Bild: Uwe Anspach/dpa

Den Titel als eine der einflussreichsten Frauen in der Wirtschaft hatte sie bereits – dieser Einfluss wird jetzt noch größer. Jennifer Morgan, 48, bildet zusammen mit Christian Klein, 39, das Vorstandsduo beim Softwarehersteller SAP. Im Oktober des Jahres 2019, endlich. Damit ist Morgan die erste Frau in dieser Rolle bei einem Dax-Unternehmen. 

Zwar hat Morgan den Chefinnenposten nicht alleine inne, sie ist gleichberechtigt mit einem jungen Mann. Und Gleichberechtigung ist doch schließlich das, wofür nicht nur Feministinnen und Karrierefrauen seit Jahren kämpfen. Diese Doppelspitze könnte das Modell der Zukunft sein.

Sind Frauen und Männer, die sich mehr weibliche Vorbilder wünschen, endlich am Ziel angekommen? 

Nein, in den Führungsetagen sieht es immer noch schlecht aus. Allein bei börsennotierten Unternehmen in Deutschland sitzen zwar so viele Frauen wie nie in den Vorständen, aber Männer haben überwiegend das Sagen. Im ersten Halbjahr 2019 gab es 61 Topmanagerinnen in den 160 Unternehmen der drei Börsenindizes Dax, MDax und SDax. Und wie viele Männer? Mehr als zehnmal so viele. (Manager Magazin)

Man könnte über die SAP-Entscheidung jubeln. Angebrachter aber ist der Frust darüber, dass es so langsam vorangeht.

Berechnungen zeigen, dass es bis zur Mitte des Jahrhunderts dauern wird, bis in den Vorstandgremien eine 50:50-Verteilung erreicht sein könnte und unsere Töchter Chefinnen sein werden (Manager Magazin). Warum dauert es so lange?

Der erste Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit liegt ja meist in der Erkenntnis des Missstandes – und der ist doch nun schon hinlänglich bekannt. Seit Jahren.

Viele Konzerne und selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel hatten sich lange gegen eine Frauenquote gesperrt. Es sollte freiwillig funktionieren, tat es aber nicht. Vier Jahre hat es nun seit der Einführung gedauert, bis der Frauenanteil in Aufsichtsräten über 30 Prozent gestiegen ist und dem ersten Vorstand eines Dax-Konzerns eine Frau vorsteht. (Tagesspiegel)

Die Quote gilt allein für börsennotierte und mitbestimmungspflichtige, mindestens 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter große Unternehmen. Wenig überraschend also, dass Frauen in kleineren Konzernen im Schnitt deutlich seltener in Führungspositionen vertreten sind. Ohne Gesetz klappt's wohl nicht.

Frauenministerin Franziska Giffey (SPD) drohte den großen Konzernen Anfang des Jahres schon mit Sanktionen, wenn nicht an einer gleichmäßigeren Verteilung zwischen Mann und Frau in den Chefetagen gearbeitet werde – sie sollte es auch bei den kleineren tun. (Handelsblatt)

Aber Gesetze sind das eine. Unternehmen müssen sich endlich damit befassen, warum nicht mehr Frauen bei ihnen an der Spitze vertreten sind:

Es braucht ein anderes Führungsverständnis, andere Unternehmenskulturen. Was macht gute Chefs und Chefinnen aus? Diese ermutigen auch Frauen, die möglicherweise ruhiger und zurückhaltender sind, dazu, Führungsrollen zu übernehmen. Auch wenn das Stereotype sind, die gar nicht zwingend zutreffen. 

Wer junge Frauen – und auch Familienväter – fördern will, sollte ebenso über Firmenkitas, Führung in Teilzeit, flexible Arbeitsmodelle nachdenken. Das sind alles keine neuen Ideen, aber sie sind noch lange kein Standard. 

Aber einer der zentralen Punkte bleibt wohl, dass Geschäftsführer, Aufsichtsräte, Vorstandsvorsitzende immer wieder ihresgleichen befördern, ein Abbild von sich selbst. Auf grauhaarigen Chef folgt grauhaariger Chef. Dieses Muster kann nur durchbrochen werden, wenn genau diese Führunsgriegen sich immer wieder unter der Prämisse hinterfragen: Gibt es auch eine Frau, die mir folgen und das Unternehmen leiten könnte? Oder zumindest ein Führungsduo?

Bei SAP gibt es das jetzt. Ein Anfang. Noch nicht das Ziel. 


Gerechtigkeit

Friedensnobelpreis für Greta Thunberg? Bloß nicht!
Auch wenn sie es verdient hätte, wäre die Auszeichnung falsch.

Vor 27 Jahren haben sich in Rio erstmals die Staaten der Welt getroffen, um gemeinsame Ziele im Klimaschutz zu diskutieren. Kurz darauf vereinbarten die Nationen jährliche Klimakonferenzen – mit dem Ziel, die Emission von Treibhausgasen global zu verringern.

Passiert ist bisher: nahezu nichts. 

Vor etwas mehr als einem Jahr hat in Stockholm eine Schülerin aufgehört, freitags zur Schule zu gehen. Stattdessen setzte sie sich allwöchentlich mit einem Protestschild vor das schwedische Parlament. 

Passiert ist seither: eine Menge.

Greta Thunberg, die Schülerin aus Schweden, ist zur Ikone einer globalen Jugendbewegung geworden. Ihr "Skolstrejk för klimatet" – der Schulstreik fürs Klima – hat Millionen junge Leute inspiriert, es ihr gleichzutun. Seither gehen sie bei "Fridays for Future" auf die Straße und fordern von den Politikerinnnen und Politikern ihrer Länder: Setzt endlich um, was ihr in Klimakonferenzen jedes Jahr aufs neue vereinbart! 

Nun gilt Greta Thunberg als Favoritin für den Friedensnobelpreis – doch die Auszeichnung würde allem widersprechen, wofür ihr Engagement steht.

Klar, Greta Thunberg hat die Welt aufgerüttelt und auf die drohende Klimakrise hingewiesen. Die Erde erhitzt sich, der Meeresspiegel steigt. Die Emissionen gehen nicht zurück, trotz aller politischer Versprechen. Zuletzt ist der CO2-Ausstoß 2018 im Vergleich zum Vorjahr um weitere 1,7 Prozent angestiegen, der größte Sprung seit 2013 (Reuters). 

Tausende von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich mit dem Klima beschäftigen, warnen daher seit Jahren: