Bild: Verena Heinle
Heute: Verena, 26, aus Mörnsheim
Was wolltest du werden, als du jünger warst? 

Ich wollte schon immer Lehrerin werden. Die Vorstellung, vor einer Klasse zu stehen, Wissen zu vermitteln und die Schüler mit spannenden Themen anzustecken, hat mir gefallen. Und ich saß so oft im Unterricht und dachte: Das kann ich besser. Deswegen habe ich auch Nachhilfe in Mathe und Englisch gegeben. Ab der achten Klasse war ich mir dann sicher, dass ich Englisch-Lehrerin werden möchte. Ich war von der Sprache fasziniert, vor allem von der englischen Literatur und der Geschichte. 

Queraufstieg

Irgendwann kommt sie, die Frage, bei manchen früher, bei anderen später, manche haben regelrecht Angst vor ihr: "Was willst du später mal werden?"

Es fällt schwer, das zu beantworten. Und wer eine Antwort gefunden hat, bereut sie manchmal hinterher. Weil der Arbeitsalltag in der Realität doch ganz anders aussieht. Und dann?

In dieser Reihe stellen wir Menschen vor, die sich beruflich umentschieden haben. Die sich getraut haben, noch mal von vorne anzufangen.

Was hast du gelernt?

Nach meinem Realschulabschluss in Eichstätt, einer kleinen Stadt in Oberbayern, habe ich mein Abitur an einer Fachoberschule in Ingolstadt gemacht – damit ich Lehramt studieren konnte. Und dann habe ich angefangen, in Würzburg Realschullehramt in den Fächern Englisch und Geschichte zu studieren. Sechs Semester bin ich diesen Weg gegangen und stand kurz vor dem Staatsexamen, bis ich feststellen musste: Ich will das alles nicht mehr.

Warum hast du dich entschieden, etwas anderes zu machen?

Obwohl mir die Fächer Englisch und Geschichte sehr viel Spaß gemacht haben, hat alles drum herum leider nicht gestimmt. Mir haben die lockeren Strukturen an der Uni nicht gefallen – zu wenig Vorlesungen mit Anwesenheitspflicht. Dadurch geben die Professoren keine Skripte heraus. Man war also gezwungen, zu erscheinen, um mitzukommen – allerdings bei einem wahnsinnig schnellen Tempo. Es war unmöglich, alles mitzuschreiben und dabei das Wissen überhaupt aufzunehmen. Ein Studium ist nun mal echt anders als Schule.

Dazu kam, dass ich eine völlig falsche und naive Vorstellung von der Arbeit als Lehrerin hatte. Das Pflichtpraktikum im vierten Semester hat mir dann die Augen geöffnet: Das hat mich total frustriert.

Die Schüler in meiner Klasse haben den Unterricht für selbstverständlich gehalten und nichts Positives daran gesehen. Das wurde mir vor allem an einem Schüler aus Rumänien klar, der im Gegensatz zu seinen Mitschülern sehr dankbar und interessiert in den Unterricht gegangen ist. Diese Null-Bock-Einstellung hat mich einfach enttäuscht. 

Du bist auch ein Queraufsteiger?

Du hast einen Knick im Lebenslauf – und bist stolz darauf? Du hast dich noch mal beruflich umentschieden und machst etwas ganz anderes, als ursprünglich gedacht? Dann melde dich gern bei uns.

Woher wusstest du, was du wolltest?

Ich wollte lange nicht wahrhaben, dass ich auf dem falschen Weg war. Das hat ein Gefühl von Unsicherheit in mir ausgelöst. Viele Freunde meinten zu mir, dass ich das Studium durchziehen solle, damit ich einen Abschluss in der Tasche habe. Ich konnte mich aber keinen einzigen Tag mehr für das Studium motivieren. Noch vor der anstehenden Geschichtsklausur war mir klar: Ich muss das Studium abbrechen.

Bei der Suche nach einer Alternative bin ich auf die Ausbildung zur Handelsfachwirtin gestoßen. Voraussetzung war ein Abitur und man hat Geld verdient. Das hat mir gefallen. Ich habe mich dazu entschieden – ohne groß darüber nachzudenken. Die Ausbildung habe ich in Hannover gemacht und danach bei Takko Fashion an verschiedenen Standorten gearbeitet.

1/12
Was war die größte Hürde auf deinem Weg?

Es fiel mir unglaublich schwer, mir diese Niederlage nach sechs Semestern einzugestehen. Schließlich war es ja immer mein Traum, Lehrerin zu werden. Meine Eltern standen aber immer hinter mir. Das hat mir die Sicherheit gegeben, mich um zu entscheiden. Heute sehe ich meinen Schritt nicht mehr als Niederlage. Bereut habe ich ihn sowieso nie. Das hier und jetzt zählt.

Wie geht es dir heute?

Mir geht es viel besser als vorher. Heute leite ich eine eigene Filiale in Treuchtlingen, einer kleinen Stadt in Mittelfranken. Und das obwohl ich früher gar kein Interesse an Mode hatte – heute macht mir das richtig Spaß. 

Mein Leben hat wieder eine Struktur und ich habe innerhalb von drei Jahren richtig viel erreicht. Ich habe ganz viel über die Branche, über mich selbst und über meine Ziele gelernt. Und womit ich gar nicht gerechnet hätte: Ich habe super nette Leute kennen gelernt, besonders in meiner Ausbildung. Denn aus meiner Zimmerpartnerin in den zweiwöchigen Blockseminaren wurde eine meiner besten Freundinnen. 

Ich vermisse zwar die englische Sprache in meinem Alltag, aber vielleicht begegne ich ihr ja nochmal bei der Arbeit.


Today

"Sterben die Ozeane, sterben wir alle" – so startet die erste UN-Meeresschutz-Konferenz

Zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinten Nationen (UN) findet diese Woche eine Konferenz zum Schutz der Ozeane statt. Fünf Tage lang debattieren die Mitgliedsstaaten über Probleme wie Korallensterben, Plastikmüll, den steigenden Meeresspiegel und Überfischung. (tagesschau.de)