Bürokratie erklärt in unter fünf Minuten

Wer einen neuen Job anfängt, hat meistens am Anfang eine Probezeit. Und um diese gibt es viele falsche Vorstellungen. Von Urlaubssperren oder der Gefahr, vollkommen willkürlich vor die Tür gesetzt zu werden, ist da die Rede – und das macht vielen Berufseinsteigern Sorgen. Wir klären auf.

Kleingedrucktes

Früher konnten wir es kaum abwarten, erwachsen zu werden! Endlich Auto fahren, Geld verdienen, bei den Eltern ausziehen. Jetzt sind wir groß und stellen fest: Es gibt Behörden, Regeln und Kleingedrucktes.

Wir unterstützen dich und erklären die bürokratischen Herausforderungen – und zwar in weniger als fünf Minuten Lesezeit!

Was muss ich in der Probezeit beachten? Welche Regeln gelten?

Die Probezeit dient dazu, dass dein Arbeitgeber dich – aber du auch deinen Arbeitgeber – erst einmal prüft: Passt ihr wirklich zueinander? Denn wenn nicht, könnt ihr bei einer vereinbarten Probezeit mit einer Frist von meist zwei Wochen getrennte Wege gehen, erklärt Benedikt Sommer, Anwalt für Arbeitsrecht aus Berlin.

Wie lang darf die Probezeit maximal sein?

Die Probezeit, wenn eine vereinbart wird, darf maximal sechs Monate lang sein (§ 622 Abs. 3 BGB). 

Bei Ausbildungsverträgen ist sie vorgeschrieben, muss mindestens einen Monat lang sein und darf höchstens vier Monate betragen (§ 20 BBiG).

Kann ich in der Probezeit Urlaub nehmen?

Irgendwie hat sich das Gerücht etabliert, dass in der Probezeit eine Urlaubssperre gelte. Aber das stimmt nicht: Du darfst Urlaub nehmen, hast allerdings erst nach sechs Monaten im Unternehmen den vollen Anspruch – und das hat nichts mit der Probezeit zu tun, sondern ist gesetzlich so vorgeschrieben (§ 4 BUrlG). 

Nehmen wir an, in deinem Vertrag steht, dass du einen Anspruch auf 30 Urlaubstage im Jahr hast. In den ersten sechs Monaten musst du dir die sozusagen erst aufbauen, dann sind das 2,5 Urlaubstage pro Monat. 

Wenn du in deinem vierten Monat in deinem neuen Job Urlaub nehmen möchtest, dann kannst du das für maximal 7,5 Tage, denn du musstest dir ja in den ersten drei vollen Monaten diesen Anspruch erst "erarbeiten". Erst nach sechs Monaten hast du den vollen Anspruch auf deinen gesamten Jahresurlaub. (§§ 4 und 5 BUrlG)

Kündigung in der Probezeit – was geht, was nicht?

Die Kündigungsfrist ist in der Probezeit auf meist zwei Wochen verkürzt (§ 622 Abs. 3 BGB). Du kannst also im Normalfall nicht von jetzt auf gleich gekündigt werden, aber auch nicht plötzlich gehen.

Auch wenn deine Probezeit noch weniger als zwei Wochen geht, bleibt die Kündigungsfrist gleich. "Wenn man einen Tag vor Ende der Probezeit kündigt, bleibt man trotzdem noch zwei Wochen im Unternehmen – also über die Probezeit hinaus", erklärt Anwalt Sommer.

Weder du noch deine Chefin müssen einen Grund für die Kündigung angeben, denn das muss man erst, wenn der besondere Kündigungsschutz des Kündigungsschutzgesetzes greift (§ 1 Abs.1 KSchG).

Schwangeren, Frauen im Mutterschutz und Eltern in Elternzeit kann im Normalfall auch in der Probezeit nicht gekündigt werden (§17 MuSchG und § 18 BEEG). Schwerbehinderte Arbeitnehmer dagegen bekommen ihren besonderen Kündigungsschutz erst nach sechs Monaten (§ 173 SGB IX).

