Zäher Unterricht, langersehnte Pausen, gestresste Lehrerinnen und Lehrer – die Schulzeit kann sich ewig anfühlen. Doch wenn sie schließlich vorbei ist, bleiben viele Momente für immer in Erinnerung. Denn da waren ja auch die Ferien, in denen sich gefühlt das ganze Leben veränderte. Die Partys, auf denen sich Freundschaften schlossen und Beziehungsdramen abspielten.

Wir haben Menschen einige Jahre nach ihrem Abschluss getroffen und ihre Passfotos aus der Jugend nachgestellt. Wir wollten wissen: Was hast du damals von deinem Leben erwartet, beruflich oder privat – und was ist daraus geworden?

Consti, 18 und 28 Jahre

Swipen, um die Veränderung zu sehen.

1/12

Ich war richtig schlecht in der Realschule und einfach nur froh, als die zehnte Klasse vorbei war. Danach fing ich eine Lehre in der Hauswirtschaft an, weil ich nicht wusste, was ich sonst machen soll.

Nach meinem ersten Tag traf ich einen Kumpel, der mir sagte, dass ich in der Fachoberschule für Gestaltung aufgerufen wurde. Das konnte ich gar nicht glauben, denn ich hatte mich zwar dort beworben, aber keine Rückmeldung erhalten. 

Also rief ich dort an – und erfuhr, dass ich tatsächlich angenommen wurde.
Consti

Das war das Beste, was mir passieren konnte. So musste ich doch keine Tische eindecken, sondern hatte das erste mal Spaß in der Schule. Nach meinem Abschluss machte ich eine Ausbildung als Industriemechaniker und zurzeit schreibe ich meinen Master in Wirtschaftsingenieurwesen. Das hätte ich mir nach meiner Schullaufbahn wahrscheinlich selbst nicht zugetraut. Ich bin froh, nie aufgegeben zu haben.

Antonia, 15 und 25 Jahre

1/12

Mit 15 habe ich bereits gewusst, dass ich einmal Ärztin werden möchte. Meine großen Cousins, damals mitten im Medizinstudium, erzählten mir manchmal von ihren wochenlangen Lern-Sessions.

Ich konnte mir nicht vorstellen, jemals so viel auswendig zu lernen oder überhaupt so lange am Schreibtisch zu sitzen. Heute weiß ich, dass es geht. Schließlich weiß ich, wofür ich es mache. Ich bin jetzt im letzten Jahr meines Studiums, im Praktischen Jahr, und werde unter anderem in Österreich und Namibia arbeiten. Ich freue mich auf die neuen Herausforderungen und Möglichkeiten, die mir mein Studium bietet und bin gespannt darauf, wo ich in einem Jahr leben und arbeiten werde.

Franzi, 15 und 25 Jahre

1/12

Ich spiele seit meinem fünften Lebensjahr Geige. Meine Familie ist sehr musikalisch und ich wurde stark in diese Richtung gefördert. In der Pubertät hatte ich aber eine Phase, in der ich überhaupt keine Lust mehr hatte.

Meiner Mutter war es sehr wichtig, dass ich jeden Tag übe. Also nahm ich mich beim Proben mit dem Handy auf und spielte die Aufnahme manchmal ab, um meine Mutter glauben zu lassen, dass ich üben würde. Stattdessen telefonierte ich heimlich mit meinen Freundinnen.

So eine Phase hatte aber wohl jeder mal und ich bin sehr froh, dass ich sie überwunden habe. Denn nun studiere ich Geige und kann mir ein Leben ohne die Musik nicht vorstellen. Ich übe täglich etwa sechs Stunden. Und es macht mir Spaß.

Naomi, 13 und 28 Jahre

1/12

Mit 13 hatte ich überhaupt keinen Bock auf Schule und sehr schlechte Noten. Ich bin Legasthenikerin und hatte große Probleme im Schulalltag. Die Lehrer verstanden nicht, wieso meine mündliche Beteiligung so viel besser war als die Klassenarbeiten.

Mir wurde das Gefühl vermittelt, dass ich dumm sei, weil ich nicht vernünftig Schreiben und Lesen konnte. Dabei habe ich einen IQ, der über dem Durchschnitt liegt. Schließlich wechselte ich von der Gesamtschule auf eine Haupt- und Realschule, brach die Schule letztendlich aber ohne Abschluss ab.

Erst später fasste ich den Entschluss, dass ich mich durch meine Legasthenie und die Vorurteile anderer Menschen nicht mehr unterkriegen lassen werde. Ich holte den Realschulabschluss nach, machte eine Ausbildung als Sozialassistentin und anschließend als Heilerziehungspflegerin mit Fachabitur.

Jetzt studiere ich Heilpädagogik und arbeite an meiner Bachelorarbeit. Endlich wird meine Legasthenie anerkannt und es wird sich um Inklusion bemüht – auch wenn es leider noch nicht vollkommen funktioniert und ich immer wieder neue Herausforderungen bewältigen muss.

Ricarda, 16 und 26 Jahre

1/12

Ich wollte immer Ballett tanzen, wurde in dieser Hinsicht aber nicht wirklich von meinen Eltern gefördert. Mit 16 konnte ich mich endlich durchsetzen und ging dreimal pro Woche zum Unterricht.

