Sind das wirklich alles Einsiedler im Klinikkeller?

Leichen obduzieren, Würgemale analysieren, Morde aufklären – beim Beruf des Pathologen denken viele an das, was sie aus dem Tatort oder CSI: Miami kennen. Die Menschen, die sich dort der Verstorbenen und Ermordeten annehmen, sind aber keine Pathologen – sondern Gerichtsmediziner

Aber was genau machen Pathologinnen und Pathologen? Wie sieht ihr Alltag aus? 

Haben sie Kontakt mit Leichen – oder vielleicht doch mehr mit lebenden Personen zu tun? Und wie kommt man auf die Idee, Pathologe zu werden? 

Hier geben drei junge Menschen Einblick in ihren Beruf.

Erwartung vs. Realität

Manchmal kommen die Dinge anders, als wir dachten – vor allem im Job. Was im Bewerbungsgespräch super klang, kann in der Praxis überhaupt keinen Spaß machen. Oder umgekehrt. Davon erfahren wir aber häufig erst, wenn wir schon mittendrin stecken. Was ist jetzt besser: Geduld haben? Gleich wieder kündigen? Wie fangen Karrieren an – und wie enden sie? In dieser Serie erzählen Menschen davon.

Karl-Friedrich, 33

Meine Erwartungen: Dass ich viel am Mikroskop und wenig am Patienten arbeiten werde, Gewebe- und Zellproben analysiere und dabei helfe, Krankheiten zu erkennen. Dass der Beruf des Pathologen auch mit Verstorbenen und Obduktionen zu tun hat, war mir durch mein Medizinstudium von Anfang an bewusst.

Wie es wirklich ist: Meine Erwartungen haben sich größtenteils bestätigt. Gut 95 Prozent meiner Arbeit besteht tatsächlich darin, Gewebe- und Zellmaterial zu untersuchen und Krankheiten zu diagnostizieren und zu klassifizieren. Warum das so wichtig ist? Tatsächlich lässt sich erst unter dem Mikroskop bestimmen, um welchen Tumortyp es sich bei einem Patienten handelt. 

Ohne unsere Diagnostik wüssten die behandelnden Kliniker in den meisten Fällen also nicht, welche Art Krebs der Patient hat und wie diese zu therapieren ist. Als Pathologe arbeite ich also wie die meisten Ärzte im Dienst des lebenden Patienten. 

Nur stehe ich dabei nicht neben seinem Bett, sondern am Mikroskop.

Eine besondere Herausforderung ist der Schnellschnitt. Das heißt, der Patient liegt auf dem OP-Tisch, der Operateur entnimmt ein Stück Gewebe und schickt mir dieses per Boten direkt ins Labor. Innerhalb weniger Minuten muss ich herausfinden, ob etwa der Tumor gutartig oder bösartig ist. 

Von meinem Befund hängt es ab, wie der Arzt den Patienten weiter operiert. Für mich ist das eine unheimliche Verantwortung. Umso wichtiger, bei unklaren Fällen sofort einen Kollegen um Rat zu Fragen.

Wenn ich auf Partys sage, dass ich Pathologe bin, kommen die meisten mit CSI: Miami und fragen, wie es ist, Kriminalfälle zu lösen

Ich erkläre ihnen dann immer, dass sie hier zwei Berufe verwechseln: Mit unnatürlichen Todesfällen beschäftigt sich der Rechtsmediziner, nicht der Pathologe. Ich finde diese Gespräche zwar manchmal etwas nervig, aber eigentlich ist es ja auch klar, dass nicht alle Laien den Unterschied kennen.

Benjamin, 28

Meine Erwartungen: Die Arbeit des Pathologen faszinierte mich im Studium schnell. Unter dem Mikroskop ein Stück Gewebe zu betrachten und mit eigenen Augen sehen zu können, was die Beschwerden des Patienten verursacht hat, fand ich spannend – ich erwartete, dass dies meine tägliche Arbeit sein würde. 

Wie es wirklich ist: Unter den Medizinern haben Pathologen oft den Ruf des Einzelgängers. 

Das gängige Klischee: Wir sitzen allein im Keller, mikroskopieren den ganzen Tag vor uns hin und haben mit dem übrigen Klinikalltag nicht viel zu tun.

Das stimmt so nicht. Natürlich arbeiten wir Pathologen viel im Labor und am Mikroskop, aber deshalb sind wir keine Einsiedler – die meisten Kollegen wissen das glücklicherweise auch.