Viele vermischen die Regelungen zur Probezeit mit anderen Gesetzen – und wiegen sich zu früh in Sicherheit.

Der besondere Schutz des Kündigungsschutzgesetzes greift erst nach einem halben Jahr im Betrieb (§ 1 Abs.1 KSchG) – und auch nur in Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern (§ 23 Abs.1 KSchG) – und hat nichts mit einer Probezeit zu tun. "Da die Probezeit meist auch auf sechs Monate festgelegt wird, vermischen viele diese unterschiedlichen Themen", erklärt Anwalt Sommer. Doch man sollte das nicht durcheinanderbringen. 

Denn auch wenn im Vertrag steht, dass du zum Beispiel nur drei Monate Probezeit hast, bist du danach trotzdem noch nicht komplett abgesichert: In den Monaten zwischen Ende der Probezeit und bevor das Kündigungsschutzgesetz gilt oder in kleineren Unternehmen kannst du ohne Angabe von Gründen gekündigt werden – die Kündigungsfrist ist dann nur länger als in der Probezeit. 

Gibt es immer eine Probezeit?

Eine Probezeit ist, außer in Ausbildungsverhältnissen, nicht gesetzlich vorgeschrieben. Sie wird aber meistens in Arbeitsverträgen vereinbart. Wenn du in einem neuen Unternehmen einen Job beginnst, kannst du für gewöhnlich mit einer Probezeit rechnen. 

Wenn keine Probezeit vereinbart ist, gilt zu Beginn deines Arbeitsverhältnisses eine Kündigungsfrist von vier Wochen zum 15. eines Monats oder zum Ende eines Kalendermonats (§ 622 Abs. 1 BGB) – oder eine längere Frist, wenn das im Vertrag vereinbart wurde. 

Kann die Probezeit im Nachhinein auch verlängert oder verkürzt werden?

Ja, theoretisch kann dein Arbeitgeber die Probezeit – aus welchen Gründen auch immer – verlängern. Allerdings kann sie insgesamt nicht länger als sechs Monate werden. Außerdem musst du einverstanden sein, einseitig kann die Probezeit nicht verlängert werden. "Aber wer widerspricht schon, wenn die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber sagt, dass sie oder er die Probezeit verlängern will? Die Angst und auch die Gefahr, dass die Alternative eine Entlassung ist, ist wahrscheinlich zu groß," weiß Sommer. 

Dein Arbeitgeber kann deine Probezeit auch verkürzen – aber auch hier gilt, dass das nur mit deinem Einverständnis geht. "Denn die Probezeit gilt ja für beide Seiten," erinnert Sommer. Wenn du dir also noch nicht sicher bist, ob du bleiben willst, musst du darauf nicht eingehen. 

In der Probezeit krank – ist das schlimm?

Wer krank ist, ist kank. Wenn der Arbeitgeber einem das negativ auslegt, ist man vielleicht eh nicht im richtigen Unternehmen.

Wer in den ersten vier Wochen seines neuen Jobs krank wird, bekommt die Zeit der Arbeitsunfähigkeit von seinem Lohn abgezogen  – das hat allerdings nichts mit der Probezeit zu tun, das wäre auch so, wenn keine Probezeit vereinbart wäre (§ 3 Abs. 3 EFZG). Wer gesetzlich krankenversichert ist, bekommt in der Zeit Krankengeld.

Ansonsten gelten in der Probezeit die gleichen Regeln, wie bei jedem auch schon länger Beschäftigten: Ab sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit zahlt die Krankenkasse ein Krankengeld.

Entfristung, Festanstellung nach Praktikum oder Rückkehr, nachdem ich kurz woanders gearbeitet habe: Kann ich eine weitere Probezeit bekommen?

