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Sören erzählt, welche besonderen Fähigkeiten man als Scrum Master braucht und wie viel man in diesem Job verdient.

Berufe so erklärt, dass auch deine Eltern sie verstehen

Als wir klein waren, fragten unsere Eltern, was wir werden wollen. Feuerwehrmann vielleicht? Oder Lehrerin? Traditionsberufe, unter denen sich jeder etwas vorstellen kann. Nun haben wir Berufe mit Namen wie Data Scientist oder Junior SEO Analyst. Und unsere Eltern fragen ratlos: Was machst du eigentlich? In dieser Reihe erklären wir es ihnen.

Sören Krüger, 30, ist Scrum Master in einem IT-Unternehmen.

bento: Sören, wie haben deine Eltern reagiert, als du sagtest, dass du Scrum Master wirst?

Sören Krüger: Meine Eltern haben überhaupt nicht gewusst, was das ist. Ich habe versucht, es mit dem Begriff "Teamleiter" zu übersetzen, obwohl es das eigentlich nicht trifft. Inzwischen habe ich ihnen mehr von meinem Job erzählt, aber ich glaube, so richtig verstanden haben sie es noch nicht.

bento: Und was machst du genau?

Sören: Ich helfe dabei, agile Arbeitsprozesse nach der Scrum-Methode einzuführen und umzusetzen. Ich bin dabei für zwei Bereiche zuständig, für die Menschen und für den Prozess. 

Was ist Scrum?

Scrum ist eine Arbeitsmethode, die in vielen Unternehmen vor allem in der IT angewendet wird. Sie ermöglicht flexibles, selbstbestimmtes Arbeiten ohne Hierarchien.

Aufgaben, wie die Entwicklung eines Programmes oder die Behebung diverser Bugs, werden in Sprints unterteilt. Diese Sprints sind für gewöhnlich zwei Wochen lang. Am Ende des Sprints müssen die Aufgaben erledigt sein – es ist dem Team überlassen, wie es das schafft. 

Im Scrum gibt es drei Rollen (wichtig: keine hierarchische Anordnung):

  • Product Owner: organisiert die Aufgaben, stellt fachliche Anforderungen und priorisiert sie
  • Scrum Master / Agile Coach: managt den Prozess, sorgt für einen reibungslosen Ablauf, schaut, ob Regeln eingehalten werden
  • Entwicklungsteam: entwickelt das Produkt

Mehr Infos und Details im offiziellen Scrum-Guide.

Ich helfe unter anderem dem Entwicklerteam dabei, sich selbst zu organisieren. Ich bin Ansprechpartner bei Problemen, sowohl zwischenmenschlich, als auch organisatorisch. Ich unterstütze auch beim Organisieren und der Vorbereitung von Meetings. Und ich helfe dem Unternehmen dabei, die agilen Arbeitsprozesse zu verstehen.

Im Bereich Prozess geht es darum, ob die Meetings nach den Scrum-Regeln ablaufen, was zum Beispiel die Inhalte und die Dauer von Meetings angeht. 

bento: Und warum ist dein Job wichtig?

Sören: Ich bin fest davon überzeugt, dass agiles Arbeiten die Zukunft bestimmt. Gerade die jungen Generationen wollen flexibel und selbstbestimmt arbeiten. Ich finde, Scrum passt dazu. Wie man ein selbst gestecktes Ziel erreicht, ist dabei völlig dem Team überlassen und keiner höheren Instanz. 

bento: Aber Scrum hat feste Regeln und Rollen – das klingt eher fremd- als selbstbestimmt.

Sören: Scrum gibt mit seinen Rollen, Werten und Ereignissen einen Rahmen. Aber innerhalb dieses Rahmens bist du viel freier und selbstbestimmter als in klassischen Arbeitsmethoden.

Der Product Owner entscheidet, was wann getan werden soll. Das Entwicklerteam entscheidet wie und wie viel getan wird. Um diese beiden Welten zusammen zu bringen, vermittele ich zwischen den Bedürfnissen. Das bedeutet, dass nicht eine Person alles entscheidet. Das gesamte Team hat aktives Mitspracherecht und trägt dabei eine gemeinsame Verantwortung für den Erfolg. 

bento: Okay. Wie sieht ein typischer Arbeitstag von dir aus?

Sören: Das ist schwer zu sagen. Es gibt eigentlich nur einen Tag mit einem festen Ablauf: Wenn wir einen Sprint beenden und den nächsten beginnen. Das sind dann ein oder zwei Tage, an denen wir das fertige Produkt vorstellen, das nächste Projekt planen und in der Retrospektive zurückblicken, wie der letzte Sprint für uns war, und was wir im nächsten besser machen können – organisatorisch und zwischenmenschlich.

