Bild: Privat
Heute: Elena, 26 Jahre alt, aus Offenbach
Was wolltest du werden, als du jünger warst?

Als kleines Mädchen wollte ich Ärztin oder Sängerin werden. Das habe ich auch immer in die Freundschaftsbücher geschrieben, die man damals hatte. Mein Vater ist Zahnarzt, genau wie mein Onkel und mehrere Cousins und Cousinen: Wir haben mindestens zehn Zahnärzte in der Familie, das prägt einen natürlich. Auf der anderen Seite habe ich immer schon liebend gern gesungen: Mit drei Jahren konnte ich den gesamten Text von "Küssen verboten" von den Prinzen auswendig.

Was hast du studiert, und warum?

Ich komme aus Offenbach, nach der Schule habe ich mich für ein Zahnmedizinstudium in Hannover eingeschrieben. Damals wusste ich noch nicht genau, was ich will. Dass ich so viele Zahnärzte in der Familie habe, hat mir Sicherheit gegeben: Ich dachte, wenn meine Verwandten das können, dann kann ich das auch! Außerdem habe ich mir gesellschaftlichen Status und ein sicheres Einkommen erhofft.

Ich musste ein Jahr auf den Studienplatz warten. In der Zeit habe ich mich spontan bei "Deutschland sucht den Superstar" beworben, eigentlich nur aus Spaß, und bin direkt in die Top 15 gekommen. Das war eine tolle Erfahrung, ich habe viel gelernt: Mein Lampenfieber wurde mir genommen, meine Darstellung auf der Bühne hat sich verbessert und ich habe einen Einblick ins Showgeschäft bekommen. Aber gleichzeitig kann ein solches Format für einen jungen Menschen auch gefährlich sein. Denn es ist eben nur eine Show, ein Luftschloss. Nach der Show war ich erst mal traurig, dass es nicht geklappt hat. Ich sagte mir: Singen ist nur ein Hobby.

Queraufstieg

Irgendwann kommt sie, die Frage, bei manchen früher, bei anderen später, manche haben regelrecht Angst vor ihr: "Was willst du später mal werden?"

Es fällt schwer, das zu beantworten. Und wer eine Antwort gefunden hat, bereut sie manchmal hinterher. Weil der Arbeitsalltag in der Realität doch ganz anders aussieht. Und dann?

In dieser Reihe stellen wir Menschen vor, die sich beruflich umentschieden haben. Die sich getraut haben, noch mal von vorne anzufangen.

Warum hast du dich entschieden, etwas anderes zu machen?

Ich merkte schon nach zwei Semestern, dass Zahnmedizin überhaupt nicht mein Ding ist. Ich fühlte mich fehl am Platz: Die meisten meiner Kommilitonen waren eher rational und konservativ, während ich ein kreativer, künstlerischer Typ bin. Aber mir fehlte damals noch der Mut, einen ganz anderen Weg einzuschlagen. Stattdessen dachte ich: Vielleicht ist Hannover das Problem, vielleicht hilft es, den Ort zu wechseln. Also zog ich nach Madrid und studierte dort noch ein Jahr.

Aber ich war die ganze Zeit unglücklich und hatte das Gefühl, dass das Studium mich nur ablenkt von dem, was mich wirklich interessiert: der Musik. Das hat mich so belastet, dass ich sogar gesundheitliche Probleme bekam. Ich entwickelte eine ziemliche starke Urtikaria, eine allergische Reaktion, die sich über die Haut äußert. Plötzlich habe ich auf verschiedene Nahrungsmittel, psychischen Stress und auf Druck reagiert und konnte nichts Schweres mehr heben.

Nebenbei schrieb ich meine eigenen Songs, auf Deutsch und auf Spanisch – mein Vater ist Kolumbianer, deshalb habe ich einen starken Bezug zu der Sprache. Dann lernte ich in Madrid einen mexikanischen Gitarristen kennen und begann, abends mit ihm in Bars aufzutreten und meine eigenen Lieder zu singen.

