Der Gedächtnisweltmeister Johannes Mallow verrät Tricks für die Prüfungsphase.

Jedes Semester das Gleiche. Zwei Mal im Jahr bricht bei Studierenden Panik aus, wenn die Prüfungsphase ansteht. Man macht sich den ganzen Tag Gedanken darüber, wie viel Stoff noch vor einem liegt und schreibt sich Dutzende To-do-Listen, wann man wie lange was lernen will – am Ende liegt man dann völlig desillusioniert im Bett, weil der Berg an Lernstoff wie der Mount Everest wirkt, den es ohne Ausrüstung und Sauerstoffgerät zu überwinden gilt. Die Folgen: Netflix-Marathon, frustrierte Telefonate mit den Eltern und, am schlimmsten, noch mehr Stress.

Wer das Lernen zu lange aufschiebt, muss vor einer Prüfung sehr viele Dinge in sehr kurzer Zeit in sein Gehirn prügeln. Aber wie klappt das am besten?

Wer wüsste besser als Gedächtnisweltmeister Johannes Mallow, wie man sich schnell viel merken kann? Wir haben mit ihm gesprochen.

Dr. Johannes Mallow

38 Jahre alt. Seit seinem 14. Lebensjahr lebt er mit der Muskelerkrankung FSHD, die seinen Körper zusehends schwächt. Seinen Geist zu trainieren, war ihm deswegen umso wichtiger. Studium der Informationstechnologie sowie der Philosophie und Soziologie. Erste Gedächtnismeisterschaft 2004. Vier Jahre später erstmals deutscher Gedächtnismeister. 2012 Weltmeister, 2018 im neu gegründeten Gedächtnissportverband nochmals WM-Sieg.

Seit 2015 selbstständig als Coach. In seinem Job bringt er Leuten Gedächtnistechniken bei, zeigt ihnen, wie sie besser lernen können, gibt ihnen Empfehlungen zum freien Sprechen und arbeitet mit Studentinnen und Studenten zusammen, die vor großen Prüfungen stehen.    

bento: Wie viel kann man an einem Tag lernen?

Johannes: Das kann man pauschal nicht sagen. Bei Studierenden ist der Stoff in jedem Fach unterschiedlich. Mit bestimmten Techniken können sich die Besten der Welt in 15 Minuten 300 Wörter in der richtigen Reihenfolge merken. Das sollte für alle eine Motivation sein – auch, wenn man dafür viel Training benötigt.

bento: Wie kann man das üben?

Johannes: Die meisten Techniken basieren darauf, sich etwas bildlich vorzustellen und sich eine Geschichte zu merken, ähnlich wie bei einer Eselsbrücke. Es gibt etwa die Loci-Methode. Dabei stellt man sich zum Beispiel den Weg durch die eigene Wohnung vor und sucht sich 20 Punkte, an denen man gedanklich etwas ablegt.

bento: Ist das nicht kompliziert?

Johannes: Man lernt das schnell. Zum Beispiel den Einkaufszettel kann man sich so merken. Sagen wir, ich brauche Bananen, Eier und Käse. Die Tür ist der erste Merkpunkt. Dann stelle ich mir vor, dass die Türklinke eine Banane ist. Als nächstes kommt die Garderobe. An den Haken könnten Eier aufgespießt sein und eine riesige Sauerei verursachen. Im Gang steht dann ein Stuhl aus Käse, mit den charakteristischen Löchern. Steht man im Supermarkt und geht den Weg nochmal durch, fallen einem die Dinge wieder ein.

bento: Und wie können Studierende während der Prüfungsphase sich möglichst schnell viele Dinge merken?

Johannes: Wenn ich vor Prüfungen mit Studierenden arbeite, üben wir das bildliche Vorstellen, wie ich es gerade schon beschrieben habe. Die Technik braucht aber etwas Routine. Eine Woche vor der Prüfung von Null zu starten, ist wie eine Woche vor einem Konzert anzufangen, Geige zu spielen. Wer es öfter probiert, merkt aber schnell Fortschritte.

bento: Es gibt kein Erfolgsrezept zum Bulimielernen? Schade.