Es machte mir unheimlich Spaß, sodass mir schnell klar wurde, dass ich auch beruflich in diese Richtung gehen möchte. Deshalb machte ich nach meinem Abitur eine Ballettausbildung. Das war eine sehr harte Zeit, in der viel Disziplin nötig war. Ich bin froh, die Ausbildung geschafft zu haben, und arbeite nun neben meinem Studium als Ballettlehrerin. Hauptsächlich unterrichte ich Kinder und es macht viel Freude, mit ihnen zusammen den eigenen Körper und das Tanzen zu entdecken.

Vincent, 18 und 25 Jahre

1/12

Zu der Zeit, als das Foto entstanden ist, lernte ich meine damals beste Freundin kennen, denn wir hatten ein paar Kurse zusammen. Während der Oberstufe hatte ich das Gefühl, dass sich daraus mehr entwickeln könnte und wir fingen an, uns zu daten.

Nach dem Abi machte ich eine Weltreise, weshalb zunächst keine Beziehung entstand. Als ich wieder in Deutschland war, hatte sie einen festen Freund und wir waren weiterhin gute Freunde. Doch nachdem sie sich von ihrem Freund getrennt hatte, entwickelte sich wieder mehr zwischen uns. Nun sind wir seit über einem Jahr zusammen, und ich glaube, dass eine enge Freundschaft die beste Voraussetzung für eine Beziehung ist.

Alena, 14 und 24 Jahre

1/12

Damals stellte ich mir vor, dass ich mal im kreativen Bereich arbeiten möchte. Modedesign fand ich sehr interessant, aber nach meinem Schulpraktikum bei einem Modedesigner in Manchester hatte sich dieser Traum erledigt.

Es machte mir überhaupt keinen Spaß, was vielleicht auch daran lag, dass ich die ganze Zeit Klamotten sortieren musste. Ich fühlte mich nicht wohl in der Branche. Jetzt mache ich etwas ganz anderes: Ich studiere Mathe. Das hätte ich mir in der Pubertät niemals vorstellen können, aber ich war schon in der Schule immer gut darin. In meinem Studium gibt es nur sehr wenige Frauen. Ich bin stolz darauf, mich zwischen den Männern behaupten zu können.

Moritz, 17 und 29 Jahre

1/12

Als ich 14 war, verknallte ich mich in einen Jungen aus meiner Klasse. Mir wurde klar, dass ich schwul bin. Mein erster Gedanke war: "Warum ich?" 

Ich hatte schon immer das Gefühl, anders zu sein. Ich bin in einer kleinen Stadt aufgewachsen und wurde auf der Straße oder in der Schule häufig wegen meiner vermeintlichen Sexualität angepöbelt. Zunächst outete ich mich vor meinen engsten Freundinnen, die das sehr gut aufnahmen.

Gegenüber anderen Mitschülern bezog ich nie Stellung, denn ich hatte keine Lust auf die Konfrontation. 

Mit 18 hatte ich schließlich meinen ersten Freund, der auch Anlass war, mich vor meiner Familie zu outen.
Moritz

Nach dem Abitur zog ich nach Köln, was mir beim Ausleben meiner Sexualität sehr half. Aber auch hier kommt es vor, dass ich auf der Straße schräg angeschaut oder angesprochen werde. Mir ist sowas sehr unangenehm und ich habe keine Lust auf das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen.

Deshalb würde ich beispielsweise auch nie händchenhaltend mit meinem Freund durch die Stadt laufen, einfach weil mir das zu anstrengend ist. Trotzdem kann ich sagen, dass mein Leben durch meine Homosexualität nicht komplizierter geworden ist. Es wäre wohl nur komplizierter geworden, hätte ich versucht, mich und meine Sexualität zu verstellen.

Frido, 16 und 28 Jahre

1/12

Früher waren mir materielle Dinge sehr wichtig. Ich trug Markenklamotten, interessierte mich sehr für Autos und stellte mir für meine Zukunft eine steile Karriere vor.

Mittlerweile liegt mein Fokus woanders, mir geht es viel mehr um Erlebnisse als um Dinge. Ich habe mir zusammen mit meiner Freundin einen alten VW-Bus gekauft, mit dem wir immer wieder neue Länder erkunden, statt in teure Hotelanlagen zu fliegen. Auch beruflich ist es mir wichtig, dass ich einer sinnvollen Tätigkeit nachgehe, die ich mit meinen Werten vereinbaren kann. Ich habe Maschinenbau studiert und arbeite nun als Projektingenieur in einem innovativen Start-up.


Alle Fotos: Annika Eliane Krause. Besuche ihre Webseite, um mehr über ihre Arbeit zu erfahren.


Gerechtigkeit

Das Rettungsschiff Aquarius ist endlich in Spanien angekommen
Mehr als 2300 Helfer warteten in Valencia.

Kurz vor 11 fuhr die Aquarius in den Hafen der spanischen Stadt Valencia ein. 

106 Flüchtlinge hatte das Rettungsschiff noch an Bord, der Rest der  629 aus dem Mittelmeer geretteten Menschen wurde auf zwei italienische Schiffe verteilt. Das eine kam wenige Stunden vor der Aquarius in Valencia an, das andere soll gegen Mittag eintreffen. Das teilte die Regionalregierung am Sonntagmorgen mit.