Gerade bei der Behandlung von Krebserkrankungen arbeiten wir eng mit den anderen Ärzten zusammen, treffen uns einmal in der Woche zur Tumorkonferenz und besprechen, welche Therapie für den Patienten die Richtige ist. 

Ich mag diese Konferenzen sehr gerne. Nicht nur, weil ich in ihnen etwas mehr über den Patienten erfahre, dessen Gewebe ich gerade analysiert habe, sondern auch, weil ich so mitbekomme, was aus meinem Befund wird: Welche Therapie daraus folgt, dass ich etwa herausgefunden habe, dass der Patient einen Hirntumor hat oder die Metastase eines anderen Krebses.

Da ich in der Neuropathologie arbeite, analysiere ich vor allem Gewebeproben aus Gehirn und Rückenmark – manchmal auch aus der Muskulatur. Typische Krankheiten mit denen ich es zu tun habe, sind: Krebs, Entzündungen, Fehlbildungen oder Blutungen.

Das Wort "Blutung" klingt beim ersten Hören vielleicht harmlos. 

Tritt Blut im Gehirn aus, kann es – ähnlich eines Schlaganfalls – schwere Einschränkungen verursachen und sogar lebensgefährlich sein.

Im Labor geben unsere technischen Assistentinnen das Stück Gewebe, das uns in der Regel von einem Boten gebracht wird, in eine Art Wachs, schneiden und färben es. 

Am nächsten Tag schaue ich, ob sich in der Probe tatsächlich das vermutete Blut nachweisen lässt. Wenn ja, bestimmen wir das ungefähre Alter der Blutung und suchen nach der Ursache. Häufige Gründe sind etwa Gefäßfehlbildungen, eine geplatzte Arterie oder ein Tumor.

Natürlich bestimme ich ab und zu auch mal Todesursachen. In diesen Fällen bekomme ich statt einer Gewebeprobe das ganze Gehirn auf den Tisch. Als ich das Organ das erste Mal im Labor in die Hand nahm, war es anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Normalerweise sind Gehirne weich. Für die Pathologie werden sie extra in eine spezielle Härtungsflüssigkeit gelegt. Das fixiert das Gewebe. Um die Todesursache festzustellen, reicht es nicht aus, das Gehirn nur von außen zu betrachten. Ich muss es in Scheiben schneiden – und ja: Auch das ist aufregend!

Ramona, 30

Meine Erwartungen: Für die Gerichtsmedizin habe ich mich schon lange vor dem Studium interessiert. Herauszufinden, durch welche Umstände ein Mensch stirbt, diesen kombinierten Einsatz von medizinischem und technischem Wissen aber auch die psychologischen Hintergründe fand ich sehr spannend. Im Zuge meiner Doktorarbeit landete ich dann aber in der Pathologie.

Wie es wirklich ist: Mit meiner Berufswahl bin ich sehr zufrieden. Jeden Tag finden wir mit Analysen von Gewebeproben heraus, welche Krankheit bei einem Patienten vorliegt. Unsere Diagnose bahnt den Weg für die Therapie. 

Stellen wir eine falsche Diagnose, kann das gravierende Konsequenzen haben.

Einen bösartigen Tumor behandelt man schließlich anders als eine Entzündung oder eine gutartige Zyste. 

Der Schnellschnitt ist eine Herausforderung. Während der Patient sich noch in Narkose befindet, befunden wir das Gewebe innerhalb kürzester Zeit – und teilen dem Operateur mit, ob es sich bei der Wucherung um einen bösartigen Krebs handelt und ob er diesen vollständig entfernt hat. 

Neben der mikroskopischen Untersuchung von Gewebeproben gibt es auch die sogenannte Molekularpathologie. Das heißt, wir analysieren Veränderungen des Tumors auch auf DNA- und RNA-Ebene. Beim bösartigen Lungenkrebs gibt es zum Beispiel bestimmte genetische Mutationen im Tumor. Gegen die kann eine zielgerichtete, auf die Veränderung abgestimmte Therapie helfen.  

Wir führen auch Obduktionen durch. Anders als in der Gerichtsmedizin, in der Morde und unklare Todesursachen untersucht werden, obduzieren wir jedoch im klinischen Kontext: Ist ein Patient im Krankenhaus verstorben, stellen wir sicher, dass die erhobenen Diagnosen und Therapien korrekt waren und nichts übersehen wurde.

Durch all diese Aufgaben bleibt mein Beruf spannend und vielseitig – auch, weil die Medizin sich ständig weiterentwickelt. 

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