Bild: Jörn Schmidt
Heute: Markus, 37, aus Ratingen
Was wolltest du werden, als du jünger warst?

Mich hat früher Wissenschaft fasziniert, besonders Biologie. Als Schüler wollte ich immer in die Forschung gehen. Leider ist das an meinen verhältnismäßig schlechten Schulleistungen gescheitert.

Was hast du gelernt und warum?

Nach der Realschule war ich erstmal ziemlich planlos. Ich habe überlegt, einen kaufmännischen Beruf zu lernen – so richtig wusste ich aber nicht, was ich machen will. Durch Bekannte meiner Eltern bin ich dann zufällig an einen Ausbildungsplatz als Mediengestalter in der Druckvorstufe gekommen. In solchen Betrieben werden Print-Produkte für die Druckerei vorbereitet. Das ist eine ziemlich technische Arbeit: Man bekommt die Daten für zum Beispiel eine Zeitungsseite vom Verlag geschickt, und passt dann Farben, Druckraster an.

Queraufstieg

Irgendwann kommt sie, die Frage, bei manchen früher, bei anderen später, manche haben regelrecht Angst vor ihr: "Was willst du später mal werden?"

Es fällt schwer, das zu beantworten. Und wer eine Antwort gefunden hat, bereut sie manchmal hinterher. Weil der Arbeitsalltag in der Realität doch ganz anders aussieht. Und dann?

In dieser Reihe stellen wir Menschen vor, die sich beruflich umentschieden haben. Die sich getraut haben, noch mal von vorne anzufangen.

Wie ging es dann weiter?

Eigentlich auch eher ungeplant. Zeitungen und Zeitschriften werden nicht mehr so viel gekauft, vieles läuft heutzutage digital. Diese Entwicklung betraf auch Druckvorstufenbetriebe. Zwei Jahre nach Ende meiner Ausbildung bin ich entlassen worden. 

In der Werbebranche war es zu dieser Zeit genau andersrum: Dort wurden viele Leute gesucht. Ich kannte mich von meinem vorherigen Job mit Grafikprogrammen aus und wusste, wie man gedruckte Anzeigen gut aussehen lässt. Dadurch hatte ich es relativ leicht, einen Job zu finden.

Schließlich landete ich bei einer Werbeagentur in Düsseldorf. Dort machte ich Bildbearbeitung für Kampagnen großer Firmen. 

Zunächst war ich froh über den Wechsel – der Job in der Druckvorstufe war recht vorhersehbar gewesen und auch ein bisschen bieder. In der Werbebranche ging es lockerer zu.

So richtig kreativ war mein neuer Beruf aber auch nicht. Im Gegenteil, eigentlich waren meine Aufgaben sogar ziemlich stupide: Ich kam morgens in die Agentur und bekam Fotos von irgendeinem Fotoshooting zugeschickt. Dazu gab es schon genaue Anweisungen, was mit den Bildern passieren soll – bei diesem Pullover die Nähte wegretuschieren, bei jenem die Farben etwas grüner machen. Und das habe ich dann mit Photoshop so abgearbeitet. Am Ende war das eigentlich auch eine sehr technische Aufgabe.

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Wieso hast du dich trotzdem entschieden, etwas anderes zu machen?

Ich war schon immer ein unruhiger Typ. Irgendwann schlich sich bei mir das Gefühl ein, dass mich mein Job nicht ausfüllt.

Man verbringt so viel Zeit in seinem Beruf – gerade in der Werbebranche. Ich war im Schnitt jeden Tag 10 Stunden bei der Arbeit, saß stundenlang am Schreibtisch, und schraubte oft einen ganzen Tag an einem einzigen Foto herum, bis es endlich den Vorstellungen des Kunden entsprachen. Aber einen Sinn habe ich in dem, was ich tue, nicht gesehen. Ich habe eigentlich nur für den Verdienst gearbeitet.

Da habe ich mir gedacht – du bist noch jung, es ist nicht zu spät, etwas zu ändern. Für etwas ganz Eigenes war ich aber noch nicht mutig genug. Deshalb habe ich mich erst einmal selbstständig gemacht. Aber auch das brachte nicht wirklich eine Veränderung – eigentlich war es dasselbe unter neuem Namen. Ich verbrachte meine Tage weiterhin damit, Fotos so aussehen zu lassen, wie es Kunden wünschten. Nur, dass ich dabei jetzt jeden Tag an einem anderen Arbeitsplatz saß.

Und dann?

Die wirkliche Veränderung kam wieder durch einen Zufall zustande: auf meiner Hochzeitsreise.

Meine Frau und ich waren auf den hawaiianischen Inseln. In einem Souvenirshop sah ich diese bedruckten Holzschilder – so etwas hatte ich vorher noch nie gesehen und fand es toll. 

Als wir wieder zuhause waren, habe ich dann mal probiert, ein Schild nachzumachen. Nur so, als Spielerei. Das Ergebnis haben wir in unserer Wohnung aufgehängt. Und jedes Mal, wenn Freunde zu Besuch waren, sagte jemand: "Das ist aber schön!" Dann kamen die ersten Bestellungen: Freunde und Bekannte wollten die Schilder als Geschenke für Hochzeiten und Geburtstage, und dann wollten ihre Freunde auch welche, und so weiter.