(Bild: Privat)

Das hat mein Selbstbewusstsein gestärkt. Im Frühling 2016 habe ich schließlich mein Studium abgebrochen und beschlossen, mich ganz der Musik zu widmen. Zuerst habe ich ein halbes Jahr Jazz- und Popularmusik in Madrid studiert und dafür sogar ein Stipendium bekommen, was mich zusätzlich ermutigt hat. Dann bin ich zurück nach Deutschland gegangen, um hier mein Gesangsstudium fortzusetzen.

Im Moment bereite ich mich auf die Aufnahmeprüfungen an Musikhochschulen vor. Mein Vater unterstützt mich glücklicherweise weiterhin finanziell. Nebenbei jobbe ich in einem Café, um mir privaten Gesangs- und Klavierunterricht finanzieren zu können. Künftig will ich auch vermehrt mit der Musik Geld verdienen. Mit einem befreundeten Gitarristen trete ich zum Beispiel auf Hochzeiten oder ähnlichen Veranstaltungen auf.

Hier findest du alle unsere Queraufsteiger:
1/12
Was war die größte Hürde auf deinem Weg?

Meinen Eltern beizubringen, dass ich das Studium abbreche, war sehr schwierig. Mein Vater hat sehr enttäuscht reagiert und versucht, mich zu überreden, doch weiterzumachen. Auch meine Mutter war erst mal schockiert. Aber weil sie weiß, dass mein Herz für die Musik schlägt, hat sie sich am Ende doch für mich gefreut. Auch mein Vater hat meine Entscheidung inzwischen akzeptiert.

Wie geht es dir heute mit der Entscheidung?

Ich bin jetzt ein sehr glücklicher Mensch, weil ich endlich mache, was mir wirklich wichtig ist: Ich kann meine Kreativität ausleben und meine Gefühle in meinen Texten ausdrücken. Ich glaube, es ist etwas sehr Wertvolles, wenn man im Leben etwas macht, was seinen Talenten entspricht, statt sich von Geld oder anderen Motiven leiten zu lassen. Auch gesundheitlich geht es mir wieder richtig gut.

Du bist auch ein Queraufsteiger?

Du hast einen Knick im Lebenslauf – und bist stolz darauf? Du hast dich noch mal beruflich umentschieden und machst etwas ganz anderes, als ursprünglich gedacht? Dann melde dich gern bei uns.

Wer oder was hat dir dabei geholfen?

Mein Freund, den ich Madrid kennengelernt habe, ist selber ein sehr frei denkender Mensch. Er hat mich darin bestärkt zu tun, was ich wirklich will und wofür ich Talent habe.

Wovon würdest du im Nachhinein abraten?

Das klingt vielleicht ein bisschen esoterisch, aber: Wenn man spürt, dass das, was man macht, nicht das Richtige ist, dann sollte man auf seine innere Stimme hören. Oft weiß man eigentlich, was man wirklich will, aber man lässt die Dinge einfach weiterlaufen, aus Angst, etwas Neues anzufangen und das Alte zu verlieren. Es braucht Mut, diesen Schritt zu wagen, aber es lohnt sich.


Fühlen

Darf man über Dicke lästern?
Warum sich jetzt viele über einen "Nido"-Artikel aufregen.

Ein Vater steht mit seiner Tochter in der Apotheke, mit ihnen wartet eine "korpulente Frau". Vater und Tochter sehen sich an, "grinsen und reden danach minutenlang darüber, wie sehr, sehr dick sie war".

Die Episode hat ein Autor in der jüngsten Ausgabe des Elternmagazins "Nido" geschildert. Sie ist Teil der Titelgeschichte "33 Dinge, die mit Kindern erst so richtig Spaß machen". Diese eine Szene bezieht sich aufs Lästern.