Johannes: Einsteigern würde ich empfehlen, die Loci-Technik erst mal für Bereiche anzuwenden, die man sich überhaupt nicht merken kann. Den Rest des Stoffs sollte man wie gewohnt pauken. Alles auf einmal mit der neuen Methode zu lernen, funktioniert am Anfang nicht. Ein Mix kann aber durchaus kurzfristig helfen. Außerdem würde ich empfehlen, mit der sogenannten Pomodore-Technik zu lernen. 

bento: Wie funktioniert das?

Johannes: Man stellt sich einen Wecker auf 25 Minuten. In der Zeit schaltet man sein Handy aus, geht nicht in die Küche und steht nicht auf. Man lernt einfach nur. Anschließend macht man fünf Minuten Pause. Dann lernt man wieder 25 Minuten. Nach vier Einheiten kann man dann mal 20 Minuten Pause machen. So bekommt das Gehirn den Stoff in kleinen Häppchen serviert und man ist nicht von vornherein gehemmt, weil einem zehn Stunden Lernen am Stück bevorstehen.

bento: Die meisten Studierenden lernen nur auf den Klausurtermin hin, danach ist die Veranstaltung für sie abgeschlossen und das Wissen nicht mehr wichtig. Sie vergessen dann das meiste. Kann man etwas dagegen tun?

Johannes: Das Gehirn ist so aufgebaut, dass es Dinge vergisst, sonst würde man verrückt werden. Wenn man eine Gedächtnistechnik benutzt, kann man sich die Sachen automatisch etwas länger merken. Um etwas überhaupt nicht zu vergessen, muss man es regelmäßig wiederholen. Es gibt eine Daumenregel: Man sollte etwas Gelerntes nach einer Stunde wiederholen, dann nach einem Tag, einer Woche und einem Monat. So kann man sich Dinge auf eine effektive Art und Weise lange merken, ohne zu viel Zeit dafür zu verschwenden.

bento: Kommt es auch mal vor, dass dir etwas nicht einfällt, was du eigentlich gelernt hast?

Johannes: Ich war 2016 bei einer Fernsehshow im ZDF. Dort wollte ich mir in eineinhalb Stunden die Flugdaten der letzten Reisen von 100 Zuschauern merken. Also Name, Abflug- und Ankunftszeit, Zielflughafen und Flugnummer. Moderator Steven Gätjen hat fünf Leute als Stichprobe herausgepickt. Ich hatte vier komplett richtig, aber bei einer Frau konnte ich mich einfach nicht an den Zielflughafen erinnern. Ich hatte nur vor Augen, dass sie irgendwie heraussticht, wie ein Model. Nach einer Zeit haben wir den Versuch dann beendet. Es stellte sich heraus, dass sie aus Posen in Polen kam. Mein innerliches Bild hat mit der Stadt das Posen eines Models verbunden. Als ich das gehört habe, fiel mir alles wieder ein. Ich hatte einen Blackout.

bento: Was kann man gegen Blackouts bei Prüfungen tun?

Johannes: Man sollte logischerweise einfach gut lernen und vor der Klausur auf jeden Fall versuchen, runterzukommen. Ich stelle mir immer vor, dass ich zu Hause am Schreibtisch sitze. Da bin ich ruhig und entspannt. Ich fühle regelrecht die Tischplatte und höre die nervigen Vögel draußen. Das Gehirn schaltet in einen entspannten Modus. Der häufigste Grund für einen Blackout ist großer Stress.

bento: Ein Gedächtniswettkampf dauert manchmal den ganzen Tag. Wie schaffst du es, die ganze Zeit geistig fit zu bleiben?

Johannes: Es ist wichtig, regelmäßig zu trinken und zwischendurch mal Nüsse oder ein Stück Schokolade zu naschen. Außerdem sollte man eher leichte Sachen essen, statt einem Steak mit Kartoffeln eher einen Salat mit Feta. So mache ich das auch. Man kann auch Tee oder Kaffee trinken, um sich zu aktivieren. Außerdem sollte man darauf achten, an die frische Luft zu gehen, wenn man fünf Minuten Pause macht. Es sind die kleinen Dinge, die man oft vergisst. Notfalls muss man einen Wecker stellen, der einen ans Trinken erinnert. Das Gehirn ist faul, man muss es immer wieder erinnern. So entstehen Routinen.


Fühlen

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