Ja, mit einem neuen Arbeitsvertrag, auch im selben Unternehmen, kannst du grundsätzlich auch eine neue Probezeit mit einer verkürzten Kündigungsfrist bekommen. Zum Beispiel wenn du vorher als Praktikant oder Werkstudent in dem Betrieb warst und dann als fest Angestellter anfängst. Hauptsache deine Tätigkeit ist eine andere als zuvor. 

Und auch, wenn Du das Unternehmen verlässt und dann nach ein paar Jahren wieder zurückkommst, ist eine neue Probezeit erlaubt. 

Anders ist es, wenn du einen befristeten Arbeitsvertrag hattest und danach im selben Unternehmen im selben Job nahtlos in den nächsten Arbeitsvertrag (nochmal befristet oder entfristet) wechselst, deine Tätigkeit also gleichbleibend verlängert wird: Deine Probezeit darf insgesamt maximal sechs Monate lang sein. Wenn du diese sechs Monate Probezeit in deinem ersten Arbeitsvertrag bereits hattest, darfst du keine neue bekommen (Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg). Wenn du in deinem ersten Vertrag aber zum Beispiel drei Monate Probezeit hattest, darfst du in deinem zweiten wieder drei Monate Probezeit haben – aber nicht mehr. Bis du auf insgesamt maximal sechs Monate Probezeit kommst. "Du hast dann ja schon gezeigt, dass du für den Job geeignet bist und eine erneute Erprobung über sechs Monate hinaus ist deshalb unzulässig", erklärt Anwalt Sommer.


Gerechtigkeit

Ich bin Kanake – aber nicht für alle
Wer das K-Wort sagen kann – und wer lieber nicht.

Dating-Plattformen bergen viele Erkenntnisse – vor allem über sich selbst. Ich, Marcel Nadim Aburakia, helle Haut, braune Haare, voller Bart, Caption: Palästina-Flagge. Mit Anfang 20 erswipte ich eine weiße Deutsche ohne irgendwie bekannten "Migrationshintergrund". Donnerstagabend das Match, Donnerstagnacht viele ausgetauschte Nachrichten und zack: Freitagabend die Verabredung in der Münchner Innenstadt.

Da sitze ich also in dieser 0815-Bar, führe Smalltalk über alles mögliche und schlürfe an meiner eiskalten Maracujaschorle.

"Woher kommst du eigentlich, dein Nachname klingt so exotisch?"

"Papa aus Palästina! Wieso?"

"Och ne! Du bist also Kanake…"

Das Date war schneller vorbei als der ursprüngliche Swipe. Was blieb: Ein unangenehmer Nachgeschmack. Aus ihrem Mund klang das Wort "Kanake" so abwertend – dabei benutzte ich es selbst oft. In meinen Augen bedeutet Kanake Mensch mit südländischen, besonders türkischen oder arabischen Wurzeln – und Rassismuserfahrungen. Es fühlt sich beflügelnd an, endlich ein Wort für meinesgleichen gefunden zu haben.

Aber in der Bar in München fühlte ich mich plötzlich fremd, als ob mit dem Finger auf mich gezeigt würde. Ich erinnerte mich an das Gefühl – aus meiner Kindheit.

Ich war Teil einer Gruppe, die jeden Tag Räuber und Gendarm in den Innenhöfen von Sozialbauten und Eigentumswohnungen spielte. Unsere Herkunft war dabei völlig egal: Türkinnen, Kroaten, Italienerinnen, Palästinenser und Deutsche. Hitzige Diskussionen gehörten zum Daily-Business: "Du hast mich nicht erwischt!", "Schummler" und so weiter. Wenn es eskalierte, gingen alle heim und trafen sich am nächsten Morgen unbekümmert wieder. Eigentlich. Aber als ein älterer deutsch-deutscher Nachbarsjunge mich anschrie: "Verpiss dich, du dummer Kanake!", fühlte ich Verwirrung und Scham. Ich wusste damals nicht genau, was ein Kanake war. Aber eines wusste ich sicher: Es musste etwas Schlimmes sein.