumt ihr auf eurem Gelände beispielsweise im Winter nicht rechtzeitig die Wege und jemand rutscht aus und verletzt sich dabei, könnte diese Police helfen. Sie lohnt sich deshalb für Gründerinnen und Gründer, die über ein eigenes Firmengelände oder Büro verfügen, wo sie Kunden und Lieferanten empfangen.

Kosten: Auch bei dieser Versicherung kommt es wieder stark darauf an, in welcher Branche ihr tätig seid und was es alles abzusichern gilt. Ein selbstständiger IT-Dienstleister würde monatlich etwa 15 Euro bezahlen.

Betriebsunterbrechungsversicherung:

Ganz ähnlich ist es bei der Betriebsunterbrechungsversicherung. Diese tritt ein, wenn ihr aufgrund von unvorhersehbaren Ereignissen nicht weiterarbeiten könnt, zum Beispiel wenn es einen Brand im Lager gibt oder Naturkatastrophen die Auslieferung der Ware verhindern. Das kann auch Freiberuflern passieren, wenn zum Beispiel in ihrem Büro eingebrochen wurde und sie deshalb nicht weiterarbeiten können. In der Regel übernimmt der Versicherer dann vorübergehend die Löhne, Gehälter, Sozialausgaben, Mieten und den entgangenen Gewinn. 

Kosten: Wieder einmal gilt: Die Beiträge richten sich nach Art und Größe eures Unternehmens

Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung:

Schon ein kleiner Fehler kann in einigen Berufszweigen einen enormen finanziellen Schaden beim Mandanten oder Kunden anrichten, weswegen für einige Selbstständige der Abschluss einer Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung obligatorisch ist. Darunter fallen etwa Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte oder Steuerberaterinnen und Steuerberater.

Kosten: Wie viel eine Vermögensschadenhaftpflicht kostet, hängt vor allem davon ab, wie hoch das Risiko eures Unternehmens ist, einen Schaden zu verursachen. Ich könnte mit einem Artikel beispielsweise Persönlichkeitsrechte verletzen. Bei der Standarddeckungssumme von 100.000 Euro beläuft sich mein Jahresbeitrag auf etwa 140 Euro.

Rentenversicherung:

Gerade junge Gründer vernachlässigen das Thema Altersvorsorge häufig – zum Teil mit fatalen Folgen: „Die Zahlungen sollte man wirklich aufrechterhalten, wenn man das Angestelltenverhältnis verlässt und auch über zusätzliche Möglichkeiten nachdenken“, rät Finanzcoach Sven Kesberger. Anders als die Krankenversicherung ist die Rentenversicherung in Deutschland keine Pflichtversicherung, wobei manche Freiberufler trotzdem per Gesetz verpflichtet sind, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Das gilt zum Beispiel für Bildungs- und Pflegeberufe.

Kosten: Wie ihr eure Altersvorsorge gestaltet, ist euch selbst überlassen. Ihr könnt freiwilliges Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung werden, eine private Rentenversicherung wählen oder euch für eine Kombination beider Modelle entscheiden. So habe ich es gemacht.

In der nächsten Folge wird es wieder etwas emotionaler und persönlicher: Es geht um die Frage, wie man mit Rückschlägen umgeht und ob man akzeptieren muss, dass die Selbstständigkeit ein permanentes Auf und Ab ist. 


Fühlen

Ich habe einen Monat lang nicht gejammert
Jetzt weiß ich, wann Nörgeln und Wehklagen wirklich sinnvoll sind.

Als Kind war ich bekannt für meinen durchdringenden Jammerton. Meine Mutter beschreibt ihn als "langgezogen klagend". Und nicht nur sie bemerkte meine Vorliebe fürs Jammern. Unter Bekannten wurde es so etwas wie mein Markenzeichen. Inzwischen ist das zum Glück nicht mehr so – ich würde sagen, ich jammere durchschnittlich viel.

Aber vielleicht bin ich durch meine spezielle Beziehung zum Jammern besonders neugierig, als ich im Internet von einer "Jammerfasten"-Challenge lese. 

Das Prinzip ist einfach: 16 Tage nicht jammern. Ein Achtsamkeits-Coach, Peter Beer, bietet kostenlose Videos an, mit denen er Interessierte durch die Challenge führt, jeden Tag eine Lektion. Dabei geht es nicht nur ums Jammern, sondern auch ums Lästern, Nörgeln und Schimpfen. Laut oder in Gedanken. Ich beschließe, gleich einen Monat daraus zu machen. Ich will wissen, ob ich das kann.