So sahen Markus' erste Schilder-Versuche aus:
(Bild: Markus Kister)
Wie genau sah dein Plan aus?

Eigentlich hatte ich gar keinen Plan – das Schilder-Machen war für mich eher ein Hobby. Irgendwann habe ich einfach mal einen Shop auf Dawanda, einer Internetplattform für Selbstgemachtes eröffnet. Ich habe mir davon nicht wirklich viel erwartet.

Meine Freunde haben mich damals auch noch etwas belächelt, das mit den Schildern war damals ein Gag im Freundeskreis.

Ich wollte es aber trotzdem ausprobieren, und versuchte es erstmal nur mit fünf Motiven. Das war kurz vor Weihnachten und es dauerte nicht lange, bis die ersten Bestellungen kamen. Innerhalb von sechs Monaten hat es sich dann so multipliziert, dass es schwer wurde, meine beiden Berufe gleichzeitig auszuführen. Tagsüber war ich in der Agentur, und danach in der Garage, wo ich bis in die Nacht Holzschilder bedruckte.

Irgendwann habe ich mir gesagt: Pass auf, dein anderer Job gefällt dir doch eh nicht mehr so – kipp das doch einfach und mach hauptberuflich Holzschilder. Und das habe ich dann gemacht.

(Bild: Jörn Schmidt)
Was waren die größten Hürden? 

Oft waren es ganz praktische Probleme. In der Anfangszeit musste ich täglich zum Baumarkt fahren, um Holz zu kaufen. Irgendwann ging dem Baumarkt dann das Holz aus. Dauernd musste ich mit dem Personal verhandeln. Das war mühselig und hat viel Zeit gefressen. 

Hattest du keine Angst zu scheitern?

Gerade in solchen Zeiten habe ich oft mit dem Projekt gestruggelt. Es war einfach ein riesiger Brocken Arbeit, und ich habe oft gedacht, dass es mir zu viel wird.

Wenn ich dann aber betrübt ins Bett bin, hat es mir geholfen, mit meiner Frau zu reden. Die hat immer noch einen anderen Blick auf die Dinge und mich ermutigt, weiterzumachen, wenn ich mal am Zweifeln war. 

(Bild: Jörn Schmidt)

Du bist auch ein Queraufsteiger?

Du hast einen Knick im Lebenslauf – und bist stolz darauf? Du hast dich noch mal beruflich umentschieden und machst etwas ganz anderes, als ursprünglich gedacht? Dann melde dich gern bei uns.

Wie geht es dir heute?

Mir geht es sehr gut! Inzwischen bin ich nur noch der Holzschildermann. Den Shop auf Dawanda betreibe ich hauptberuflich, und ich kann davon gut leben. Das Ganze ist über die Jahre noch gewachsen: Früher habe ich noch jedes einzelne Schild von Hand bedruckt. Aber das war irgendwann nicht mehr zu machen, deshalb habe ich einen Drucker angeschafft. Unser Sortiment ist inzwischen viel größer, ein Freund von mir ist noch eingestiegen und ich beschäftige zwei Minijobber.

Was ist der größte Unterschied zu deinem früheren Job?

Ich mache jetzt etwas, das von A-Z durch meine eigenen Hände gegangen ist. Und bekomme dafür auch direkt positives Feedback.

In der Werbebranche war es viel abgekoppelter. Du trägst einen Teil zu einer Werbekampagne bei – aber niemand sagt dir am Ende "Tolle Anzeige". Alles ist viel unpersönlicher. Jetzt bekomme ich oft Mails von Kunden, die mir schreiben, wie gut sich unsere Schilder in ihrer Wohnung machen.

Außerdem kann ich meine Zeit freier einteilen – ich kann meinen kleinen Sohn zum Kindergarten bringen und wieder abholen, ohne mich bei einem Chef abmelden zu müssen.

Ich habe endlich einen Job gefunden, den ich mit Herzblut und Leidenschaft mache, und nicht nur die Stunden bis zum Wochenende runterzähle. Denn ich finde, wenn man so viel Zeit in seine Arbeit investiert, sollte mit dem, was man tut, auch glücklich sein.


Fühlen

Wissenschaftler verraten dir jetzt, wie du super beliebt wirst

Copycats, aufgepasst! Wer sein Gegenüber beim Kennenlernen nachahmt, kommt besser bei ihm an – zumindest laut einer neuen Studie der Universität Leipzig und der Freien Universität Berlin. Die Forscher haben das Angleichen von Mimik, Gestik oder Körperhaltung – "sozialer Mimikry" genannt – untersucht. 

Das Ergebnis der Studie: Je stärker ein Proband den anderen nachmachte, desto sympathischer wurde er empfunden. 

Die Wissenschaftler bezeichneten diese Personengruppe als "soziale Chamäleons".