Alle anderen Tage sind extrem unterschiedlich, außer in einem Aspekt: dem Daily Scrum, also dem täglichen 15-minütigen Morgenmeeting, in dem jedes Teammitglied sagt, was es gestern erreicht hat und was es heute erreichen will.

bento: Was machst du dann während eines Sprints, während das Team entwickelt?

Sören: Das, was ansteht. Ich bin zum Beispiel viel mit Problemlösungen beschäftigt. Wird ein Entwickler von seiner Arbeit abgelenkt, weil kurzfristig jemand andere Dinge von ihm will, die nicht eingeplant waren, rede ich mit den Beteiligten. Im Zweifelsfall halte ich Aufgaben, die nicht zu unserem Ziel passen, vom Team fern. Die Idee dabei ist, dass das Team fokussiert und ohne Ablenkung arbeiten kann und sich nicht noch um interne Politik kümmern muss. 

Ich unterstütze den Product Owner und das Entwicklerteam wo ich kann – aber immer mit dem Ziel, dass sie sich in Zukunft auch selbst helfen können. Jeder ist angehalten, das Team und den Prozess besser zu machen.

bento: Das klingt ganz schön pädagogisch. Was hast du gelernt, um Scrum Master zu werden? 

Sören: Das soll auf keinen Fall pädagogisch sein. Ich stehe nicht über irgendjemandem, im Scrum gibt es keine Hierarchien. Es geht lediglich um ein Coaching. Das Team muss meinen Vorschlägen und Ideen nicht folgen.

Ganz ursprünglich habe ich Mediengestalter gelernt, war damit aber nicht glücklich und habe dann noch Media Management studiert. Das ist eine Mischung aus Design, Technik und BWL. Innerhalb des Studiums habe ich einiges zu Projektleitungen gelernt, auch Scrum war Thema, und das gefiel mir einfach am besten. Ich bin dann während meines ersten Jobs als Projektmanager durch interne und externe Schulungen zertifizierter Scrum Master geworden. Es gibt verschiedene Modelle, um Scrum Master zu werden, vom Online-Fragebogen bis zu Seminaren ist alles dabei. 

bento: Welche besonderen Fähigkeiten braucht man für den Job?

Sören: Empathie ist ganz wichtig, denn man arbeitet sehr viel mit Menschen zusammen. Und eine gesunde Selbstreflektion. Man sollte offen für Kritik sein – nicht nur in der regelmäßigen Retrospektive. Nicht jede Maßnahme funktioniert für jedes Team, damit muss man lernen umzugehen.

Und ganz wichtig ist auch Bescheidenheit: Ein erfolgreicher Sprint ist das Werk des kompletten Scrum-Teams, nicht des einzelnen. 

bento: Ist der Job überall gleich?

Sören: Je nachdem, was die Ziele des Unternehmens sind und wie hierarchisch es aufgebaut ist oder war, kann der Job sehr unterschiedlich ausfallen. Wie schon erwähnt, bietet Scrum nur ein kleines Rahmenwerk mit viel Interpretationsspielraum.

bento: Wie viel verdient man als Scrum Master?

Sören: Je nach Berufserfahrung und in welchem Unternehmensumfeld man sich bewegt, sind Gehälter von 40.000 bis 80.000 Euro brutto im Jahr möglich.

bento: Macht es dir Spaß?

Sören: Auf jeden Fall, sehr viel Spaß sogar. Gerade weil ich morgens noch nicht weiß, was am Tag auf mich zukommt. Das liebe ich.


Fühlen

Tim benutzt fast nie ein Kondom. Heute lässt er sich auf Geschlechtskrankheiten testen
Über Verhütung hat er sich nie viele Gedanken gemacht.

Donnerstagmorgen, 9 Uhr. Vorlesungen um diese Zeit würde Tim schwänzen, aber heute hat er einen wichtigen Termin. Er sitzt auf einem Hartplastikstuhl im Wartebereich des Zentrums für sexuelle Gesundheit in Bochum und will wissen, ob er HIV-positiv ist oder andere Geschlechtskrankheiten hat. "Das habe ich lange vor mir hergeschoben", sagt Tim.

Tim ist 26, heterosexuell und schläft gerne mit Frauen, die er nicht so gut kennt. Manchmal sind das One-Night-Stands, mit einigen trifft er sich öfter. Häufig parallel mit mehreren. Ein Kondom benutzt er nur, wenn seine Sexpartnerin darauf besteht. "Das machen die wenigsten", sagt er. 

Was sexuell übertragbare Infektionen (STI) angeht, ist er sich weder über seinen noch den Status der Frauen sicher.