Der erste Teil unserer Serie "So wird (nie) was aus dir!"

Duc-Anh, von allen nur Duke genannt, ist 24 und hat schon an großen Kinoproduktionen mitgearbeitet. Irgendwann will er seine eigenen Filme auf die Leinwand bringen. Duke hat kurz vorm Abi die Schule geschmissen. Es kommt nicht auf Noten an, sagt er – worauf dann, erzählt er hier. 

In der zwölften Klasse dachte ich mir: Jetzt reichts, ich muss raus hier. Ich brach die Schule ab. Alles, was ich wollte, war Filme machen.

So wird (nie) was aus dir!

Das Abi ging daneben, mehr als eine 3,6 war nicht drin, oder es hat mit dem Abschluss gar nicht geklappt – das passiert. Nicht wenige schmeißen noch vor dem Schulabschluss hin. Etwa 50.000 Schülerinnen und Schüler verlassen im Jahr die Schule ganz ohne Abschluss (Spiegel Online). 

Von Eltern oder Lehrern kommen Sprüche wie: "Dann hast du doch keine Perspektive", oder: "Aus dir wird nie was".

Aber auch mit schlechtem Abi oder ohne Abschluss lassen sich berufliche Träume und Ziele verwirklichen. In dieser Serie erzählen uns Menschen, wie sie es geschafft haben, erfolgreich zu sein – obwohl viele es ihnen nie zugetraut haben. 

Wenn ich heute auf meine Schulzeit zurückschaue, denke ich: Ich habe mich immer nur so durchgekämpft. Mathe oder Fremdsprachen, für die ich nicht so viel lernen musste, waren noch okay – für Lernfächer wie Erdkunde oder Bio war ich zu faul. Dementsprechend waren auch meine Noten. Ich war häufig das Sorgenkind, das gerade so mit einer 4- durchkam. Ein ganz langes Minus. 

In der Oberstufe wurde das nur noch schlimmer. Ich quälte mich in den Unterricht, manchmal schwänzte ich. Ich interessierte mich für nichts mehr. Jedenfalls für nichts, was in der Schule Thema war. Außer für Filme.

Schon mit fünf oder sechs liebte ich die Jackie-Chan-Filme. Die Aufmachung, die Inszenierung und die Action faszinierten mich. Wenn im Film irgendwas in die Luft ging, saß ich staunend vor dem Fernseher. Als ich später "Inception" mit Leonardo DiCaprio sah, war ich überwältigt und dachte mir: So ein Kunstwerk will ich auch erschaffen.

Ungefähr ab der elften Klasse war ich mir sicher, dass ich Filme machen will. Ich wusste, dass ich für Filmhochschulen nicht zwingend ein Abitur brauchen würde. Da war für mich klar: Jetzt bin ich weg. Den schulischen Teil der Fachhochschulreife hatte ich ja in der Tasche. 3,3 war mein Schnitt. Nicht atemberaubend, aber Hauptsache bestanden.

Das war ein befreiendes Gefühl. Endlich keine Kursarbeiten, keine Hausaufgaben mehr. Ich konnte machen, was ich wirklich wollte.

Wie sah dein Weg aus?

Nachdem ich ein Jahr lang bei einer Videoproduktionsfirma gejobbt hatte, machte ich in Wiesbaden und Frankfurt mein erstes Set-Praktikum bei einer Vorabend-Krimiserie. Ich hatte dort nicht mal eine richtige Bewerbung hingeschickt, einfach eine E-Mail: "Hey, ich habe Bock, mitzumachen." 

So einfach läuft das in der Branche. 

Es kommt weniger auf die Noten an als vielmehr aufs Können, auf die Kontakte. Und auf Glück.

Nach einem Abiturzeugnis fragte nie jemand. Bei der Bank oder für ein Medizinstudium wäre das vielleicht anders, in der Filmbranche nicht. 

Nach dem Set-Praktikum probierte ich mich in unterschiedlichen Positionen aus. Ich war Produktionsfahrer oder zweiter Regieassistent. Als Produktionsfahrer ist man beispielsweise dafür zuständig, die Schauspieler abzuholen und von Set zu Set zu fahren. Als Regieassistent betreut und inszeniert man Komparsen und Kleindarsteller.

Ein paar Wochen, nachdem ich am Set eines Kinofilms mitgearbeitet hatte, kam ein Anruf des Regieassistenten: "Ich habe ein großes Projekt in Berlin. Willst du mitmachen?" 

Natürlich wollte ich.   

Das war wohl bisher meine spannendste Erfahrung. Es ging um eine kanadisch-französisch-deutsche Ko-Produktion. Ich war ganz unten in der Kette, der Assistent des Assistenten des Assistenten. Aber es war mein erstes internationales Projekt. Gleich am ersten Drehtag wurde im Stadion eine Massenszene mit 300 Komparsen gedreht. Bei deutschen Produktionen hat man sonst vielleicht mal 30 oder 40 Statisten.

Was sind deine Ziele für die Zukunft?

Ich will selbst Regie führen, ich will an oberster Stelle stehen. Zwei eigene Kurzfilme habe ich bisher als Regisseur gedreht. Den ersten drehten wir im vergangenen Dezember mit einem 20-köpfigen Team innerhalb eines Tages in einer Toilette. Der Film spielt komplett dort. 

Am Set schauten mich alle Schauspieler erwartungsvoll an, als Regisseur hatte ich ja die Ansagen zu machen. Das war ungewohnt.

Aber das ist das, was ich machen will. Ab nächstem Jahr würde ich gern Regie an einer Filmhochschule studieren. Man muss ein hartes Verfahren bestehen, auf ein paar wenige Plätze kommen Hunderte von Bewerbern. Jeder träumt davon, der nächste Hollywood-Star zu werden. Das wird schwer – aber bei mir gibt es keinen Plan B. Einen Plan B hat man ja nur, wenn man an Plan A nicht glaubt.

Später möchte ich große deutsche Kinofilme machen. Ich will nicht nach Hollywood, ich will hier bleiben. Momentan werden in Deutschland eher Komödien gedreht, aber ich möchte Action und Thriller drehen. Aus meiner Generation gibt es viele jüngere Filmemacher, die das ähnlich sehen und den deutschen Film auf dem Weltmarkt etablieren wollen.

Ich bin stolz darauf, was ich bisher erreicht habe. Ich arbeite nun das fünfte Jahr in der Filmbranche, ich mache das, was mir Spaß macht. Sicher wäre das nicht für jeden das Richtige, diese unregelmäßigen Arbeitszeiten. Man arbeitet mal für ein paar Wochen gar nicht und dann wieder 17 Stunden am Tag. Man ist ständig unterwegs und kann sich nirgends richtig niederlassen. Manche wollen eher etwas Beständiges, aber ich finde das geil.

Was rätst du Leuten, die sich fragen, was sie beruflich machen sollen?

Das zu tun, was ihnen Spaß macht. Ja, das sagen immer alle – aber so ist es. Es ist das Beste, was man machen kann: die Leidenschaft zum Beruf machen.

Wer noch nicht so sicher weiß, wie ich damals, was ich wollte, dem rate ich: Mach Abi. Auch wenn ich mich selbst damals anders entschied. Ich wusste, wo es hingehen sollte und dass dafür kein Abitur notwendig sein würde. Wenn man es nicht weiß, ist das Abi wichtig – man hat mehr Möglichkeiten. 


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